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21.04.2012

12:03 Uhr

Dutschke spricht

Graffiti und Hundekot

VonMarek Dutschke

Gegner der sogenannten Gentrifizierung ehemaliger Kiez-Stadtteile haben die Kleinfamilie als Feind entdeckt. Marek Dutschke über den subtilen Kampf in deutschen Großstädten.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Vor einigen Monaten habe ich zum ersten Mal über das Schreckensgespenst Gentrifizierung in deutschen Großstädten geschrieben. Es ging um Immobilienpreise, Yuppies und Verdrängung von Altmietern. Dieses Mal soll es um den subtilen und weniger subtilen Widerstand gegen Gentrifizierung gehen. Der Kampf ist natürlich aussichtslos und schon längst verloren. Alle freien Grundstücke sind verkauft, und die Sanierungs- und Bauwelle schlägt wie ein Tsunami zu. Gelegentlich werden noch Autoreifen zerstochen oder Brände gelegt. Als letztes Aufbäumen ist es zu verstehen, wenn an einer frisch sanierten und verkauften Altbaufront im Berliner Friedrichshain als Graffiti zu lesen ist „Verpisst euch mit euren Kindern“. Der Frust der alteingessessenen Kiezbürger muss schon groß sein, wenn schon über Kinder hergezogen wird.

Natürlich hat der Sprayer Recht mit der Annahme, dass bürgerliche Kleinfamilien die Keimzelle des Gentrifizierungsprozesses darstellen. Sie sind es, die mit finanzieller Hilfe ihrer Eltern die ganzen Wohnungen in guter Lage aufkaufen und die Altmieter verdrängen. Die Zinsrate auf Kredite ist momentan auf unter 3 Prozent gerutscht. Gleichzeitig steigen die Preise auf dem Immobilienmarkt – je billiger das Geld, desto teurer die Immobilien. Die Kauflust ist nach wie vor ungebrochen. Angesichts einer solchen Entwicklung kann man nachvollziehen, dass gerade die Hartz IV-Empfänger und Punks sich darüber ärgern, dass überall um Sie herum Luxusobjekte aus dem Boden gestampft werden. Sogar in der Rigaer Straße, eine republikbekannte Hochburg der autonomen Szene, wird gerade ein schneeweißer Luxuswohnkomplex mit Penthouses und Tiefgaragen hochgezogen. Gut, dass die Bio Company schon gegenüber ist und der MacGeiz vorsorglich weggezogen ist.

Kommentare (4)

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Christian

21.04.2012, 12:18 Uhr

Vielen Dank für die Milieustudie aus dem Kiez.
Zweierlei sei bemerkt: so etwas gibt es nicht nur in Berlin und ansich, lassen wir mal dieses böse Wort Immobilienspekulanten außen vor, ist es doch nicht schlecht, daß Bausubstanz zumindest kosmetisch, Architektur möchte man moderne Bauweisen schlichtweg nicht mehr nennen, allenfalls Kulissenbau, gepflegt aussehen - bis auf diese Graffitis eben - .

Bliebe da noch die Frage, was sich die Kommunalverwaltungen einfallen lassen, um zu tragfähigen Lösungen im Umgang mit den Eingeborenen dort - anders kann man "Planungssicherheit" von Stadtverwaltungen inzwischen nicht mehr nennen, zu gelangen.

zappl

22.04.2012, 09:52 Uhr

Jaja die linksgrünen Gutmenschen..wie war das.. "..die Geister die ich rief.."?

Es wird Pendeln künstlich maßlos verteuert, der Umwelt zuliebe, und natürlich um den bösen "Reichen"(also alles >50t€ lol) ihre geliebten Autos madig zu machen.. und dann wundert man sich, wenn die nun näher an ihre Arbeitsplätze in die Städte ziehen und es zur Gentrifizierung kommt. :)

Account gelöscht!

23.04.2012, 10:23 Uhr

Mir stellt sich die Frage, wo und warum hier der Staat (wieder einmal) mit fremdverwendeten Steuergeldern für die Regelung zwischenmenschlich selbstverständlichem eingreifen sollte. Graffiti sind Sachbeschädigung und damit polizeilich verfolgbar. Den Hund nicht in den Hauseingang koten zu lassen, ein Gebot der Höflichkeit.

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