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16.04.2014

14:51 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Wenn das Kollektiv implodiert

VonAxel Kleinlein

Wer eine private Krankenpolice hat, muss mit steigenden Beiträgen rechnen. Tarife mit einem hohen Anteil gesunder Mitversicherter sind dabei kostengünstiger. Was Versicherten in schlechten Tarifen droht.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Das „Kollektiv“ ist die heilige Kuh der Versicherungswelt. Am Kollektiv orientiert sich alles, besonders, wenn es sich um Fragen der „Gerechtigkeit“, „Fairness“ oder „Angemessenheit“ dreht. Hintergrund ist der strikte Glaube an das Gesetz der großen Zahl: Ob der schieren Größe des Kollektivs ist es in Ordnung, einen Versicherungstarif nach den Grundsätzen der Statistik zu kalkulieren. Dann kann in der Wirklichkeit eigentlich nichts wirklich schief gehen.

Knifflig wird es dann, wenn das Kollektiv eher klein und überschaubar wird. Denn dann wirkt das „Gesetz der großen Zahl“ nicht. Abhilfe schafft sich der Versicherer damit, dass er das Winzig-Kollektiv durch Tricks künstlich vergrößert: Da werden dann Tarifübergreifende Kollektive gebildet (etwa bei der KfZ-Versicherung) oder durch einen Rückversicherungsvertrag der eigene Tarif mit denen der Mitwettbewerber verknüpft.

Aber was soll man tun, wenn eine derartige Erweiterung des Tarif-Kollektivs nicht möglich ist?

Das betrifft besonders die Tarife der Privaten Krankenversicherung. Hier gilt es, jeden Tarif genau dahingehend zu untersuchen, wie sich die Kostenbelastung in just diesem Kollektiv entwickelt. Da hilft es nicht, wenn im Nachbarkollektiv eine besonders günstige Kostenentwicklung zu beobachten ist. Denn für die Errechnung einer Beitragsanpassung zählt eben grundsätzlich nur das eigene Tarif-Kollektiv.

Als Versicherter denkt man selten über diese Probleme nach. Denn selbstverständlich geht man davon aus, dass das Kollektiv des eigenen Tarifs stets groß genug ist. Ansonsten wäre der Abschluss des Vertrages ein kalkulatorischer Blindflug gewesen.

Ein solcher Blindflug ist aber nun nicht mehr auszuschließen. Denken Sie zum Beispiel an einen Tarif, der schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr im Verkauf steht und bereits viele Versicherte verloren hat. Das kann passieren, wenn die Kunden den Vertrag gekündigt haben, in einen anderen Tarif wechselten oder aber verstorben sind. So kann es sein, dass hier nur noch sehr wenige Versicherte in diesem Tarif-Kollektiv verblieben sind, zum Beispiel nur noch 30 getreue Versicherte.

Kommentare (5)

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16.04.2014, 15:59 Uhr

Man sollte die PKV in der jetzigen Form verbieten.
Lotteriespiel ist doch eigentlich schon lange verboten!!!
Zumal die Spielbedingungen ziemlich einseitig sind.
Man stelle sich mal vor, man ist über 55 Jahre und die bestehende Versicherungsgesellschaft bietet nur zwei Tarife an.
Dann wechselt man zu einer anderen PKV und verzichtet auf Altersrückstellungen.

Account gelöscht!

16.04.2014, 17:15 Uhr

Sehr geehrter Herr Kleinlein,

m.E. sollten Sie mal einen Blick in die sogenannte
Kalkulationsverordnung werfen.
Die dürfte Ihren Horizont erweitern.

Account gelöscht!

16.04.2014, 17:18 Uhr

Einen Blick in die sogenannte Kalkulationsverordnung
dürfte Herrn Kleinlein gut tun.

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