Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.12.2012

13:03 Uhr

Dutschke spricht

Deutsche Subventionen zerstören Asiens Wälder

VonMarek Dutschke

Der größte Fehler des aktuellen Energiegesetzes ist die Subvention Raps- und Palmöl. Die Nachfrage nach den Rohstoffen führt in Südostasien zu ökologischen Katastrophen. Das EEG muss dringend reformiert werden.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

BerlinVor knapp zwei Monaten habe ich darüber geschrieben, wie die Bundesregierung auf Kosten der Stromzahler durch eine verminderte Umlage beim EEG und die Eigenstromregelung privilegierte Unternehmen entlastet. Die Zahl der privilegierten Unternehmen wird ab Januar von ungefähr 700 auf knapp 2000 ausgeweitet, da die verminderte EEG-Umlage nicht mehr ab einem Stromverbrauch von zehn Gigawattstunden, sondern bereits von einer Gigawattstunde zur Geltung kommt. Doch dies ist nur eines der Probleme mit dem EEG. Ein anderes und weitaus komplexeres Problem ist die Subvention der Energiegewinnung aus Pflanzen.

Rot-Grün hat bei der Einführung des EEG den Kardinalfehler gemacht, die Verbrennung von nachwachsenden Rohstoffen wie Rapsöl, Sonnenblumenöl und ganz besonders Palmöl zu Zwecken der Energiegewinnung zu fördern. Der Grundgedanke ist einfach und verständlich. Ganz Brandenburg wurde in Folge dieser Sonderförderung von Raps- und Sonnenblumenfeldern für Biosprit übersät. Die meisten deutschen Blockheizkraftwerke benutzen mittlerweile Palmöl.

Die Atom-Kehrtwende und der Weg zum Ausstieg

12. März 2011

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigt Sicherheitschecks für die 17 deutschen AKW an.

14. März

Merkel will die längeren Laufzeiten für die deutschen AKW für drei Monate aussetzen.

15. März

Nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder mit Atomstandorten kündigt Merkel plötzlich an, dass die sieben vor 1980 gebauten AKW bis zum 15. Juni abgeschaltet werden.

22. März

Die Regierung beauftragt mit der Klärung technischer Fragen die Reaktorsicherheitskommission (RSK). Eine Kommission unter Führung des früheren Umweltministers Klaus Töpfer und des Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, soll klären, welches Risiko für die Gesellschaft ethisch vertretbar ist.

31. März

Die RSK stellt ein umfangreiches AKW-Prüfprogramm vor.

1. April

RWE reicht beim Verwaltungsgerichtshof Kassel Klage gegen die vorübergehende Abschaltung des AKW Biblis A in Hessen ein.

8. April

RWE, Eon, Vattenfall und EnBW kündigen an, dass sie die Millionen-Zahlungen in den Fonds zum Ausbau der erneuerbaren Energien einstellen, da diese an die Laufzeitverlängerung gekoppelt seien.

15. April

Gespräch von Merkel mit allen Ministerpräsidenten zur Energiewende. Unklar ist, wie die Milliardenkosten zu stemmen sind.

9. Mai

Merkel einigt sich mit der Opposition auf einen Fahrplan, das Parlament bekommt mehr Zeit für die Beratungen, der Bundesrat soll erst im Juli entscheiden.

10. Mai

Die Ethikkommission schlägt in einem Entwurf für den Abschlussbericht einen Atomausstieg bis spätestens 2021 vor.

15. Mai

Nach der CDU nennt auch die FDP in einem Energiekonzept kein festes Ausstiegsdatum, sondern will es abhängig machen von der Entwicklung bei den erneuerbaren Energien. Die CSU ist für 2020.

17. Mai

Abschlussbericht der Reaktorsicherheitskommission.

28. Mai

Abschlussbericht der Ethik-Kommission.

30. Mai

Übergabe an die Regierung.

Bis Juni

Abhängig von möglichen AKW-Stilllegungen soll es eine Anpassung des Atomvertrags mit den Energieunternehmen geben, der die Höhe der Atomsteuer und der Zahlungen in den Ökofonds regelt.

6. Juni

Das Kabinett will die Gesetze zum Atomausstieg und zur beschleunigten Energiewende beschließen.

15. Juni

Ende des Atommoratoriums. Auch wenn der Ausstieg bis dahin nicht von Bundestag und Bundesrat beschlossen sein wird, wollen die AKW-Betreiber die stillgelegten AKW nicht wieder hochfahren.

30. Juni

Beschluss des Bundestags.

8. Juli

Der Bundesrat entscheidet über das Gesetzespaket.

Das Palmöl wird aus dem Ausland importiert, insbesondere aus den Ländern Malaysia und Indonesien. Und hier entstehen riesige Probleme, die im europäischen Diskurs über die Energiewende und erneuerbare Energie gern ignoriert werden. In den waldreichen Ländern Südostasiens werden jedes Jahr unvorstellbar große Flächen des tropischen Regenwalds gerodet, um Platz für den Anbau von Palmen zu schaffen. Denn der Export von Palmöl ist für diese Länder viel lukrativer als der Verkauf von Bäumen (und der Erhalt des Regenwaldes bringt ja gar keinen Profit).

