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04.02.2012

09:02 Uhr

Dutschke spricht

Die Wachstumsfetischisten

VonMarek Dutschke

Die Niedersachsen-Clique um Philipp Rösler glaubt, dass das alte Mantra von Wachstum schafft Arbeit genau das richtige Thema wäre, um die FDP aus dem Umfragekeller zu führen. Warum die Strategie nicht aufgeht.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Während der Deutsche Bundestag die Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität - Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft" ins Leben gerufen hat, um endlich konkreter über Alternativen zum reinen Wirtschaftswachstum zu sprechen, hat sich die provinzielle Niedersachsen-Clique um Philipp Rösler gedacht, dass das alte Mantra von Wachstum schafft Arbeit genau das richtige Thema wäre, um die schrumpfende Partei aus dem Umfragekeller zu führen.

Es scheint Rösler gar nicht zu stören, dass das Treffen der Wirtschafts- und Politikgranden in Davos dieses Mal unter dem Motto „Der große Wandel: Neue Modelle gestalten“ steht. Der Präsident des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, hat in Davos gesagt: „wir müssen unsere traditionelle Vorstellung von Wachstum und Wettbewerb überdenken.“ Jeden Tag werden wir in der Tagesschau mit den Konsequenzen der Ressourcenkonflikte, des Klimawandels und der Klimaflüchtlinge konfrontiert. Und doch lässt diese Realität die Gruppe der Wachstumsfetischisten völlig kalt. Die Steigerung des Bruttoinlandprodukts ist für sie oberstes Gut.

Ernst zu nehmende Ökonomen sind da schon weiter. Es bedarf einer Alternative zum BIP, die neben Wirtschaftsleistung auch  Lebensqualität und Nachhaltigkeit berücksichtigt, um tatsächliches Wachstum eines Landes zu messen. Die Fixierung auf das BIP allein ist für das 21. Jahrhundert völlig unangebracht.

Die Energiewende, die Rösler als Wirtschaftsminister federführend durchführen soll, wird, wenn es nach Rösler geht, nicht primär mit erneuerbarer Energie bewerkstelligt, sondern mit dem Bau von Kohle- und Gaskraftwerken. Der neue Slogan des Wirtschaftsministeriums „Kraftwerke? Ja bitte!“ gibt den Ton an. Auf der Webseite des Ministeriums steht „diese Kraftwerke helfen uns, genügend eigenen Strom zu produzieren und von Stromimporten aus dem Ausland weitgehend unabhängig zu sein.“ Das mag vielleicht sein, aber es macht uns noch mehr von Kohle- und Gasimporten aus Südamerika, dem Kaukasus, Russland und dem Nahen Osten abhängig. Soll das innovativ sein?

Kommentare (6)

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catweezle

04.02.2012, 10:33 Uhr

Grenzenlose Gier und verantwortungslosen Egoismus der "Krone der Schöpfung" wird unser Planet nicht dauerhaft tolerieren. Es liegt an uns das zu erkennen und umzusteuern. Diese Art f.d.p. wird so oder so aussterben wie die Dinosaurier.

Sapere_aude

04.02.2012, 11:41 Uhr

Anderen pure Machttaktik zu unterstellen, erweist sich nicht selten als Spiegelbild der eigenen Person.

azaziel

04.02.2012, 11:44 Uhr

Der aufgeklaerte und liberale Marktwirtschaftler hat lange erkannt, dass nach den Gesetzen der Oekonomie auch der Grenznutzen industriell produzierter Guter abnimmt und sich der Verbraucher in hochentwickelten Volkswirtschaften daher in zunehmendem Masse immateriellen Guetern wie z.B. Freizeit zuwendet. Das ist ein langer und schwer durchschaubarer gesellschaftlicher Prozess. Kluge Marktwirtschaftler suchen nach neuen Erkenntnissen.

Wachstumsfetischisten suchen nach staatlichen Instrumenten, mit denen sie Wachstum und Arbeit beinflusssen zu koennen glauben. Sie formulieren „Wachstumsbeschleunigungsgesetze“, subventionieren erneuerbare Energien, verabschieden „Abwrackpraemien“, verschleudern oeffentliche Mittel ohne aus den Erkenntnissen von 60 Jahren Wachstumspolitik zu lernen.

Und dann gibt es noch die Moevenpickpartei, die ohne eine eigenstaendige Philosophie staendig nach Themen sucht, mit der sie eine Nische unter der Waehlerschaft ansprechen koennte, die ihr die Fortdauer ihrer klaeglichen Existenz gewaehren koennte. Liberale Marktwirtschaftler haben sich von dieser Partei lange abgewandt.

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