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11.05.2013

17:29 Uhr

Dutschke spricht

Die Macht von Monsanto

VonMarek Dutschke

In den USA breitet sich genetisch verändertes Saatgut immer weiter aus. Ein Konzern scheint dabei fast allmächtig: Monsanto. Nun ebnet Brüssel dem US-Riesen den Weg nach Europa. Ein Sieg der Lobbyisten.

Handelsblatt: Marek Dutschke

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Interner AutorMarek Dutschke

Marek Dutschke, Sohn des berühmten Wortführers der Studentenbewegung Rudi Dutschke, ist freier Kolumnist und derzeit an der Hertie School of Governance und am John F. Kennedy Institut der Freien Universität Berlin tätig.

DüsseldorfEs ist fast bewundernswert, wie erfolgreich die Lobbyisten der großen Saatguthersteller wie Monsanto in den vergangenen Monaten gewesen sind. Sowohl in den USA als auch in Europa haben sie mit Hilfe der Politik ihre Macht ausgedehnt.

In den USA haben sie es tatsächlich geschafft, eine Provision in ein landwirtschaftliches Gesetzespaket einzubauen, wonach rechtliche Möglichkeiten, den Anbau von genetisch veränderten Saatgut zu verhindern, ein Jahr ausgeschlossen werden. Seit dem 29. März, dem Tag, an dem Obama das Gesetzespaket unterschrieb, ist es de facto unmöglich, gegen den Anbau von möglicherweise gesundheitsgefährdendem genetisch veränderten Saatgut zu klagen. Monsanto besitzt jetzt bereits 90 Prozent aller Patente auf genetisch verändertes Saatgut. In den nächsten Monaten werden sie bestimmt versuchen, einige neue Sorten in Umlauf zu bringen, natürlich nur, solange es keiner verhindern kann.

In den USA breitet sich genetisch verändertes Saatgut immer weiter aus. Oft sogar gegen den Willen der Landwirte. Leider viel zu häufig landet dieses Saatgut auf Feldern, auf denen es nicht hingehört. Falls Monsanto dann herausfindet, dass ihr Saatgut irgendwo ohne ihre Zustimmung angebaut wird, zwingen sie die Landwirte (obwohl völlig schuldlos), Strafe zu zahlen. Die Macht von Monsanto kennt anscheinend keine Grenzen mehr.

Auch in Europa haben die großen Saatguthersteller ihre Muskeln spielen lassen. Diese Woche hat die EU-Kommission ihren Vorschlag zur Saatgutrechtsreform vorgestellt. Zwar wird der Anbau von genetisch verändertem Saatgut nicht vereinfacht, aber dafür wird es für kleine und mittlere Saatguthersteller schwieriger, sich am Markt gegen die Grossen durchzusetzen. Denn ab einem Umsatz von zwei Millionen Euro müssen Züchter sich einem teuren Zulassungsverfahren unterwerfen. Dies werden sich die meisten von ihnen nicht leisten können und sind damit gezwungen, in den Nischen zu bleiben, während die großen Saatguthersteller europaweite Monopole aufbauen.

Die Reglementierungswut der Brüsseler Bürokraten in der Landwirtschaft ist gut bekannt. Die glücklicherweise wieder abgeschaffte Gurkenverordnung, wonach eine Gurke von zehn Zentimeter Länge eine maximale Krümmung von zehn Millimetern haben darf, ist das berühmteste Beispiel. Trotzdem gelten weiterhin die Vermarktungsnormen für die beliebtesten Obst- und Gemüsesorten, wonach beispielsweise ein Apfel in der EU mindestens einen Durchmesser von 5,5 Zentimeter haben muss.

Da muss man sich fragen: Warum nur? Es gibt keinen wirklich guten Grund für solche Regeln. Es gibt auch keinen guten Grund für eine Saatgutrechtsreform. Die Kommission gibt an, Transparenz schaffen zu wollen, aber letztlich haben die Lobbyisten der großen Saatguthersteller ihren Willen durchgesetzt.

Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke, Wortführer der Studentenbewegung in den 60er-Jahren. Er ist in Elternzeit und lebt in Berlin.

Kommentare (50)

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Account gelöscht!

11.05.2013, 17:45 Uhr

Sehr geehrter Herr Dutschke,

ein Apfel kann keinen Durchmesser von 55 cm haben, das ist ein halber Meter!

Mit freundlichen Grüssen

Jan Bolle, Diplom-Agraringenieur

Account gelöscht!

11.05.2013, 17:48 Uhr

Die Lobbyisten aller Länder verkaufen die eigene Bevölkerung an die Weltkonzerne.Die Zukunft wird schrecklich werden.
Diese Leute müssen ans Licht gezerrt und an den Pranger gestellt werden.

MEG

11.05.2013, 18:04 Uhr

Die Politiker sollten hier aufpassen, denn ihre Provisionen für die Zusagen an Monsanto sind irgendwann nichts mehr wert, wennn auch sie viel Geld für Essen bezahlen müssen. Und Leute, welche es sich nicht leisten können, ...... . Wollen wir da hin kommen, das wir um Essen Kriege führen?

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