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14.04.2012

11:21 Uhr

Dutschke spricht

Der eitle alte Mann

VonMarek Dutschke

Weder die Deutschen noch die Israelis brauchen einen Günter Grass, um sich die Augen öffnen zu lassen. Sein Gedicht ist weder politisch noch literarisch interessant - der alte Mann wollte nur etwas Aufmerksamkeit.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Günter Grass hat mit seinem Gedicht erreicht, was er wollte – Sein Name ist endlich wieder in aller Munde, und die ganze Republik streitet über ihn. Das Gedicht wurde sehr geschickt in den nachrichtenarmen Osterferien platziert, so konnte es ungehindert sofort zu heller Aufregung beitragen. Doch nicht mal Grass hätte vorhersehen können, dass es solch hohe Wellen schlägt, dass Israel ihm ein Einreiseverbot auferlegt und der israelische Innenminister ihm gleichzeitig ein Treffen an einem neutralen Ort anbietet.

Die ganze Aufregung ist unverständlich und künstlich, denn eigentlich gibt Grass nichts Weltbewegendes von sich. Soweit mir bekannt ist, wird auch der thematisierte mögliche Krieg mit dem Iran von israelischen Medien kritisch diskutiert – mit politischem wie auch ethischem Augenmerk.

Weder die Deutschen noch die Israelis brauchen einen Günter Grass, um ihnen über die moralischen Fragen dieses Konfliktes die Augen zu öffnen. Letztlich bleibt der Kern des Konflikts bei Grass unerwähnt. Die angespannte Lage zwischen Israel und dem Iran ist ein klassisches Gefangenendilemma. Beide Seiten haben zwar kein Interesse einen Krieg anzufangen, aber sind auch nicht bereit, zusammenzuarbeiten. Irans Präsident möchte mit seinen verbalen Kraftspielen und aggressiven Drohungen seine Verhandlungsposition gegenüber dem Westen stärken.

Im Gegenzug will sich Israel keine Blöße geben und peitscht die Stimmung noch weiter hoch mit eigenen Stärkebekundungen. Beide Staaten pokern hoch und gefährlich. Am Ende ist gut möglich, dass dieses extreme Aufbauschen einen möglichen Kompromiss verhindern wird.

Kommentare (12)

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tja

14.04.2012, 11:36 Uhr

Eine Narretei nannte ein Schreiber der Generation von Günther Grass die ganze Causa.

norbert

14.04.2012, 12:21 Uhr

Die Person Grass' ist vollkommen irrelevant, daher sind Ihre Spekulationen über dessen Person völlig sinnlos und -frei, Herr Dutschke. Produktiv wäre eine Betrachtung, ob - egal, wer - in dieser Sache recht hat, also, ob diese Sorge berechtigt sein könnte oder nicht.
Sie haben zwar erkannt, daß er "ethische Einwände" beibringt, aber für einen zielführenden Kommentar genügt das nicht.
Zumindest mir nicht ...

Perger

14.04.2012, 14:24 Uhr

Israel-Bashing ist in Europa leider sehr beliebt. Dabei ist Israel ist das einzige Land in der Region, in der alle Konfessionen absolut gleich gestellt sind. Auch in Bezug auf Frauenrechte, Pressefreiheit, Demokratie steht Israel um Welten besser da als ihre Nachbarn.

So kann man z.B. in Saudi Arabien wegen Hexerei hingerichtet werden, Iran hängt Schwule und sogar Kinder und in der Verfassung der Hamas hat die Vernichtung Israels oberste Priorität. Das stört die selbstgefälligen Europäer aber nicht. Nicht einmal das Thema Christenverfolgung in der Region interessiert die Menschen wirklich.

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