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19.05.2012

08:52 Uhr

Dutschke spricht

Am laufenden Band niveaulose Schnulzen

VonMarek Dutschke

Die meisten TV-Sender machen Programm für ein älteres Publikum, so wie die Politik. Auch in Deutschland wäre es jedoch möglich, richtig gute Serien für das Fernsehen zu produzieren. Den Markt dafür gäbe es.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Der Parteienforscher Franz Walter hat nach der Landtagswahl in NRW darauf hingewiesen, dass die Volksparteien in der Krise stecken. Trotz des fulminanten Wahlsiegs der SPD haben die beiden großen Parteien nur 23 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten für sich gewinnen können. Gerade bei den jungen Wählern haben CDU und SPD massiv an Zuspruch verloren.

Altbundespräsident Herzog schlägt deshalb vor, die Fünfprozenthürde nach oben zu heben. Aber dies löst das Problem nicht, sondern manipuliert nur die Symptome. Die Roten und Schwarzen schaffen es einfach nicht, junge Wähler für ihre Ziele zu begeistern. Sie wollen es auch teilweise gar nicht. Denn um nichts in der Welt wollen sie ihr älteres Stammklientel verärgern.

Die Rentner bestimmen die zaghaften Parteiprogramme und Zurückhaltung der Parteien in Sachen „Neues Wagen“. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist es das gleiche Dilemma. Wie die Politik machen die meisten Sender Programm für ein älteres Publikum. Viele Junge haben sich längst vom Medium Fernsehen abgewendet.

In meinem Freundeskreis gibt es immer mehr Menschen ohne Fernseher. Sie sehen sich vielleicht die eine oder andere anspruchsvolle Dokumentation auf Arte oder eine Politsendung im ZDF an. Sie treffen sich zum gemeinsamen Tatortabend, aber sie würden nie das Traumhotel oder Donna-Leon-Krimis anschauen.

Seit Jahrzehnten halten sich abgenutzte Formate wie „Wetten dass...?“ und „Verstehen Sie Spaß?“. Wer guckt das eigentlich noch? Früher saß man als komplette Familie vor dem Fernseher und staunte über die Wetten und Stars bei Thomas Gottschalk. Am Montag wurden alle Wetten auf dem Schulhof ausgewertet. Jeder redete begeistert mit.

Heute gucken es nicht mal mehr die Schwiegereltern. Es spricht doch Bände, dass Stefan Raab mit seinen verschiedenen Blödelsendungen bei jüngeren Zuschauern eine halbwegs gute Quote einfährt. Die Zuschauer sind gelangweilt und kennen gar keine niveauvolle Alternative mehr, so dass sie sich alles anschauen würden, was etwas anders daherkommt.

Gerade bei den öffentlich-rechtlichen Sendern fehlt die Risikobereitschaft, anspruchvolles Unterhaltungsprogramm herzustellen. Stattdessen werden immer weiter „Schmonzetten aus einem dramaturgischen Einheitsbrei“ produziert, wie der Bundesverband Regie (BVR) kritisiert.

Kommentare (11)

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19.05.2012, 09:11 Uhr

Sehr gut Herr Dutschke ! Bin auch der Meinung, dass wir behandelt werde wie ein grosses Altersheim ohne Zukunft, vollkommen hilflos. Und die GEZ-TV-Sender helfen kräftig dabei. Hypnose, Gefühl der Hilflosigkeit und Zukunftsangst, das wollen Politik und GEZ-TV-Sender dadurch verbreiten, damit die POlitik von Frau Merkel akzeptiert wird als alternativlos.

Das beste ist, nur noch PHOENIC als ÖR-Fernsehanstalt zwangsubventioniert wird mit GEZ-Beträgen (5 EUR im Monat). Der restliche Propaganda-Apparat muss weg. Die ganzen fett-bezahlten talk-medien-Gesellschaften, die das GEZ-Geld aufsazgen weg (Anne Will und und und).

Account gelöscht!

19.05.2012, 09:14 Uhr

Sehr gut Herr Dutschke ! Bin auch der Meinung, dass wir behandelt werden wie ein grosses Altersheim ohne Zukunft, vollkommen hilflos. Und die GEZ-TV-Sender helfen kräftig dabei. Hypnose, Gefühl der Hilflosigkeit und Zukunftsangst, das wollen Politik und GEZ-TV-Sender dadurch verbreiten, damit die POlitik von Frau Merkel akzeptiert wird als alternativlos.

Das beste ist, nur noch PHOENIX als ÖR-Fernsehanstalt zwangsubventioniert wird mit GEZ-Beträgen (5 EUR im Monat). Der restliche Propaganda-Apparat muss weg. Die ganzen fett-bezahlten talk-Medien-Gesellschaften, die das GEZ-Geld aufsaugen weg (Anne Will und und und). Die liegen wie die Maden im Speck und grinsen in die Kameras. , kauen immer den gleichen alten Kaugummi durch mit 3.klassigen Talkern.

Frieda

19.05.2012, 10:12 Uhr

Ich hoffe, dass Ihr Beitrag eine breitere Diskussion auslöst. Unsere Familie hat den Fernseher vor 25 Jahren abgeschafft. Niemand vermisst ihn.

Nun darf ich mich dank der von sämtlichen Parteien (nein nicht alle: die Piraten habe dies abgelehnt !) beschlossenen Haushaltsgebühr an der Finanzierung des deutschen TV beteiligen, m.a.W.:

o auch ich darf die Millionen-Einkommen von Moderatoren und Sternchen und Fußballspielern mit finanzieren

o und stütze damit die Argumentation der deutschen Management-Elite: "sollen wir Vorstände und Aufsichtsräte etwa weniger verdienen als z.B. Günter Jauch ?"

Kultur- und Sozialpolitik haben eines gemeinsam: durch entsprechende Aussagen und Position kann sich jedermann als weltoffener und liberaler Gutmensch inszenieren. Ich bezweifle, dass unsere Bürger wissen, auf welchen Wegen heute Geld für Kunst & Kultur & TV eingesammelt wird (GEZ, GEMA u.a. Urheber-Vertreter, Aufschläge auf PC, Drucker, CD´s, ..., Abgaben an Künstlersozialkassen bei Beauftragung von Kreativ-Leistungen, ...) und wie und an wen dieses Geld verteilt wird.

Nur soviel ist sicher: Unsere Parteien sind insbesondere in Sachen TV befangen, bieten die ÖR für sie doch auch komfortabel ausgestattet Posten.

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