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21.01.2012

08:56 Uhr

Dutschke spricht

Drogen sollten stärker legalisiert werden

VonMarek Dutschke

Wenn weitere Verbote für Drogenkonsum aufgehoben würden, hätte das einen entscheidenden Vorteil: Dem Drogenmilieu würde die Grundlage entzogen. Zudem kämen junge Menschen nicht mehr in Gefahr, kriminalisiert zu werden.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Ich kann mich noch gut an Diskussionen bei der Grünen Jugend erinnern, bei denen über die Entkriminalisierung von Drogenkonsum und Freigabe durch Drogenfachgeschäfte gesprochen wurde.

Ich weiß auch, dass ich damals dieser Mehrheitsmeinung recht kritisch gegenüberstand. Ich hatte schon das Gefühl, dass die Kriminalisierung durchaus eine präventive und abschreckende Wirkung erzielen könnte. Ich habe mir damals wie heute nichts aus Drogen gemacht, aber mittlerweile habe ich meine Meinung über die Drogenpolitik geändert.

Im aktuellen Journal of Pediatrics behaupten Wissenschaftler in einer Studie, dass ungefähr jeder dritte Amerikaner bis seinem dreiundzwanzigsten Lebensjahr mindestens einmal verhaftet worden ist. Eine unvorstellbare Zahl!

Natürlich muss dazu gesagt werden, dass es bei vielen Verhaftungen um Kleinigkeiten wie unerlaubtem Alkoholbesitz oder Streitigkeiten geht. Allerdings konstatieren die Verfasser der Studie, dass ein beträchtlicher Teil (circa ein Fünftel) dieser Verhaftungen im Zusammenhang mit Drogenkonsum oder -besitz steht.

In den USA hat eine Verurteilung drastische Konsequenzen. Dort gibt es die sogenannte „Three Strikes“ Regelung: Wer dreimal mit - auch nur relativ kleinen Mengen von - Cannabis erwischt wird, kann tatsächlich bis zu seinem Lebensende eingesperrt werden. Die USA ist Weltmeister darin, Menschen einzusperren.

Es wird auch nicht überraschen, dass besonders Männer aus ärmeren Familien die Mehrheit der Häftlinge bildet. Der Gefängnisaufenthalt wird von manchen sogar als eine Art Alternative zu Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit und Drogensucht gesehen.

In den USA leben zwar nur fünf Prozent der Weltbevölkerung, aber 25 Prozent der globalen Gefängnisinsassen. Von diesen fast 2,5 Millionen Menschen sind ungefähr eine halbe Million aufgrund von Drogendelikten eingesperrt.

Diese massive Verhaftungswut ist Konsequenz des sogenannten „War on Drugs“, der die Drogensucht mit eiserner Faust zu bekämpfen versucht. Die staatlichen Gefängnisse reichen nun bei weitem nicht mehr aus, so dass sich mittlerweile ein neuer Industriezweig gebildet hat. Private Unternehmen betreiben nun gewinnorientierte Gefängnisse – mit staatlichen Zuschüssen. Die Insassen werden als billige Arbeitskraft für allerlei Dienstleistungen benutzt.

Kommentare (11)

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PillePalle

21.01.2012, 09:15 Uhr

Wenn ich das lese, denke ich, es ist eher sinnvoll, dass jeder vom Staat solche Pillen erhält und sie nimmt. Dann sind wir in der "Schönen Neuen Welt". Einige sind der Zeit immer voraus - wenn die Realität ohne Drogen nicht auszuhalten ist, dann ist so ein bisschen Chemie doch pillepalle. Und der größte Räuber, der Staat, könnte sich noch ein bisschen über die Drogen entschulden. Spezialgeschäfte - wie die staatlichen Alkoholläden in Schweden.
Hervorragender Vorschlag!

BillyBoy

21.01.2012, 09:22 Uhr

Lasst uns im gemeinschaftlichen rausch alles vergessen und die Versager in Politik , Wirtschaft und Industrie können machen was sie wollen , uns regt das dann nicht mehr auf !

buder

21.01.2012, 09:38 Uhr

Rudi-Marek Dutschke, ein krankes Hirn und der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

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