Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.07.2012

13:44 Uhr

Dutschke spricht

Elterngeld – Teuer, aber gut!

VonMarek Dutschke

Deutschland hinkt im europäischen Vergleich bei den Geburten hinterher. Das muss sich ändern. Das Elterngeld ist eine gute Idee, aber die Familienministerin könnte kreativer sein: zum Beispiel mit einem Verbot der Pille.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Vorletzte Woche wurde ein paar Tage mal nicht über die Eurokrise gesprochen, sondern über ein weiteres wichtiges Thema: die niedrige Geburtenrate. Im letzten Jahr sind in Deutschland nur 663.000 Babys geboren worden. Das waren circa 15.000 Babys weniger als im Jahr zuvor. Laut einer Prognose des Bundesinnenministeriums werden bis 2060 17 Millionen weniger Menschen in Deutschland leben. Die Geburtenrate müsste von aktuell 1,4 auf 2,1 ansteigen, um die Bevölkerung stabil zu halten.

Es wird uns suggeriert, dass die demographische Katastrophe vorprogrammiert ist. Einige Bundestagsabgeordnete aus der Union nehmen diese Zahlen gleich zum Anlass, den von Ursula von der Leyen propagierten Kitaausbau und die Fortsetzung des Elterngeldes in Frage zu stellen. Der überforderten Familienministerin, Kristina Schröder, waren die neusten Geburtenzahlen sichtbar unangenehm.

Schröders witzige Einfälle sind ja schon legendär. Die Flexiquote, die Herdprämie und das jüngst ins Spiel gebrachte Ausgehverbot für Jugendliche (um der dunklen Macht des Alkohols gar nicht erst zu begegnen) sind Schlaglichter ihres unermüdlichen Arbeitseifers. Ich halte es nicht für unmöglich, dass Sie ihre Beamten nun dazu auffordert ein Verbot der Pille zu prüfen, um endlich den ersehnten Durchbruch bei der Geburtenrate zu erzielen.

Diese Koalition ist konstant auf Irrfahrt, und ich kann nur auf den Tag hoffen, dass sie endlich abgewählt wird. Die Tatsache, dass das Elterngeld überhaupt in Frage gestellt wird, zeigt die Unfähigkeit der Koalition, etwas Sinnvolles anzustellen. Denn das Elterngeld funktioniert. Es stellt für Eltern eine erhebliche Hilfe dar und trägt dazu bei, Deutschland familienfreundlicher zu gestalten. Gerade die Partnermonate sind ein effektives Instrument, die Akzeptanz von Auszeiten zur Kinderbetreuung am Arbeitsplatz zu erhöhen.

Ob aufgrund des Elterngeldes wirklich mehr Kinder geboren werden, ist unklar. Aber darum geht es auch nicht in erster Linie. Das Elterngeld ist ein wichtiger finanzieller Zuschuss, der die ersten Monate für die Eltern etwas einfacher macht. Ende 2011 erhielten 75,9 Prozent der Elterngeldempfänger nur zwischen 300 bis 1000 Euro im Monat. Fast ein Drittel der Empfänger erhielt den Mindestbetrag von 300 Euro.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

14.07.2012, 18:25 Uhr

"Natürlich ist das Elterngeld teuer, aber der Nutzen ist groß, besonders für die Geringverdiener. Trotzdem wird dieses Argument gern benutzt, um das Elterngeld in Frage zu stellen, so wie es zum Beispiel der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder tut. Geringverdienende Familien haben natürlich keine große Lobby in der Politik."

Soll das ein Witz sein? Kaum ein Geringverdiener ist dieses, weil er das so will. Meiner Meinung nach handeln gerade Geringverdiener unverantwortlich wenn sie Kinder in diese unsichere Zukunft setzen. Welche Sicherheit kann ich einem Kind bieten, wenn ich nur prekär beschäftigt bin? Bin ich verbeamtet sieht das völlig anders aus.

Und wenn ich mich für ein Kind entscheide will ich auch die ersten Jahre mit meinem Kind verbringen und es nicht woanders parken. Dafür fehlen die Rahmenbedingungen.

Werlauer

14.07.2012, 18:32 Uhr

In Deutschland wird das Kinderkriegen stark alimentiert und Elterngeld ist nur eine Komponente von vielen - Eltern tragen zwar gesellschaftlich gesehen eine Last, die vorwiegend der Allgemeinheit zu Gute kommt, aber es ist mitnichten so, dass die finanzielle Komponente dieser Last nicht auch zum Teil von der Allgemeinheit getragen wird. Das Elterngeld wurde ganz unverblümt eingeführt, um einkommenstarke Schichten in der Fortpflanzung stärker finanziell zu stützen, in der Hoffnung, diese Schichten würden sich dann auch stärker fortpflanzen. (Für die einkommensschwachen Schichten verkürzte sich nämlich die Bezugszeit von 24 Monaten auf 12 Monate) Die Kinderquote der Mittelschicht ist aber nicht gestiegen. Deshalb lohnt es sich, nüchtern über die Abschaffung nachzudenken. Das jemand die Unterstützung als nützliches Zubrot begreift, reicht meiner Meinung nach als Rechtfertigung für die Beibehaltung nicht aus. Zumal auch der Autor die Ursachen der deutschen Kinderlosigkeit auch anderen Stellen sieht als der finanziellen Unterstützung von Familien.

Snowball

14.07.2012, 19:22 Uhr

Wenn sie sich für ein Kind entscheiden, können sie das Kind gar nicht woanders parken. So wie die Dinge zur Zeit stehen, stecken sie die ersten Jahre zu Hause fest. Aber was wir wollen ist:
Kinder & Arbeit vereinbaren können.
Um unabhängig zu sein, ein starkes Rollenvorbild für die Kinder zu sein und um wirklich sagen zu können: Die Kinder sind mein "Ein- aber nicht mein Alles"!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×