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11.02.2012

08:50 Uhr

Dutschke spricht

Ein Gegengewicht zur Meinung der Kanzlerin

VonMarek Dutschke

Die Traditionalisten wollen sich innerhalb der CDU profilieren. Womit? Das ist noch offen. Es gibt ja keine schrillen Typen wie in den USA. Einzig Erika Steinbach könnte für ein paar verbale Feuerwerke sorgen.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Letzte Woche habe ich angemerkt, dass die FDP mit ihrer neuen anti-ökologischen Ausrichtung Gefahr läuft, an Bedeutung zu verlieren (wenn das denn noch möglich ist). Ich habe behauptet, dass eine Partei, die als Vertreterin der Fossilen-Energie-Konzerne daherkommt, nicht zeitgemäß ist.

Und doch sind die Liberalen anscheinend nicht die einzigen, die so ticken. Denn diese Woche haben einige langjährige Parteimitglieder der CDU mit der Idee der Gründung eines Berliner Kreises auf sich aufmerksam gemacht. Hier sollen konservative Positionen diskutiert und verstärkt in die Öffentlichkeit getragen werden. Prominenteste Vertreter sind Wolfgang Bosbach und Erika Steinbach. 

Diese Äußerungen sind klar als Affront gegen Merkel zu verstehen. Der Merkel-kritische konservative Gesprächskreis der CDU möchte pünktlich vor der nächsten Bundestagswahl innerparteilich an Macht gewinnen. Die Rechtskonservativen wollen sich als offizielles Forum mit festen Rahmen etablieren. Ich frage mich, ob die CDU ein solches Gremium braucht?

Es gibt doch die CSU! Sollten konservative Meinungsträger in Deutschland mehr Aufmerksamkeit genießen? Und letztlich interessiert mich und wahrscheinlich viele andere in Deutschland, worüber der konservative Gesprächskreis eigentlich diskutiert? 

Wäre ich in den USA, hätte ich eine ungefähre Vorstellung davon, was die Konservativen bewirken wollen. Sie wollen gleichgeschlechtliche Ehen bekämpfen beziehungsweise Homosexuelle verfolgen. Sie wollen Abtreibung verbieten, Migranten deportieren oder Schusswaffen verbreiten.

Über diese Themen wird mit einer Härte gestritten, die wir in Deutschland kaum nachvollziehen können. Diese Konflikte werden zusätzlich von den Medien angeheizt und mit schrillen Tönen unterfüttert. Die Kampfrhetorik im US-Wahlkampf ist dermaßen übertrieben und überdramatisiert, dass jede ernsthafte Diskussion über wirklich wichtige Themen gar nicht mehr stattfinden kann.

Im Vorwahlkampf der Republikaner wird das christliche Paradies durch niedrige Steuern propagiert und vor dem sozialistischen Fegefeuer der Ungläubigen gewarnt. Die wirklichen Probleme wie Bildungschancen, soziale Gerechtigkeit oder Arbeitsmarktreformen, werden auf der großen Showbühne nicht genügend thematisiert.

Kommentare (7)

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Anti_anti_oekologisch

11.02.2012, 09:09 Uhr

Wenn die FDP den EEG Blödsinn nicht mittragen würde, dann könnte sie wieder an Bedeutung gewinnen. Es gibt viel mehr Menschen, die nicht an diesen Klimaquatsch glauben, als sich ein Politiker vorstellen kann. Wenn man sich darum kümmert, dass Menschen auch in Zukunft ihre Stromrechnung noch bezahlen können und diesen grünen Hype nicht mitträgt ist man ja gleich "anti-ökologisch".

Sich der Meinung von Frau Merkel nicht anzuschließen, heißt dass man noch ein eigenes Gehirn hat. Ich sehne den Tag herbei, wann wir Deutschen nicht mehr von einer dummen Marionette der EU, der Banken und der Konzerne regiert werden. Leider ist kein aussichtsreicher Kandidat in Sicht. Merkel wird uns noch mindestens solange wie damals der völlig überschätzte Kohl erhalten bleiben.

Mitbuerger

11.02.2012, 10:01 Uhr

Was wir bräuchten wäre eben jemand "schrilles", wie es sie von Zeit zu Zeit in den USA gibt. Eine Person, die aus dem Einheitsbrei hervortritt.

Mitbuerger

11.02.2012, 10:26 Uhr

Außerdem, lieber Autor, sehe ich keinen Zusammenhang zwischen dem Bekämpfen von gleichgeschlechtlichen Ehen und dem Verfolgen von Homosexuellen. Ich, beispielsweise, bin sehr wohl tolerant gegenüber Homosexuellen, nicht aber gegenüber der gleichgeschlechtlichen "Ehe".

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