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20.10.2012

13:23 Uhr

Dutschke spricht

Energiewende in der Sackgasse

VonMarek Dutschke

Die Energiewende wird zu einer Farce. Während die Bundesregierung energieintensive Unternehmen entlastet, steigt die EEG-Umlage für die Bürger. Das muss sich ändern.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Die von Angela Merkel eingeleitete Energiewende entpuppt sich zunehmend als Farce. Das ist eigentlich auch keine große Überraschung. Eine Liebeshochzeit war das nicht, zwischen der schwarz-gelben Regierung und den erneuerbaren Energien, das konnte jeder sehen. Der Politikwechsel kam mit Fukushima und die Kanzlerin hatte keine Wahl, als auf den Zug aufzuspringen. Mit Norbert Röttgen als Umweltminister bekam das neue Mammutprojekt sogar einen seriösen Anstrich. Doch als dieser über die eigene Machtgier stürzte und durch den Umweltneuling Altmaier ersetzt wurde, war die Batterie leer. Angekündigt als größtes Projekt der aktuellen Regierung ist nun nicht mehr viel übrig geblieben. Ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl sabotiert die Regierung ihr eigenes Projekt sogar massiv, um Großunternehmer zu besänftigen.

Die Zustimmung zur Energiewende schrumpft in der Bevölkerung. Die Angst ist groß, dass die Strompreise für die Verbraucher explodieren werden. Altmaier betont dieses Dilemma immer wieder. Unter den Deckmantel der Energiewende beabsichtigt die Regierung, die EEG-Umlage für die normalen Verbraucher von ungefähr 3,59 Cent/Kilowattstunde auf etwa 5,3 Cent/Kilowattstunde ansteigen zu lassen. Ist das wirklich nötig?

Gleichzeitig will die Regierung die Zahl der privilegierten Unternehmen von ungefähr 700 auf knapp 2000 ausweiten. Diese Unternehmen werden so gut wie keine Umlage zahlen. Darüber hinaus, gibt es noch die so genannte Eigenstromregelung, die weitere Entlastung für die Industrie ermöglicht. Die Bundestagsfraktion der Grünen prognostiziert, dass privilegierte Unternehmen eine Entlastung von rund sieben Milliarden Euro im nächsten Jahr bekommen werden. Das bedeutet, dass wir als normale Steuerzahler für die Ersparnisse der Großunternehmen aufkommen müssen. Natürlich tun wir dies gerne, denn diese Unternehmen sollen international wettbewerbsfähig bleiben und in Deutschland ganz viele Jobs schaffen...

Die Kosten der Energiewende müssen gerecht geteilt werden, aber die Koalition hat daran kein Interesse. Weder die Bundeskanzlerin, die unionsgeführten Länder und am allerwenigsten die FDP haben irgendeine Leidenschaft, das Projekt voranzubringen. Die FDP würde am liebsten alles rückgängig machen. Die Energiewende steckt in der Sackgasse und wenn wir ehrlich sind, wissen wir, dass sich daran bis zur Bundestagswahl nichts ändern wird. Der Handlungsbedarf wäre riesig. Der Netzausbau, der Ausbau von offshore Windparks, die energetischen Sanierungsmaßnahmen müssen vorangetrieben werden und das EEG dringend reformiert. Wir können nur noch hoffen, dass die nächste Bundesregierung sich etwas mehr Gedanken macht, wie dieses Jahrhundertprojekt effektiv und gerecht umgesetzt werden kann.

Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke, Wortführer der Studentenbewegung in den 60er-Jahren. Er ist in Elternzeit und lebt in Berlin.

Kommentare (16)

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A-Team

20.10.2012, 13:50 Uhr

Falls es ihnen "entfallen" ist, Herr Dutschke: In der aktuellen Preisrunde ist keine einzige zusätzliche Befreiung enthalten, weil die legendären "2000" bis jetzt keine genehmigten Ausnahmen, sondern nicht entschiedene Anträge sind.

Alle daraus entstehenden Kosten werden dem Stromverbraucher im Herbst 2013 aufs Auge gedrückt, wenn wir beim privaten Strompreis nach den 30ct/kWh des Frühjahrs 2013 zügig die 40ct/kWh ins Visier nehmen.

Die lächerliche Energiewende lässt sich überhaupt nicht bezahlbar umsetzen, weil die EE durch völlige Verantwortungslosigkeit gegenüber dem Stromnetz und mangels bezahlbarer Speicher schlicht und ergreifend nicht marktfähig sind. Siehe auch die Pläne zur zwangsweisen Bevorratung von fossilen Kraftwerken, die die EE-Löcher stopfen sollen und deren Kosten als nächste Zwangsabgabe auf der Stromrechnung auftauchen werden.

Das alles zieht genau die Energieplanwirtschaft nach sich, die jetzt krachend vor die Kostenwand fährt. Und keine Ökopropaganda oder Sprüche von mangelnder Gerechtigkeit werden irgendetwas daran ändern können.

Vicario

20.10.2012, 16:48 Uhr

Altmaier findet die Energiewende ja so richtig und wichtig, er mag sogar flüsternde Windräder, dass ich ihm folgendes wünschen würde :
Über dem Schornstein seines Hauses dreht sich ein Windrad, das Vögel abmurkst und den entsprechenden erotischen Sound mit wechselnden Licht-Schatten-Spielen erzeugt ;
auf seinem Grundstück ist der Rasen mit Fotovoltaik zugepflanzt, mit Spiegelreflexen durch das Fenster seines Schlafzimmers ;
in seinem Gartenhäuschen gärt die Biomasse, umzingelt mit Fliegen aller Art und mit einem duften Geruch;
in seinem Keller brummt der Dieselgenerator, weil z.Z. keine Sonne scheint und kein Wind bläst, er aber "Bauer sucht Frau" schauen will und Strom braucht ;
und Altmeier sitzt auf seiner kleinen Terrasse und genießt die Welt und seine Taten.....die Energiewende ;
und das ganze am Ufer des Rheins, mit Panoramablick auf das Französische AKW auf dem anderen Rheinufer, von dem langgezogene Starkstromleitungen über seinem Dach ins Land verlaufen, um die Deutsche Industrie mit Strom zu versorgen ;
Ich glaube, das diese Perversion zehr passend zu seinem Dilettantismus in der Sache ist und ihm gut zu Gesicht stehen würde !

Kowalski

20.10.2012, 18:08 Uhr

Die grüne Energieministerin von Rheinland-Pfalz Eveline Lemke hat angesichts der steigenden Strompreise den Deuschen empfohlen, einfach mal öfter das Licht auszuschalten.
Mein Vorschlag, bei den kommenden Wahlen dieser grünen Gesinnung einfach mal das Licht auszuschalten !!

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