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04.08.2012

09:34 Uhr

Dutschke spricht

Bei Karstadt gehen die Lichter aus

VonMarek Dutschke

Nicolas Berggruen wurde als Retter von Karstadt gefeiert. Doch es sieht derzeit so aus, als bereite sich der Milliardär auf den Absprung vor. Den hätte so manch ein Mitarbeiter auch schon wagen sollen.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Neulich unterhielt ich mit einer Mitarbeiterin von Karstadt, die sich Gedanken macht, dass ihre Stelle demnächst weggekürzt werden könnte. Damit meinte sie nicht nur, dass Ihre Stelle vielleicht eine von den angekündigten 2000 Stellen sein könnte, die gestrichen werden sollen, sondern auch, dass Karstadt als Firma keine langfristige Perspektive mehr hat.

Ihre Argumentation war einfach. Was hat Karstadt denn im Vergleich zu Läden wie H&M, Ikea, den Rieseneinkaufszentren mit hunderten Geschäften oder Internetfirmen wie Amazon oder Zalando zu bieten? Nichts! Bei Karstadt gibt es zwar alles, aber die Auswahl ist begrenzt, die Produkte sind weniger hochklassig ausgestellt und haben auch oft nur mittlere Qualität. Das Prinzip Karstadt funktioniert einfach nicht mehr.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als Junge Anfang der neunziger Jahren in Hamburg regelmäßig zum Karstadt in der Mönckebergstrasse gegangen bin und begeistert von der großen Warenwelt war. Doch in der Zwischenzeit hat das Internet das Geschäft grundlegend verändert und neue, innovativere Geschäfte haben Karstadt die Kunden abgeworben.

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Bei Karstadt hat es keine Neuausrichtung gegeben, glaubt der Experte für Warenhäuser Rainer Bartle. Im Interview spricht er über die Zukunft der Kaufhauskette. Er fürchtet einen weiteren Stellenabbau.

Die enorme Vielfalt der Produkte ist durch das Internet sichtbar geworden und kann unmöglich in einem einzigen Kaufhaus abgedeckt werden. Es muss viele Jahre her sein, dass ich in einer Karstadt-Filiale einkaufen war. Ein weiteres Stück westdeutscher Wirtschaftsgeschichte ist dem Untergang geweiht, ähnlich wie Schlecker oder Quelle.

Nicolas Berggruen, einst als Retter von Karstadt gefeiert, bereitet sich schon auf den Absprung vor. Dabei hatte er die Sanierung zu einer unkomplizierten Sache erklärt, die nicht schief gehen könne. Von einer Renovierung der Häuser ist nichts in Sicht. Mitarbeiter werden auch schon entlassen.

Kommentare (8)

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BHE

04.08.2012, 10:28 Uhr

Na Super - ein wertvoller Beitrag von Jemanden, der es voll beurteilen kann. Wem ist mit so einem Beitrag geholfen, was haben Sie damit bewegt? Ist es in der Elternzeit so Langweilig?

Privatier

04.08.2012, 11:06 Uhr

"Die Karstadt-Mitarbeiterin hatte in der Vergangenheit ein Angebot von Zalando, aber lehnte ab, weil es ihr bei Karstadt so gut gefiel."
Wer sich ein bisschen mit dem Geschäftsmodell von Zalando befasst weiß, dass es in dieser Form, auf Dauer, nicht überlebensfähig ist.
Da stellt sich die Frage, wer ist als Erster pleite Zalando oder Karstadt?
Ich tippe auf Zalando.

Hermann.12

04.08.2012, 11:37 Uhr

Ich vermute, das ähnlich wie bei der großen Wirtschaftskrise des letzten Jahrhunderts, eine Lösung nur durch Zerschlagung der großen Konzerne möglich sein wird.
Schlicht deshalb weil die Konzentration generell sowohl die volkswirtschaftlichen Einkünfte schmälert, wie auch die Anzahl der Arbeitsplätze.
Solange man in großem Stil Exportieren kann, oder sich Verschulden kann, tritt dieser Mangel nicht offen zu Tage.
Ist aber eine logische Konsequenz.
Konzerne können eben nur deshalb billiger produzieren, weil die Millionen für einen Chef billiger sind als die 6-stelligen Beträge für mehrere Dutzend Chefs. Aber auch weil nur in großen Einheiten der Aufwand für so starke Automatisierung wirtschaftlich sein kann.
Das geht auf Kosten der Vielfalt, auf Kosten einer breiteren Innovation und breiteren Beschäftigung und schmälert den sozialen Ausgleich.

H.

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