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18.12.2014

17:12 Uhr

Die Frauenversteherin

Ist das euer Ernst?

VonNora-Vanessa Wohlert

Die Frauenquote für Aufsichtsräte kommt. 30 Prozent ab 2016. Doch was eigentlich viel spannender ist als die Quote selbst, sind die subtilen Botschaften, die sie begleiten. Und die sind unmöglich.

Die Autorin ist Gründerin der Business-Lifestyle-Plattform „EDITION F“.

Die Autorin ist Gründerin der Business-Lifestyle-Plattform „EDITION F“.

Ich bin gegen die Quote, das hab ich immer gesagt. Weder will ich selbst eines Tages Quotenfrau sein, noch aufgrund meines Geschlechtes in einen Aufsichtsrat kommen. Den Posten selbst könnte ich mir zwar eines Tages vorstellen, aber das Gefühl ihn nur bekommen zu haben, weil ich eine Frau bin, würde mir missfallen.

Meine erste Beobachtung: Gegen die Quote zu sein, wirkt kämpferisch. Die brauchen wir nicht. Sie schadet uns sogar. So wie ich, das ist mir in den letzten Monaten immer öfter aufgefallen, denken vor allem junge Frauen, die noch nicht versucht haben im großen Corporate-Unternehmen ihren Weg bis ganz nach oben zu gehen. Frauen in Corporate-Unternehmen und Frauen 40 Plus sehen die Sache mit der Quote häufig differenzierter. Die Quote könne zwar nicht der alleinige Wegbereiter sein, aber ein Vehikel, damit die Männer in den grauen Anzügen überhaupt ins Denken geraten zu Themen wie Diversity, Perspektivvielfalt, Chancengleichheit. Angeblich sind gerade einmal 27 Prozent der Chefinnen für die Quote. Frauen, die selbst im Vorstand sitzen, dürfen hingegen öffentlich gar nicht Stellung nehmen, zu ihrer Meinung um die Quote.

Die Frage, die sich stellt: Warum haben wir Angst vor der Quote? Und diese geht nicht nur bei den Frauen um, sondern vor allem auch in der Politik und der Wirtschaft. Der Tenor: Die Quote sei wirtschaftsschädigend.

Eine Aussage, die nicht nur grundlegend pauschalisiert, sondern zudem in der Argumentationskette unhaltbar ist. Die CSU versucht die Argumente dennoch seit langem so politisch korrekt wie nötig, aber für die Sache selbst so dringlich wie möglich zu formulieren: Zuletzt hatte die Partei darauf gedrängt, die Quotenregelung zu verschieben und Ausnahmen für bestimmte Unternehmen zu schaffen. Denn sie befürchtete eine zu große Belastung der Wirtschaft. Weil es nicht genügend Frauen gibt? Oder Frauen keinen guten Job machen?

Die Frauenversteherin: Wir brauchen mehr Frauen, die sich trauen!

Die Frauenversteherin

Wir brauchen mehr Frauen, die sich trauen!

Nur selten sind Risikokapitalgeber weiblich – ein Grund dafür, dass Unternehmensgründerinnen es schwerer haben, für ihre Ideen Investoren zu finden. Denn an manche Ideen von Frauen glauben eben nur Frauen.

Viele Argumente gegen die Quote könnte ich gelten lassen: dass sie nicht weit genug geht, weil sie nur die Aufsichtsräte betrifft und diese kaum operativen Einfluss auf die Wirtschaft haben, oder dass man nur auf das Geschlecht Rücksicht nimmt, nicht aber auf die Herkunft, das Alter oder andere Kriterien. Dass sie der falsche Weg ist, weil wir andere Mechanismen brauchen, um Frauen zu fördern und Unternehmen vielfältiger zu machen. Weil es um die Qualifikation gehen sollte und nicht das Geschlecht. Aber Frauen als Wirtschaftsbedrohung?

