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28.07.2012

10:05 Uhr

Dutschke spricht

Die sprachliche Mauer

VonMarek Dutschke

Nun hat das zweite sportliche Großereignis des Sommers angefangen: die olympischen Spiele in London. Für Deutschland werden auch Sportler mit Migrationshintergrund an den Start gehen. Doch genau liegt einiges im Argen.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Die Olympischen Spiele sind ein weiterer Anlass, um deutschen Sportlern im Fernsehen die Daumen zu drücken und im Erfolgsfall die Nationalhymne mit zu summen. Doch schon beim Lauschen der Hymne während der Fußball-Europameisterschaft habe ich mir darüber Gedanken gemacht, dass Fußballer mit Migrationshintergrund zu oft nicht ausreichend in Deutschland angekommen sind. Jerome Boateng, Mesut Özil, Sammy Khedira und andere Spieler singen einfach nicht mit.

Dagegen konnte ich beobachten, wie sämtliche Spieler anderer Nationen ihre Hymne kräftig schmetterten, wie zum Beispiel die Italiener. Das war sicherlich auch ein bisschen psychologische Kriegsführung, aber beeindruckt hat es mich trotzdem.

Ob man im Station die Hymne singt oder schweigt, ist jedem Spieler selbst überlassen. Im Moment ist es aber sehr auffällig, dass nur die Spieler mit Migrationshintergrund schweigen (mit Ausnahme von Miro Klose). Sie setzen damit anscheinend ein Zeichen. Ein Zeichen, dass sie nicht ganz deutsch sind, oder nicht nur deutsch? Fühlen sie sich nicht integriert?

Wir brauchen natürlich keinen neuen unkritischen Nationalstolz, besonders nicht bei sportlichen Großereignissen. Da halte ich es ganz mit Schopenhauer, der sagt, dass „die wohlfeilste Art des Stolzes ist der Nationalstolz … Jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, worauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein“.

Nationalstolz ist nicht das verbindende Element. Sie können also weiterhin gern schweigen wenn die deutsche Hymne ertönt. Aber irgendetwas scheint bei diesen Spielern das große Bedürfnis geweckt haben, sich nicht gemein zu machen mit dem Deutschen. Wenn dieses Gefühl bei privilegierten Spitzensportlern besteht, wie sieht es dann erst bei weniger prominenten Deutschen mit Migrationshintergrund aus?

Und hier liegt einiges im Argen. Das Fundament der erfolgreichen Integration liegt in der gemeinsamen Sprache. In Deutschland wird dieses Thema weiter im Fokus stehen, denn der Anteil von Familien mit Migrationshintergrund wird weiter steigen. Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass im Jahr 2010 2,3 Millionen Familien mit Kindern unter 18 Jahren lebten, bei denen mindestens ein Elternteil ausländische Wurzeln hatte. Das bedeutet, dass von den 8,1 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern ein Anteil von 29 Prozent einen Migrationshintergrund hat. Darüber hinaus bekommen Familien mit Migrationshintergrund häufiger mehr Kinder als  Familien ohne Migrationshintergrund. Der Anteil von Familien mit Migrationshintergrund liegt in Großstädten ab 500.000 Einwohnern bereits bei 43 Prozent. In diesen Städten ist das sogenannte Kiezdeutsch, bei dem Präpositionen im Satzaufbau oft ausgelassen werden, im Vormarsch.

Kommentare (3)

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leser

28.07.2012, 16:24 Uhr

Was Dutschke ggf. noch nicht aufgefallen ist: es gibt bislang noch nichteinmal so etwas wie einen kohärenten Diskurs zur Integration in der BRD.
So richtig die Beobachtungen D. auch sind: solange die "Integrationsdebatte" von Leuten wie Sarrazin & Co dominiert werden und zwar über die Verkaufszahlen in Buchläden per stillem Kaufentscheid, solange steht das Land noch vor einem Integrationsdiskurs und nicht in einem Integrationsdiskurs.

Account gelöscht!

30.07.2012, 14:03 Uhr

Wir sind in Deutschland höchst ÜBERTOLERANT gegenüber den Interessen des anderen - und VERLEUGNEN damit unsere ureigenen, höchst gerechtfertigten Ansprüche an uns wie unsere Gäste.


Wir müssen Grenzen setzen, 'fordern', nicht nur das andere 'fördern'.

Eine verbindliche gemeinsame Sprache im öffentlichen Raum halte ich für ein Muss - wie es in Frankreich und vielen anderen Ländern der Welt ein gesetztliches Muss ist.

mensch

30.07.2012, 17:25 Uhr

Und plötzlich dämmert es den Nachkommen der Alt-68er, dass nicht jeder automatisch ein Nazi ist, wenn er fordert, dass Migranten die deutsche Sprache erlernen sollen. War es wirklich so schwer zu begreifen, dass eine gemeinsame Sprache ein verbindendes und kein trennendes Element darstellt? Selbst wenn diese Sprache den von den Linken so verhassten Namen Deutsch trägt? Hier wurde aus ideologischer Verblendung die letzten Jahrzehnte großer Schaden angerichtet, der vor allem die Migranten und ihre Nachkommen trifft. Diese sind die waren Leidtragenden, weil Ihnen vorgekaukelt wurde, die sprachliche Mauer existiere nicht und falls doch, sei es nicht wichtig. Ist es aber doch, siehe Arbeitsmarktchanchen und kulturelle Teilhabe!

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