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25.09.2013

14:52 Uhr

Der Ver(un)sicherer

Wir brauchen kein Produktchaos

VonAxel Kleinlein

Die neue Regierung sollte die Rolle des Verbrauchers ernst nehmen. Wünschenswert wäre ein vernünftiger Mittelweg zwischen Bevormundung einerseits und Entscheidungsfreiheit des Verbrauchers auf der anderen Seite.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Das Wahlergebnis ist aus Sicht eines Verbraucherschützers schwierig zu beurteilen. So ganz klar ist es ja noch nicht, worauf das alles hinausläuft, wenn es um den finanziellen Verbraucherschutz geht. Um das einordnen zu können, müsste ich erst einmal wissen, wie ich von der neuen Regierung gesehen werde.

Bin ich ein mündiger Verbraucher, der die Freiheit (und die Pflicht!) hat, vollständig eigenverantwortlich Verbraucherentscheidungen zu fällen und deshalb immer selbst dran schuld ist, wenn es schief geht? Oder bin ich in den Augen der zukünftig Regierenden ein unfähiger Verbraucher, den man davor schützen muss, womöglich eine falsche Entscheidung zu fällen?

Kurz vorweg zur Beruhigung: Keine einzige Partei vertritt eine dieser Positionen in Reinform. Irgendwie wollen alle Parteien, dass der Bürger sich als mündig und selbstbestimmt versteht. Zugleich sollen aber die Märkte so flankiert werden, dass die Verbraucher vor den schlimmsten Auswüchsen geschützt werden. Das Maß, mit dem der eine oder andere Aspekt akzentuiert wird, ist aber sehr verschieden.

Am einen Ende der Skala steht diejenige Partei, die es erstmals geschafft hat, aus der Regierungsverantwortung direkt in die außerparlamentarische Opposition (Apo) geschickt zu werden. Die FDP war ja bis zum Schluss der Überzeugung, dass zum Beispiel in Sachen Riester-Rente in der letzten Legislaturperiode schon so viele Verbesserungen gelaufen sind – „dank der Liberalen“ – dass diese geförderte Rente nun so viel „transparenter und attraktiver geworden“ sei.

Ich weiß zwar noch immer nicht, was eine „unattraktive“ Riester-Rente sein soll, aber eine Grundposition wird aus diesem Auszug des FDP-Parteiprogramms klar. Ein Verbraucher, der noch immer nicht versteht, wie die Riester-Rente funktioniert und noch immer nicht begreift, dass die Riester-Rente einfach großartig ist, der ist selbst schuld. Mehr Regulierung und Verbraucherschutz wäre eben nicht notwendig. Dabei wird dann ausgeblendet, dass es ja auch Steuergelder sind, die womöglich fehlinvestiert werden.

Dieses wirtschaftsliberale Verbraucherbild wurde nun glücklicherweise abgewählt. Einige werden jetzt kritisieren, dass ich das ja nur sagen würde, da ich in einer reinen FDP-Welt gar keinen Job mehr hätte. Und das nur sage, um meinen Job zu behalten. Das stimmt aber nicht. Denn ich bin wirklich der Überzeugung, dass es den vollinformierten und selbstbestimmten Verbraucher in Sachen Finanzdienstleistungen derzeit nicht gibt und auch nicht absehbar ist, dass es ihn je geben wird.

Kommentare (1)

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picasso

25.09.2013, 16:09 Uhr

Die Politiker haben den Anweisungen ihres Chefs zu befolgen und Chef sind WIR

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