Ich persönlich frage mich wirklich: Ist das euer Ernst? Die 30-Prozent-Regelung betrifft lediglich die Aufsichtsräte von 108 großen Unternehmen mit Börsennotierung und voller Mitbestimmung. Auch sechs Konzerne, die europarechtlich organisiert sind, fallen darunter. Sollte die Quote verfehlt werden, müssen Aufsichtsratsposten zur Strafe unbesetzt bleiben. Von den 30 Dax-Konzernen erfüllen derzeit zehn die Vorgaben.

Unternehmen mittlerer Größe müssen 2015 eigene Zielvorgaben für die Vergabe von Posten an Frauen im Aufsichtsrat, im Vorstand und im Management aufstellen und 2017 erstmals über die Umsetzung öffentlich berichten. Sanktionen bei einem Verfehlen der Ziele sind nicht vorgesehen.

Kommentare (6)

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Herr Chris Frank

18.12.2014, 18:09 Uhr

Frau Wohlert hat mehrere Denkfehler in ihrer Argumentation. Es geht nicht darum, ob es Frauen gibt, die für den Job qualifiziert sind. Sondern auch darum, wie viele. Man kann nicht auf der einen Seite argumentieren, dass bei 50% Frauenanteil in der Bevölkerung 30% (besser 50%) schon drin sein muss. Wenn aber gar nicht 100% der Frauen in Frage kommen. Wenn für eine Funktion 500 Männer, aber nur 5 Frauen qualifiziert sind, dann beträgt der Frauenanteil an der Gesamtheit der qualifizierten Personen ca. 1%. Daraus kann man aber keinen Anspruch auf die Funktion ableiten. Und diese Qualifikation ist auf der einen Seite das Fachliche. Welcher Studiengang, welche Vertiefung, welcher Studienort, welcher berufliche Werdegang, Auslandsstationen, Tätigkeitswechsel, ggf. Umzüge, ggf. Arbeitszeiten jenseits von gut und böse,...

Aber zu Qualifikation gehört neben diesen Papierqualifikationen auch ein gewisser Machtwille. Führung muss man wollen. Dafür muss man eine Veranlagung haben und man muss bereit sein dafür gewisse Einschränkungen hin zu nehmen. Denn das tun die Männer heute auch. Ob das notwendig ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Männer streiten aber nicht darüber, sondern tun es. Also ist das als Norm gesetzt (und wie man an der Entwicklung in D erkennen kann ist das System ganz erfolgreich). Und wenn das Norm ist, dann muss Frau die das auch will da eben zu den selben Regeln mitspielen, wie ihre Konkurrenten auch. Will sie das nicht und kommt sie nur über die Quote rein, dann wird sie zu recht schief angeschaut. Denn dann ist sie, da sie die Norm nicht erfüllt hat, schlicht eine Quotenfrau.

Herr Renatus Isenberg

18.12.2014, 18:11 Uhr

Männer kommen nur nach oben durch ihre Verbindungen und Freundschaften. Manche Frauen sind sicher auch geeignet, Führungspositionen einzunehmen. In meiner Erffahrung sind sie generell rücksichtsloser als Männer, doch wenn sie mal gefühlsmässig auf einen Mitarbeiter stehen, bevorzugen sie ihn obszön. Und das betrifft nicht unbedingt die, mit dem sie ins Bett geht, fall so etwas vorkommt.

Herr Manfred Zimmer

18.12.2014, 18:20 Uhr

Was soll diese Forderung eigentlich?

Früher war es so, dass Ehepaare zu 50 % weiblich waren. Zugegeben mit der Liberalisierung der Ehe scheint es unumgänglich zu sein, eine Frauenquote zu etablieren. Weshalb sollten nicht auch in Ehen 30 % weiblich sein?

Früher gab es einem den Kampf um gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Heute muss man zu 30 % weiblich sein, um einen Job zu erhalten. Die Befähigung scheint als Kriterium in den Hintergrund zu rücken.

Auf welches Denkmodell/System will man jetzt eigentlich umsatteln?

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