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23.06.2012

13:40 Uhr

Dutschke spricht

Die Flucht nach vorne

VonMarek Dutschke

Wer die Diskussionsforen von Handelsblatt Online besucht, bekommt den Eindruck, dass wir gar keine andere Wahl hätten, als den Euro aufzugeben. Wir würden dann sogar besser dastehen. Glaubt ihnen kein Wort!

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Neun von zehn Beiträgen in den Diskussionsforen von Handelsblatt Online sind von anonymen Euro-Skeptikern verfasst, die am liebsten die Deutsche Mark wieder einführen würden. Ihre Helden sind Thilo Sarrazin und Hans-Werner Sinn, und sie haben ein äußert stark ausgeprägtes nationales Bewusstsein. Die wieder auferstandene D-Mark würde natürlich massiv aufgewertet, so dass man dann wie früher für einen Appel und ein Ei Urlaub in Süd- und Osteuropa machen und schön billig einkaufen könnte. Der deutsche Kleinbürger soll endlich wieder einen (preiswerten) Platz an der Sonne haben.

Nein, diese Blogger sehen weder ein Zusammenwachsen der Europäischen Union, noch zeigen sie das geringste Mitgefühl für die Südländer, über die sie so vehement schreiben. Bei dieser Argumentation komme ich mir vor, als wäre es 1995 und Bonn ist immer noch die Hauptstadt. Die Welt hat sich seit damals gedreht, und das Europa von heute ist ein anderes. Heute ist die Identität vieler Zwanzigjähriger europäisch geprägt.

Ihnen ist das Schicksal der Griechen, Italiener, Portugiesen und Iren genauso ein Herzensanliegen wie das Wohlergehen der Deutschen. Es würde dieser jüngeren Generation gar nicht in den Sinn kommen, dass wir aufgrund der jetzigen Krise die Europäische Union aufweichen sollten. Das Gegenteil ist der Fall: Sie wollen die Flucht nach vorne wagen. Sie wissen, dass etwas getan werden muss, damit die Vision der Vereinigten Staaten von Europa nicht verloren geht.

Natürlich ist es richtig, dass auf der europäischen Ebene einiges aus dem Ruder gelaufen ist (über die Fahrlässigkeit bei der Euro-Einführung ist alles gesagt worden). Aber trotzdem müssen wir das Augenmerk darauf richten, was jetzt verbessert werden kann, anstatt das Scheitern durch die Schuldenkrise herbeizuschwören. Lasst uns die europäischen Institutionen stärken und mit entsprechenden Richtlinienkompetenzen ausstatten, gerade damit harte Auflagen eingehalten werden.

Kommentare (54)

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Hauke

23.06.2012, 14:05 Uhr

Glaubt diesem selbsternannten europhilen Avantardedarsteller kein Wort! Nicht nur, daß er Menschen mit einer wohlbegründeten anderen Meinung als zurückgebliebene Kleinbürger diffamiert, er hält sich offensichtlich selber für den typischen Vertreter eine neuen Sorte Mensch. Den Nur-Europäer.

Dieser findet sich allerdings nur in Deutschland. Woanders werden diese Möchte-nicht-gern-Deutschen als Spinner ausgelacht. Gehen Sie mal vor die Türe, Herr Dutschke, schauen Sie sich mal in der Welt um, studieren Sie mal solide Ökonomie und lassen sie die Kommentare bis dahin einfach bleiben.

Account gelöscht!

23.06.2012, 14:08 Uhr

Und ich tausche mir einen Dutschke für einen Schiller: "Der Starke ist am mächtigsten allein."

plonkpirat

23.06.2012, 14:27 Uhr

Das solide Halbwissen der Generation Rudi-Marek-Dutschke führt eben dazu, dass dieses Europa zum Untergang verurteilt ist. 1995 und Bonn immer noch die Hauptstadt? Ein bisschen googeln hätte da schon geholfen um festzustellen, dass Berlin seit dem 3.Oktober 1991 schon die Hauptstadt des vereinigten Deutschlands ist. Rudi-Marek Dutschke hat ein Einkommen von über 100000 Euro pro Jahr , - so könnte man meinen wenn er abfällig über die Finanzkraft des hart arbeitenden deutschen Kleinbürgers sinniert ohne auf die Realität, dass auch ein ausgepowerter deutscher Kleinbürger mal in den Süden zur Erholung fahren möchte. Dem fällt nämlich auf, dass er in Italien für 2 Kugeln Eis überall mindestens 3 Euro auf den Tisch legen muss und in Frankreich das berühmte Big-Mac-Menu ca.35% teurer ist als in Deutschland. Wenn Dutschke meint, dass nur Professor Sinn und Herr Sarrazin sich gegen den gegenwärtigen Eurokurs aussprechen, dann sollte er sich mal ein Abo des Handelsblattes leisten, denn dort kann er tagtäglich nachlesen, wer außer den seinen beiden Verdächtigen sonst noch dagegen aussprechen.

Diese journalistische Meisterleistung habe ich eigentlich nur deshalb gelesen, weil ich der Meinung war, dass das Sprichwort, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, vielleicht richtig sein könnte - da habe ich mich aber gründlich geirrt.

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