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09.03.2013

17:11 Uhr

Dutschke spricht

Die CDU kämpft gegen Windmühlen

VonMarek Dutschke

Die CDU führt wie Don Quijote einen aussichtslosen Kampf: gegen die Gleichstellung der Homo-Ehe. Es ist naiv zu glauben, dass Babys vor allem in einer Ehe zu erwarten sind. Diese Diskriminierung muss aufhören.

Wer letztes Wochenende Katharina Reiche bei Günther Jauch gesehen hat, musste gleich an Don Quijote und dessen Kampf gegen die Windmühlen denken. Sie führt genau wie Don Quijote einen aussichtslosen Kampf dagegen, dass Homo-Ehen rechtlich gleichgestellt werden. Nur zwei Dinge unterscheiden sie vom literarischen Antiheld. Als Waffe kämpft sie nicht mit einer Lanze in der Hand sondern mit einem silbernen Kreuz am Hals. Noch gravierender allerdings ist, dass sie so gar nicht aussichtslos mitleidig wirkt, sondern vielmehr grotesk fanatisch daher kommt. Sie hat aber viel mediale Aufmerksamkeit bekommen – im wichtigen Wahljahr 2013.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Man mag darüber schmunzeln, dass eine Frau, die vor zehn Jahren von der deutschen Bischofkonferenz kritisiert worden ist, weil sie während der Schwangerschaft noch unverheiratet war, sich als die große christliche Beschützerin der Ehe profiliert. Doch das Lächeln vergeht mir schnell, wenn ich ihre absurden und beleidigenden Argumente anhöre.

Sie und die anderen Ultras der CDU berufen sich auf den Artikel 6 des Grundgesetzes, dass die Ehe unter einem besonderen Schutz steht. Sie glauben, dass die Homo-Ehe diesen Schutz nicht verdient, weil dort keine Fortpflanzung stattfinden kann. Diese Sichtweise verkennt die Wirklichkeit. Denn es gibt ja schon eine Vielzahl gleichgeschlechtlicher Paare mit Kindern und eine stetig wachsende Zahl an Patchwork-Familien. Nicht zu vergessen all die alleinerziehenden Mütter und Väter, die alle pauschal in ihrer Lebenssituation von Frau Reiche abgewatscht werden: Ihr lebt ein Modell, das nicht wünschens- und fördernswert ist. Diese Diskriminierung muss aufhören, so einfach ist das!

Frau Reiche stellt folgende Gleichung auf: Gleichstellung der Homo-Ehe führt zur Abwertung der Hetero-Ehe, dies führt zu weniger Eheschließungen und damit dann zu weniger Geburten in Deutschland. Alarm, Alarm. Wer glaubt, dass Babys dort am ehesten zu erwarten sind, wo kurz vorher eine Eheschließung stattfand, ist heillos naiv und guckt zu viele Schnulzenfilme im ZDF. Der Bausparvertrag fürs Provinzhäuschen gehört für Frau Reiche sicherlich auch zum privilegierten Lebensentwurf dazu.

Nein, der Kinderwunsch kommt dann, wenn die Liebe gefestigt ist und die Rahmenbedingungen diesen Schritt unterstützen oder wenigstens nicht bekämpfen. Meine Tochter musste die ersten eineinhalb Jahre ihres Lebens völlig zerrüttet in einer Berliner WG ungetauft und illegitim verbringen. Sie knabbert sicherlich noch viele Jahre mit diesem harten Schicksal.

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