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16.03.2013

11:04 Uhr

Dutschke spricht

Amazon übernimmt sich

VonMarek Dutschke

Der Expansionskurs des Internethändlers Amazon treibt den Konzern an seine Grenzen. Auch die Geschäftspraktiken des Unternehmens stehen in der Kritik. Dabei ist der simple Boykott nicht einmal der wirksamste Protest.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

In der ehemaligen Karl-Marx-Buchhandlung in Berlin-Friedrichshain werden schon lange keine Bücher mehr verkauft. Bei Immobilienscout24 werden 600 m² des denkmalgeschützten Gebäudes für 9 Euro pro m² angeboten. Die Wahrscheinlichkeit, dass dort wieder eine Buchhandlung öffnet, ist gleich null. Die Zeiten sind hart für Buchhändler. Der Siegeszug von Amazon und der Vormarsch des E-Book haben die traditionellen Händler an den wirtschaftlichen Abgrund gedrängt. Umsatz und Aktienkurs von Amazon steigen und steigen.

Der Profit wird benutzt, um Jeff Bezos’ aggressiven Expansionskurs umzusetzen. Der Konzern ist inzwischen so breit aufgestellt, dass der Verkauf von Büchern lediglich zwanzig Prozent des Umsatzes in Deutschland ausmacht. Es gibt wenig, was man bei Amazon nicht kaufen könnte. In naher Zukunft sollen Lebensmittel ins Sortiment kommen. Wow, wenn die Kinder nicht ständig auf den Spielplatz wollen würden, müsste ich dann gar nicht mehr rausgehen.

Allerdings gehört es zum guten Ton in meinem Umfeld, die böse Krake Amazon erst einmal zu boykottieren. Die Einschüchterungen der Leiharbeiter und die aggressiven Preispolitiken für Händler bei Amazon brachten die Geschäftspraktiken des Konzerns an die Öffentlichkeit und alarmierten nicht nur das Bundeskartellamt sondern auch die Konsumenten. Der Wutbürger muss allerdings nicht mal auf die Straße gehen, was bei diesen jämmerlichen Märztemperaturen auch unmenschlich wäre, sondern boykottiert den Versandriesen einfach.

So bringt der Postbote nach wie vor viele Pakete ins Haus, allerdings keine mehr mit dem Amazon Schriftzug. Meine Frau bestellt dann einfach vier Jacken bei Zalando, um drei wieder zurück zu schicken (Wer denkt schon an die Ökobilanz wenn das Schnäppchen winkt). Ob der Einzelhändler auch profitiert, wage ich zu bezweifeln. Wäre der Skandal vor dem Weihnachtsgeschäft publik geworden, wäre es vielleicht noch einmal interessanter geworden.

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

16.03.2013, 13:50 Uhr

Lieber Autor, zum Thema Leiharbeiter und Behandlungnderselben und von sonstigen Arbeitnehmern empfehle ich Ihnen, die Artikel Ihrer besser informierten Kollegen im Handelsblatt durchzulesenen, insbesondere die Passagen, in denen sich Gewrekschafter äußern.
In Punkto Preisdruch auf Verleger sind wir dann allerdings doch wieder einer Meinung.

OttoNormalleser

16.03.2013, 13:52 Uhr

"Dabei ist der simple Boykott nicht einmal der wirksamste Protest." Dieser Aufmacher erzeugt wirklich Neugierde. Zu dumm, dass Sie die Antwort schuldig bleiben. Welcher Protest soll denn nun wirksamer sein, als der simple Boykott? Guter Journalismus, einschliesslich guter Kommentare, sieht wirklich anders aus.

OttoNormalleser

16.03.2013, 13:57 Uhr

"Dabei ist der simple Boykott nicht einmal der wirksamste Protest." Dieser Aufmacher erzeugt wirklich Neugierde. Zu dumm, dass Sie die Antwort schuldig bleiben. Welcher Protest soll denn nun wirksamer sein, als der simple Boykott?

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