Der Verlust des Waldes und seiner Vielfalt an Flora und Fauna ist eine Tragödie an sich und insbesondere ein ökologisches Problem, da Wälder das globale Klima stabilisieren. Doch dies ist nicht alles. Die großen Palmölkonzerne Südostasiens kaufen in großem Maß Waldflächen, um sie dann illegal niederzubrennen, um schnell den Platz für Palmen nutzbar zu machen. Das Abbrennen ist einfach, billig und schnell. Oft entstehen dadurch massive Waldbrände durch das heiße Klima in diesen Ländern, den fehlenden Niederschlag in der Trockenzeit und die heftigen Winde von El Nino.

Tiefschwarze Dunstschwaden ziehen dann zum Himmel und wandern durch die Luft über die Länder hinweg. Fast jedes Jahr kommt es deshalb in Indonesien zum nationalen Katastrophenalarm, da die Brände über Dörfer hinweg ziehen und die gefährliche Dunstglocke den Flugverkehr zum Erliegen bringt, tausende Menschen mit Erstickungserscheinungen ins Krankenhaus treibt und das öffentliche Leben ganzer Städte und Landstriche lahm legt.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

15.12.2012, 15:41 Uhr

Und bei uns die ganzen Maiswälder, die sich immer weiter ausbreiten. Alles von den den "Grünen" hochgejubelt von wegen CO2 neutral. Aber in vielen Regionen der Welt gibt es nichts zu essen. Toll Herr Tritin und Frau Künast, oder?

Ronny

15.12.2012, 18:20 Uhr

So weit ich weiß ist ähnliches doch schon beschlossen oder kurz davor.
Iwe auch immer, dem muß Einhalt geboten werden und hier bin ich wie der Autor der Meinung, dass man produzierenden Statten wie Brasilien oder korrupten Entwicklungsländern nicht vertrauen kann. Warum z.B. will Brasilien plötzlich über 400 Flugplätze bauen und das im Eilverfahren. Das man jedoch manchen Unternehmen die Stromsondersteuer erlässt muß nicht grundsätzlich falsch sein. Wenn z.B. Stahl oder Aluminium nur noch i Ausland produziert wird, verschlimmert sich die Umweltverschmutzung. Denn die diesbezüglich Gesetzgebung in Deutschland dürfte eine der weltweit strengsten sein. Das Thema ist also nicht ganz so einfach. Energieintensitive Betriebe sind nicht von Natur aus schlecht. Aluminium ist leicht, fest und daher Umweltfreundlich, doch die Produktion ist zunächst Energieintensitiv. Ich möchte manch,al Betrug schreien, wenn auf Parteiversammlung ein Politiker stolz verkündet, der Ausstoß von Gas x oder Y ist in D um so und soviel gesunken. Hier muß man doch gesamtheitlich betrachten, welche Anlagen/Produktion sind ins Ausland gegangen und somit ist mitunter gar nichts gesunken sonder auf Supranationaler Basis gestiegen und Luft kennt keine Grenzen.
Mann sollte hier nicht 1 Million mehr bezahlen müssen, wenn,an in Ländern wie Beispielsweise China mit dieser Million das Fünfache erreichen könnte. Dort werden z.Zt. jeden Monat acht Kohlekraftwerke gebaut, mit Billigfilteralagen, wenn überhaupt. Nur so kann dieser Kampf vielleicht gewonnen werden.

Snowhorse

15.12.2012, 18:45 Uhr

Um die Ariel Tante zu zitieren: Unsere Weste ist bereits sauber, aber nicht rein!
Was ich damit sagen möchte, wir dürfen nicht hier Unmengen an Geld verpulvern, wenn in industriellen Entwicklungsländern wie China, Indien Indonesien, Brasilien und bald vielleicht Rußland mit primitivsten Schmutzvermeidungstechniken, beispielsweise Billigstfilteranhlagen gearbeitet oder einfach nur mit besonders hohen Schornsteinen gearbeitet, damit die lokale Bevölkerung ruhig bleibt gearbeitet wird. Hier muß mit Augenmaß und Dynamik mehr dort gemacht werden, wo sich die Verschmutzung in radikalem Tempo steigert. Wie können in Deutschland, auch wenn sich alle derzeitigen Vorhaben so,realisieren lassen, in 20 Jahren nicht soviel an Verschmutzung einsparen, wie sie in China in fünf Monaten zunimmt. Acht neue Kohlekraftwerke in jedem Monat, das sollte man sich vor Augen halten. Und noch etwas, wenn hier eine Fabrik stillgelegt und ins Ausland verlegt wird, wo es nicht so kostenträchtige Umweltauflagen gibt, was ist dann gewonnen? In einem Beispiel habe ich erfahren das die gleiche Produktion nunmehr wesentlich preiswert ist und nur der CO2 Ausstoß, von anderen Gasen und Materialien ganz zu schweigen, sich verfünffacht hat. Gratulation auch an die Grünen, die das seinerzeit zu verantworten hatten. So einfach darf man sich Umweltpolitik nicht machen, nur um einen falschen Glanz zu erzeugen. Oder man nehme, das Gesetz zur Wärmedämmung, was damals zum Zeitpunkt von ROT/GRÜN physikalisch irre schlecht gemacht wurde, nur der Dämmlobby zu zusätzlichen Gewinnen verholfen hatte und vorhandene physikalische Gutachten, z.B. von Fraunhofer Gesellschaften, diversen Instituten schlichtweg ignoriert hatte. Statt gesundem Wohnen, haben Hausbesitzer und Mieter nun 1000-fach mit, durch nicht abgeführte Luftfeuchtigleit, zusammenfallenden Isoliermaterialien zu kämpfen und mit Schimmelpilzen.
Na Toll, so kann ich auf Grün gern verzichten und das sagt jemand mit viel Engagement für die Umwelt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×