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02.03.2013

16:44 Uhr

Dutschke spricht

Angriffsdrohnen? Lass uns darüber reden

VonMarek Dutschke

Der Fortschritt ermöglicht es, dass Soldaten nicht mehr ihr Leben riskieren müssen. Das Stichwort heißt Drohne. Aber sind wir bereit, für diese Form der Kriegsführung? Es braucht zu allererst eine Debatte.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

DüsseldorfIn seiner rauen, direkten Art kritisierte Verteidigungsminister Thomas de Maizière jüngst die überhöhte Geltungssucht von Bundeswehrsoldaten. Diese wollen für ihre großen Leistungen im Auslandseinsatz mehr gesellschaftliche Anerkennung. Wie es um die Anerkennung der Bundeswehr in unserer Gesellschaft steht, kann ich gar nicht so richtig einschätzen. Aber in Zeiten der freiwilligen Wehrpflicht ist es natürlich für die Bundeswehr von absoluter Wichtigkeit, das Berufsbild Soldat im besten Licht leuchten zu lassen.

Der Alltag sieht aber meist gar nicht so heldenhaft aus. Die allermeisten Soldaten verbringen doch den lieben langen Tag in Afghanistan und sonst wo auf der Welt am Schreibtisch und befassen sich mit Logistik- oder Verwaltungsvorgängen. Es sind nur wenige Soldaten, die im Ausland regelmäßig bei Aufklärungsmissionen oder Patrouillen ernsthaften Gefahren ausgesetzt sind.

Mit seiner Kritik erweist der Minister der Bundeswehr einen Bärendienst. Wo sollen jetzt die Freiwilligen herkommen? Vielleicht liegt die Antwort im technologischen Fortschritt. Anerkennung mag kommen und gehen je nach gesellschaftlichem Mainstream und konkreten Militäreinsätzen: Manches verdient mehr Anerkennung als anderes. Aber viel stärker wiegt vielleicht das Argument der Gefährlichkeit. Durch den schieren Fortschritt wird es zukünftig so sein, dass der Kampfeinsatz nicht mehr lebensbedrohlich sein muss.

Das Zauberwort heißt Drohne. Durch den Einsatz von Aufklärungsdrohnen und eines Tages möglicherweise von Angriffsdrohnen werden immer weniger Soldaten in bedrohliche Gefechte verwickelt. In den amerikanischen Streitkräften werden jetzt schon mehr Drohnenpiloten ausgebildet als Jagdflieger und Bomberpiloten zusammen. Die amerikanischen Drohnenpiloten sitzen irgendwo in einem klimatisierten Büro und steuern stundenlang ihre Drohnen unter Befehl der CIA in die Gegend herum und können auf dem Monitor verfolgen, wie ihre Raketen ins Ziel treffen. Nach der Schicht werden sie abgelöst und können danach in aller Seelenruhe das Gebäude verlassen und in der Nähe einen Burger bei McDonalds essen. Für diesen Job lassen sich sicherlich einige Freiwillige für die Bundeswehr finden.

Aber wo bleibt die gesellschaftliche Diskussion über die schon laufende Technologisierung der Kriegsführung und damit der totalen Entfremdung. Natürlich ist es zunächst sicherer, aus großer Distanz eine Drohne zu steuern, anstatt inmitten der Kampfhandlung zu sein. Aber ist vielleicht die Hemmschwelle nicht nur zum Schießen niedriger, sondern auch die Teilnahme an Militäreinsätzen insgesamt? Bevor die Bundesregierung zusammen mit Frankreich ein Heer von Angriffsdrohnen in Auftrag gibt, muss eine Debatte darüber stattfinden, ob wir bereit sind, die gesamte Kriegsführung derart zu verändern.

Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke, Wortführer der Studentenbewegung in den 60er-Jahren. Er ist in Elternzeit und lebt in Berlin.

Kommentare (19)

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Michael

02.03.2013, 19:05 Uhr

Gab es eigentlich in den letzten...sagen wir 5000 Jahren ein Jahrzehnt ohne Krieg, bzw. andere Form von Massentötungen, irgendwo auf der Welt?

Gabriel

02.03.2013, 21:17 Uhr

Nein.

HaudraufaufdieDrohne

02.03.2013, 21:28 Uhr

Jedem Soldaten zwei fliegende Knarren mit Kameras statt diese hoffnungslos veralteten Sturmgewehre... und dazu einen Minenfinder-Robot, um den Gang durchs Gelände sicherer zu machen.

Drohnen sind nämlich bereits veraltet und in kürze gibt es auch die Drohnenabwehrwaffe (hatten wir eigentlich schon vorher, hieß Gepard).

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