Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.02.2008

15:05 Uhr

Deutsche Bank

Überfällige Miete

VonLauren Silva (breakingview.com)

Die Deutsche Bank hat dem Immobilienzaren Harry Macklowe 5,8 Mrd. Dollar geliehen. Jetzt kann er seine Kredite nicht zurückzahlen – und die Bank bleibt auf sieben Bürogebäuden in Manhattan sitzen. Sicher, der Deal ist abgeschlossen worden, als der ohnehin schon überschäumende Markt seinen Höhepunkt erreicht hatte. Aber die Bank hätte die Risiken erkennen müssen.

Harry Macklowe sieht in der Konfrontation mit der Deutschen Bank wie der Verlierer aus. Aber die Bank könnte letztendlich genauso stark oder sogar noch stärker leiden als der New Yorker Immobilienmogul. Macklowe kann einen Kredit der Deutschen Bank über 5,8 Mrd. Dollar nicht zurückzahlen, den er im vergangenen Jahr dazu eingesetzt hatte, um sieben Bürohäuser in Manhatten von der Beteiligungsgesellschaft Blackstone zu kaufen. Die Deutsche Bank plant jetzt, die Gebäude zu verkaufen. Da der Markt für Gewerbeimmobilien aber in die Knie geht, könnte das schwierig werden. Macklowe wird das bisschen an Eigenkapital verlieren, das er zusammengekratzt hatte, um die Immobilien zu kaufen. Die Bank könnte es schwerer treffen.

Die Deutsche Bank hat eine Menge Warnsignale übersehen, als sie sich Anfang des vergangenen Jahres auf den Deal eingelassen hatte. Zunächst einmal hat Macklowe die Akquisition über sieben Mrd. Dollar fast ausschließlich mit Fremdmitteln finanziert – neben dem Kredit von der Deutschen Bank hat er sich von Fortress 1,2 Mrd. Dollar geliehen. Die Deutsche Bank hätte alarmiert sein sollen, dass Macklowe so wenig eigenes Geld einsetzt. Zugegeben, der Projektentwickler hat Fortress eine Garantie über eine Mrd. Dollar für ihren Kredit gegeben. Aber das hilft der Deutschen Bank auch nicht weiter.

Zudem gab es Anzeichen, dass es Marlowe schwer fallen würde, den einjährigen Kredit abzubezahlen. Es hatten sich bereits erste Risse auf dem Markt für Wertpapiere aufgetan, die durch Hypotheken auf Wohnimmobilien besichert waren. Als nächstes wären die Wertpapiere dran, die durch Gewerbeimmobilien besichert sind, lautete die Überzeugung der Marktbeobachter. Spätestens dann hätten die Alarmglocken läuten sollen, was Macklowes Fähigkeit anging, seine Schulden zu refinanzieren.

Außerdem hat Macklowe die Gebäude auch nicht gerade billig erworben. Der Abschluss kam als „schneller Wechsel“ aus dem Portfolio über 39 Mrd. Dollar zustande, das Blackstone dem Mogul Sam Zell abgekauft hatte. Zell ist bekannt für sein tadelloses Timing und Blackstone ist auch kein Zauderer. Die Deutsche Bank hätte davor gewarnt sein müssen, dass Macklowe möglicherweise sehr teuer eingekauft hat.

Trotz aller Warnsignale hat die Deutsche Bank die Risiken nicht gestreut. Sie hat den Kredit behalten, anstatt ihn zu syndizieren. Jetzt sitzt die Bank auf sieben Gebäuden, die auf dem Höhepunkt eines überschäumenden Marktes gekauft worden waren. Sicher kann man schlimmere Vermögenswerte sein eigen nennen. Aber die Deutsche Bank hatte erst jüngst den Rückzug aus dem New Yorker Immobilienmarkt angetreten. Das Institut hatte im Mai seine Niederlassung in 60 Wall Street und im vergangenen Monat seine frühere Bleibe in 31 West 52nd Street abgestoßen.

Immobilienexperten sagen, die Gebäude könnten jetzt schon weniger als 5,8 Mrd. Dollar wert sein. Bis 2009 dürfte der Wert von Gewerbeimmobilien um mehr als 20 Prozent fallen, rechnet das Research-Team von Goldman Sachs vor. Sollte dies der Fall sein, ist Macklowe vermutlich gut beraten, wenn er seine Sachen packt und verschwindet. Für die Deutsche Bank haben die Sorgen allerdings gerade erst angefangen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×