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13.10.2012

12:52 Uhr

Dutschke spricht

Ein Held für Deutschland

VonMarek Dutschke

Die Grünen bestimmen mittels Urwahl den Spitzenkandidaten für die kommende Bundestagswahl. Doch die Kandidaten sind mittlerweile altbekannt. Zeit, für frischen Wind – und einen Helden für Deutschland.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Endlich ist es soweit. Erwartungsvoll öffne ich die Post und da sind sie, die Unterlagen zur Urwahl meiner Spitzenkandidaten für die kommende Bundestagswahl. Die Zettel sind bunt und das Anschreiben von Steffi Lemke freundlich, ja fast euphorisch: „Deine Stimme zählt“. Die grüne Urwahl soll ein Erfolg für die Parteigeschichte werden. Warum nicht. Ich finde es gut und mutig. Meine Spannung ist groß. Welche Partei kann solche Elektrisierung für das gemeine Parteimitglied bieten? Gemütlich sitze ich abends vor dem Bildschirm und schaue mir stundenlang die Videoaufzeichnungen der Kandidatenvorstellungen an, um mein persönliches Spitzenduo auszuwählen. Es ist ein unterhaltsamer Abend.

15 Kandidaten haben sich beworben, vier davon sind prominente Bundespolitiker. Der Rest ist ein kunterbunter Haufen der grünen Basis. Ich habe mir vorgenommen, die unbekannten Bewerber ernst zu nehmen und bin für sie offen. Hier kommt aber meine erste Enttäuschung: Es gibt keine weibliche Bewerbung von der Basis. Mindestens eine Frau muss dabei sein, so dass schon vor der Urwahl klar ist, dass ein Platz an die Prominenz geht. Künast, Roth und Göring-Eckert konkurrieren also nur untereinander. Sie stehen also besonders unter Druck und versuchen, kompetent und basisnah zu wirken. Auch Trittin, natürlich ohne Schlips, passt sich der Umgebung an und gibt sich mitfühlend und verstehend. Die vier Promis sind allesamt Dinosaurier aus der rot-grünen Regierungszeit.

Dies führen sie immer wieder als wichtigen Erfahrungswert an. Ich finde das eher störend. Die Zeit ist vorbei und jetzt sind neue Visionen gefragt. Claudia Roth rutscht auch mal ein „Stoiber“ raus wenn sie eigentlich Seehofer meint. Es ist nicht mehr ihre Zeit. Als ich mich 2005 für einen aussichtsreichen Listenplatz bei der Bundestagswahl bewarb und fulminant scheiterte, habe ich einen personellen Neuanfang gefordert, um sich in der heranziehende Oppositionszeit neu auszurichten. Dieser Ruf ist verhallt.

Nach fast zehn Jahren sind es dieselben Personen, die wieder mit der SPD regieren wollen. Meine Frauenstimme bekommt Katrin Göring-Eckardt. Denn zumindest hat sie als etwas jüngere ostdeutsche Christin ein anderes Profil. Zwar ist sie durch ihre christliche Sozialisierung bei manchen Fragen etwas konservativer als ich es mir wünschen würde, aber sie hat sich in den Urwahl-Foren der Kandidaten mit eindrücklichen Beiträgen zur Sozialpolitik zu Wort gemeldet und könnte die Grünen für neue Wählerschichten attraktiv machen.

Kommentare (3)

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Einweckglas

13.10.2012, 15:02 Uhr

Îch halte die "Gutmenschen" dieser Partei für fortschritt- und deutschlandsfeindlich. Wundere mich immer wieder, dass sich viele Besserverdiener unter deren Wählerklientel finden lassen. Aber dann denke ich an die ganzen Lehrer und Ökofaschisten, die man auch in anderen staatlichen institutionen findet. Passt also....und bleibt mir daher höchstsuspekt.

Account gelöscht!

13.10.2012, 15:21 Uhr

Mit den Grünen werde ich mich in den meisten politischen Themen nie anfreunden. Aber M. Dutschke spricht etwas an, was sich parteiübergreifend zu einer Charaktereinöde entwickelt hat: Es gibt kaum noch Politiker, die ihr Mandat mit Idealismus, Aufopferung und vor allen Dingen mit Glaubwürdigkeit wahrnehmen.
Selbst bei den Grünen entsteht mit den zitierten Dinosauriern der Eindruck der Selbstgefälligkeit und des Erhalts der erreichten Pfründe. Umschrieben mit dem Begriff "Erfahrung". Und die Überschrift dieses Artikels beschreibt eigentlich die Sehnsucht vieler Wähler.
Herr Dutschke, Sie werden mir immer sympathischer.

Idiot

14.10.2012, 17:22 Uhr

Ach, Dutschke. Ich sag nur Wahlalternative für 2013 googlen.

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