Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.11.2014

10:33 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Wer bezahlt die Unabhängigen?

VonAxel Kleinlein

In der Öffentlichkeit präsentieren sich zahlreiche Versicherungsexperten. Doch woran erkennen Versicherte, ob die Ratschläge der echten oder angeblichen Fachleute unabhängig sind? Die Antwort ist denkbar einfach.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Früher, zu Zeiten des Minnesangs galt die alte Redensart: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. Oder anders ausgedrückt: Wer mich bezahlt, dessen Interessen werde ich vertreten. Früher konnte man einfacher erkennen, in wessen Sold jemand stand. Heute ist das vertrackter. Besonders im Bereich der Versicherungen, in dem Dickicht von Lobbyisten, Experten, Politikern und Verbraucherschützern ist so manche Abhängigkeit unklar.

Es gibt eine Tendenz, dass Verbraucherschutz als so etwas wie ein Modeaccessoire angesehen wird. Es ist in bestimmten Kreisen einfach schick, sich als Verbraucherschützer zu präsentieren. Aber was ist das Kriterium, um tatsächlich ein Verbraucherschützer zu sein? So klar und deutlich singt ja kaum noch jemand das Lied seines Geldgebers. Was also tun?

Was schon in der Watergate-Affäre galt, das gilt auch hier: „Always follow the money“ sagte schon Deep-Throat alias Mark Felt. Und das ist in der (verbraucher-)politischen Betrachtung genau das gleiche. „Folge dem Geld“ und verfolge, wer die Rechnung bezahlt.

Ein paar Beispiele machen das klarer: Wenn das Geschäftsmodell darauf basiert, dass man hauptsächlich Gelder von den Versicherungen bekommt, dann widerspricht das erst einmal dem verbraucherpolitischen Anspruch. Nach der Devise „wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ ist die Gefahr nun mal recht groß, dass man dem Geldgeber gefallen möchte. Da ist es dann egal, ob man von den Versicherern Geld bekommt, um deren Produkte zu bewerten oder ob man Werbeeinnahmen für die eigenen Publikationen bekommt.

Um dann trotzdem noch dem Lager der Neutralen oder gar dem der Verbraucher hinzugerechnet zu werden, dazu bedarf es sehr deutlicher Abgrenzungen. Nur mit handfesten und schriftlichen Kodizes oder auch ausgefeilten Compliance-Regeln kann da gegengesteuert werden. Ob die dann ausreichen, das steht auf einem anderen Blatt. Reine Lippenbekenntnisse reichen aber sicher nicht.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

G. Nampf

05.11.2014, 12:57 Uhr

Herr Kleinlein,

Ihre Artikel sind allermeistens richtig und zutreffend, deswegen lese ich sie immer gerne.

Was in diesem Artikel die Politik betrifft liegen Sie jedoch falsch:

Es sind wir Steuerzahler, die letztendlich die Politik bezahlen (MÜSSEN!, leider), dennoch treffen Politiker andauernd Entscheidungen gegen uns.

Herr Hubert Gierhartz

05.11.2014, 14:57 Uhr

Leider gibt es im Bereich der Versicherungen auch keine glaubhaften Verbraucherschützer. Für mich ist ein Verbraucherschützer nur glaubhaft, wenn er keine Bezüge
bezieht, von Produktgebern (Versicherungsgesellschaften ) die er in der Öffentlichkeit kritisiert, aber durchaus Einkünfte von genau diesen Versicherungsgesellschaften erhält Ein Verbraucheschützer muss völlig neutral sein.

Nehmen wir den Bund der Versicherten.Der Bund der Versicherten hat eine Geselschaft gegründet, die BDV Mitgliederservice GmbH die als Versicherungsvermittler
unter der Registriernummer D-P-404-VZT 18-38 im Vermittlerregister eingetragen ist. Der Verbraucherschützer ist gleichzeitig Versicherungsvermittler. Ist das glaubwürdig ?

Bei Stiftung Warentest kann man gegen Entgelt einen Versicherungcheck machen. Empfohlen werden fast immer
die gleichen Gesellschaften. Hier ist die kritische Frage zu stellen, erhält u.U. Stiftung Warentest für diese Empfehlung Geld ? Dabei lassen wir einmal die Qualität der empfohlenen Produkte aussen vor.

Dann gibt es noch die als Verbraucherschützer getarnten
einschlägigen Magazine, die nur ein Ziel haben, dass der
Leser möglichst viele Affilate Links anklickt,um über diesen Weg Versicherungen zu vermitteln.

Der Makler muss sich gesetzlich zwingend gegenüber seinen Kunden als Makler ausgeben. Er muss, wenn er im Markt bestehen will, Produkte anbieten, die gegenüber der Konkurrenz standhalten. Dabei muss der Makler auch im eigenen Interesse haftungssichere Produkte vermitteln, d. h. Preis-Leistungsverhältnis müssen stimmen.

Der Makler haftet für seineTätigkeit.Verbraucherschützer haften nicht.



Herr Tim Städele

06.11.2014, 13:42 Uhr

Ich kann Ihrem Kommentar nur zustimmen Herr Gierhartz! Und im Falle des Bundes der Versicherten wird es wirklich kompliziert: Wir haben auf der einen Seite den gemeinnützigen Verein der nach außen als Verbraucherschützer auftritt. Tja und dann gibt es da noch die Service GmbH des BDV. Sie hat eine Erlaubnis als Versicherungsvertreter. Herr Kleinklein erläutert völlig richtig in seiner Kolumne, dass Makler aufgrund der Gesetzeslage auch auf Seiten der Verbraucher stehen. Sie sind Sachwalter des Kunden. Bei der Service GmbH seines Arbeitgebers handelt es sich jedoch um einen Versicherungsvertreter. Und Versicherungsvertreter vertreten nicht die Interessen der Kunden sondern sind dem Lager der Versicherer zuzuordnen.

Immerhin erfüllt die Service GmbH die gesetzlichen Anforderungen und kann die nach Meinung des Gesetzgebers nötige Fachkunde für Beratung von Verbrauchern nachweisen. Bei den Verbraucherzentralen meint man immer noch man bräuchte keine Sachkunde und würde mit seiner Beratung außerhalb der Gewerbeordnung stehen. Diese Rechtsauffassung wird aber längst nicht mehr von allen geteilt (vgl. http://ts-concept.com/tsconcept/2014/04/30/verbraucherschuetzer-auf-duennem-eis/).

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×