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17.12.2011

10:39 Uhr

Dutschke spricht

Alles andere als eine sichere Anlage

Angesichts der Angst um den Euro investieren viele Deutsche in den Immobilienmarkt. Doch das ist alles andere als eine sichere Bank, wie auch die Baum-Affäre in Berlin zeigt.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Es ist kein Geheimnis, dass die Angst um den Euro viele Deutsche dazu gebracht hat, in den Immobilienmarkt zu investieren. Gerade in Großstädten wie Berlin, Hamburg und Frankfurt ist die Nachfrage besonders groß. Die Medien berichten ja fast jede Woche darüber, wie der Markt boomt. Die Zeitungen sind voll mit Artikeln über steigende Mieten und Kaufpreise, über Wohnungsknappheit in Toplagen und soziale Verdrängung. Wer jetzt zuschlägt, kann also gar nichts falsch machen, oder?

Mitnichten, der Kauf einer Immobilie, auch in einer beliebten Großstadt, ist alles andere als eine sichere und ruhige Investition. Denn gerade ein auf dem Immobilienmarkt tummeln sich dunkle Geschäftemacher und korrupter Bauherrn. Käufer wissen meist nicht, auf was für ein nervenaufreibendes Unterfangen sie sich einlassen. In Berlin haben wir diese Woche einen Einblick in solche Verhältnisse bekommen. Der frisch ernannte Justiz- und Verbraucherschutzsenator von der CDU, Michael Braun, ist nach nur 11 Tagen im Amt zurückgetreten nachdem ihm vorgeworfen wurde, in seiner Funktion als Notar am überteuerten Verkauf von „Schrottimmobilien“ beteiligt gewesen zu sein. Juristisch trifft ihn keine Schuld, aber höchstwahrscheinlich hat er es mit seiner Pflicht zur Risikoaufklärung für den Käufer nicht so ernst genommen. Auf diesen Verbraucherschutzsenator hätte sich Berlin wirklich freuen können!

Am Verkauf von Eigentumswohnungen kann man sehr gut verdienen, egal ob Einzelperson, kleines Unternehmen oder großer ausländischer Konzern. Dies bedeutet, dass die Kosten für die Sanierung der Immobilie massiv gedrückt werden müssen. Am Bau werkeln folglich finster blickende Bauarbeiter ohne Deutschkenntnisse. Jede Woche kommt ein neuer Subunternehmer, weil der alte „insolvent“ gegangen oder vom Bauherrn nicht bezahlt worden ist. Mysteriöserweise gehen immer wieder Altbautüren, Fenster, Knäufe, und andere wertvolle Altbestände verschwunden. Im Falle von Problemen ist es dem Käufer quasi unmöglich, sich in diesem unübersichtlichen Netz der Baufirmen zu Recht zu finden und sein Recht geltend zu machen. Der Käufer guckt in die Röhre.

Liebevoll saniert oder am Original angelehnte Nachbauten werden meist nur auf der Hochglanzbroschüre versprochen. Es ist ja natürlich günstiger, erstmal alles rauszukloppen und die Decke abzuhängen, anstatt eine aufwendige Altbaurestauration zu starten. Die Immobilie wird dann eher nach den Vorstellungen des Verkäufers aufgemöbelt. Die Produktpalette ist dann auf solche Elemente beschränkt, die der Verkäufer möglichst rabattiert und billig beziehen kann und nicht, was gut passen würde oder dem Wunsch des Käufers entspräche. Da kann jemand tausendmal nach einer bestimmten Dusche fragen, am Ende steht im Bad die Standardkabine. Und an der Außenfassade klebt der falsche Schaumstoffstuck. Die Unternehmen gehen davon aus, dass die Käufer nicht die Zeit und Muße haben, sich dagegen zu wehren. In der Regel geht die Rechnung auf.

Der Verkäufer sitzt am längeren Hebel. Der Käufer einer Immobilie möchte in der Regel möglichst schnell einziehen und lässt sich durch immer neue Verzögerungen und Mängel frustrieren. Irgendwann bezahlt man dann mehr als nötig, obwohl das Bauvorhaben noch nicht abgeschlossen ist, nur um endlich den Schlüssel zu bekommen. Hier wäre es wahrlich an der Zeit, dass die Politik einen wirklichen Verbraucherschutz gewährleisten würde.

Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke, Wortführer der Studentenbewegung in den 60er-Jahren. Er ist an der Hertie School of Governance beschäftigt und lebt in Berlin.

        

Kommentare (9)

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gierige_Politiker

17.12.2011, 13:53 Uhr

"Der frisch ernannte Justiz- und Verbraucherschutzsenator von der CDU, Michael Braun, ist nach nur 11 Tagen im Amt zurückgetreten nachdem ihm vorgeworfen wurde, in seiner Funktion als Notar am überteuerten Verkauf von „Schrottimmobilien“ beteiligt gewesen zu sein"

Und hier der Gipfel: www.tagesspiegel.de/berlin/empoerung-ueber-goldenen-handschlag-fuer-braun/5956298.html

"Ex-Senator Braun hat Anspruch auf rund 50 000 Euro Übergangsgeld - nach elf Tagen im Amt. Der Kommentar eines Senatssprechers: Kritik sei nicht "gerechtfertigt". " ...!!


***

Ansonsten kann ich dem Artikel nur zustimmen; man sollte sich den Verkäufer schon im Vorfeld sehr genau anschauen und sofort die Finger von der Sache lassen sobald einem etwas komisch vorkommt.

Klugscheisser

17.12.2011, 19:33 Uhr

Arrgh, was ist denn das hier? Von welcher "Baum-Affäre" ist hier die Rede? Liest hier jemand die Texte, bevor sie auf die Öffentlichkeit losgelassen werden? Türen gehen verschwunden? Türen gehen auf oder zu, aber nicht verschwunden! Man kann auch nicht insolvent gehen, höchstens 'in die Insolvenz'! Und den Kurzzeit-Senator trifft juristische keine Schuld? Ist der Autor Jurist, ist das irgendwo schon einmal verhandelt worden? Auf dem Bau arbeiten nur finster blickende Ausländer? Davon abgesehen, nichts als unbelegte Allgemeinplätze in diesem Text. Sorry, der Autor arbeitet bei der Hertie School? Was macht er da, Regale einräumen? Ausdruck, Rechtschreibung, Grammatik und Recherche scheint er jedenfalls nicht gelernt zu haben. Dann doch lieber Lidl School of Competence...

@Klugscheisser

17.12.2011, 20:19 Uhr

das sind eben Online-Artikel, wenn Sie soviel Wert auf „Ausdruck, Rechtschreibung, Grammatik und Recherche“ legen dann kaufen Sie sich doch am Kiosk die entsprechende Lektüre.

Ich finde es ist nicht mehr zum Aushalten hier. Immer nur meckern... aber nicht zahlen wollen.

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