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25.05.2013

11:40 Uhr

Dutschke spricht

Der ganz normale Mietwahnsinn

VonMarek Dutschke

Die Politik beginnt zu erkennen, dass der Immobilienmarkt in den Großstädten für viele unbezahlbar zu werden droht. Doch ihr Handlungsspielraum ist begrenzt. Es fehlt schlichtweg an Wohnungen – und an Geld.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Die Lage wird zunehmend ungemütlicher. Unweit meiner eigenen Wohnung wurde vor kurzem ein noch nicht ganz fertiggestelltes Neubauprojekt in Brand gesetzt. Das schneeweiße Haus ist jetzt auf der einen Seite von unten bis oben vollkommen verkohlt. Die Behörden gehen von einer politischen Straftat durch Gentrifizierungsgegner aus. Es wird inzwischen mit harten Bandagen gekämpft! Die Politik scheint zu erkennen, dass der Immobilienmarkt in den Großstädten für viele unbezahlbar zu werden droht. Doch ihr Handlungsspielraum ist begrenzt.

Anfang Mai ist das Mietrechtsänderungsgesetz der Bundesregierung in Kraft getreten, das den Städten ermöglicht, je nach Region, Mieterhöhungen bei 15 Prozent oberhalb der Durchschnittsmiete zu kappen, statt wie bisher bei 20 Prozent. Doch das Gesetz ist keine Lösung, denn einerseits wird es nicht flächendeckend angewendet und anderseits kann die Kappung überschritten werden, wenn dies zur Deckung der laufenden Kosten des Eigentümers benötigt wird. Darüber hinaus hilft die eine Kappung nicht, die Wohnungsknappheit in Städten zu bekämpfen.

Der Münchener Oberbürgermeister Christian Ude glaubt sogar, dass es hinderlich sein kann, weil private Investoren durch die gesenkte Kappung abgeschreckt würden. Letztlich sind Kappungsgrenzen auch keine Hilfe für einkommensschwache Bürger. Seien wir doch ehrlich, für sie ist es egal, ob die Miete um 10, 15 oder 20 Prozent steigt, sie können sich die Wohnung nicht leisten und würden sie wahrscheinlich auch gar nicht erst angeboten bekommen. Ein Vermieter entscheidet sich im Zweifel immer für den einkommensstärkeren Bewerber. Als ich mit meiner Freundin und unserem Baby vor drei Jahren eine Wohnung suchte, weil unsere WG-Mitbewohner es nicht so toll fanden, dass wir morgens um sechs Uhr schon kräftig in der Küche geklappert haben, spürte ich den ganz normalen Mietwahnsinn am eigenen Leib.

Kommentare (31)

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Der_Techniker

25.05.2013, 13:15 Uhr

"Insbesondere einkommensschwache Familien sind dann gezwungen, in unattraktive Randlagen oder Vorstädte zu ziehen"
Ein schöner Artikel, der zeigt wie abgehoben die Ansprüche sind, und wie konservativ man sich gegen Änderungen stemmt, wenn sie für einen selber nicht positiv sind.
Auch ich finde es schade, daß der Prenzlberg nicht mehr der Partyhügel ist, der er in der zweiten Hälfte der 90'er und früher 2000'er Jahre mal war - aber ist es aufgabe der Politik oder sonstwem der Gentrifizierung Einhalt zu gebieten?
In den allermeisten Großstädten gehen ganze Stadtteile den umgekehrten Weg - sie zerfallen, alle die es sich leisten können ziehen weg. So wie es z.B. in Kreuzberg oder auch ganz West-Berlin vor der Wende war.
Dort bieten sich gute Möglichkeiten für überschaubares Geld zu wohnen. Nur keine Scheu vor Nachbarn mit Migrationshintergrund!
Ich würde mir wünschen der Autor des Artikels würde nicht über Schimmel in Altbauwohnungen lamentieren, sondern mit ein paar Freunden als "Pioniere" z.B. in den Wedding ziehen - meiner Beobachtung nach eine derzeit doch noch uncoole Gegend Berlins.
Die Leute, die in dern 70'ern/80'ern die Hausprojekte in Kreuzberg angeschoben haben erwarteten auch keine durchrenovierte Butze.

Und nicht zu vergessen: Das "Gentrifizierungproblem" betrifft eine handvoll Städte und ist keinesfalls repräsentativ für Deutschland. Es wird nur deshalb in den Medien so breit getreten, weil Medienfuzzis gerne dort wohnen und dann enttäuscht sind finanziell nicht mithalten zu können.

Mehr Pioniergeist!

Phil

25.05.2013, 13:26 Uhr

Warum sollen die Steuern der anderen für die Mietsubventionen der - nicht Umzugsbereiten - eingesetzt werden?

Republikaner

25.05.2013, 13:45 Uhr

Um das vorneweg klar zu stellen: die Politik hat eine Menge Schuld an den entstandenen Problemen. Eigentumserwerb ist belastet mit Grunderwerbsteuern. Minimalste Abreibungsmöglichkeiten und ein Mietrecht, das es jedem verleidet eine Mietimmobilie zu bauen. Schuld an dieser Entwicklung haben wieder einmal mehr die Blockparteien. Bitte kein scheinheiliges Gejammere!

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