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24.12.2011

10:57 Uhr

Dutschke spricht

Herr Präsident, das ist unangemessen!

VonMarek Dutschke

Der Vertrauensverlust gegenüber der Politik ist weit gediehen. Christian Wulff ist nur ein weiteres trauriges Beispiel, wie unangemessen sich Politiker verhalten.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Als ich vor einigen Wochen eine Rede von Norbert Röttgen in der Kolumne lobte, habe ich von einem Leser die folgende Email bekommen: „Lass Dich von diesen Charaktermasken nicht einfangen, egal ob Sie Röttgen oder Steinbrück heißen. Alles Egomanen und Selbstdarsteller dessen einziges Ziel es ist Ihre Macht und Privilegien zu erhalten.“ Der Leser hätte natürlich auch den Bundespräsidenten erwähnen können, und dass es nicht nur darum geht, Macht und Privilegien zu erhalten, sondern auch darum, diese auszuweiten.

Wie dem auch sei, dieser Satz stellt exemplarisch dar, dass der Vertrauensverlust gegenüber der Politik weit gediegen ist. Um ehrlich zu sein, ich teile diese Skepsis gegenüber dem Politbetrieb. Im Buch „Höhenrausch“ von Jürgen Leinemann, das im Jahr 2004 erschienen ist, kann man nachlesen, wie durchtrieben und verrucht das Geschäft mit der Politik ist. Christian Wulff findet in dem Buch keine besondere Erwähnung – war er doch zu der Zeit noch Provinzpolitiker. Mittlerweile hat er sich allerdings zu einem weiteren traurigen Beispiel gemausert, wie unangemessen sich Politiker verhalten.

Der Bundespräsident bekommt jedes Jahr 200.000 Euro aus der Staatskasse, fast das Siebenfache des Durchschnittsbürgers - und das bis zu seinem Lebensende (das könnten noch 40 Jahre sein). Hinzu kommen noch Fahrer, Büro und Assistent.

Bei Wulff ist die Sehnsucht, sich aus den ärmlichen Kindheitsverhältnissen zu befreien, zu einem Verlangen nach Luxus geworden. Sein Vater verließ die Familie als der Sohn zwei war. Auch der Stiefvater blieb nicht lange. Zudem wurde bei Wulffs Mutter Multiple Sklerose festgestellt. Christian Wulff musste früh Verantwortung übernehmen. Seine Schulnoten litten darunter, so dass er sogar sitzen blieb.

Der Parteiapparat der CDU wurde schnell zu seiner Heimat. Schon als Teenager trat er der Partei bei. Ich verstehe, dass er eine schwierige Kindheit und eine teure Scheidung hinter sich hat, aber das ist nichts Außergewöhnliches. Letztlich hat er wahrscheinlich im streng juristischen Sinne auch nicht gegen Gesetze verstoßen, aber es ist einfach unangemessen, mittels seiner politischen Stellung in den Genuss finanzieller Vorzüge zu kommen.

Man kann gute Beziehungen zu Unternehmern pflegen, ohne sich Geld zu leihen oder den Familienurlaub in deren Edelvillas zu verbringen. Wenn er auf dem Niveau eines Multimillionärs leben möchte, dann hat er den falschen Beruf gewählt. Als Bundespräsident ist es vielmehr seine Aufgabe, ein moralisches Vorbild zu sein, an das Gemeinwohl zu appellieren und Impulse für nötige Reformen zu geben.

Kommentare (11)

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PRhodan

24.12.2011, 11:17 Uhr

Sie sprechen mir aus der Seele! Schade nur, dass diejenigen, die sich diesen Kommentar zu Herzen nehmen sollten, schon bei Ihrem Namen "die Flucht ergreifen" werden.

tsabo

24.12.2011, 11:48 Uhr

Da haben wir es mal wieder.. Nur weil man einen bekannten Namen trägt..darf man seine moral saure Meinung zu Tage tragen - aber es ist auch nur Ihre Meinung..Worin besteht Ihre Leistung für die Gesellschaft - offensichtlich darf im Handelsblatt jeder NOName seine Meinung veröffentlichen...Zu was ist diese Zeitung verkommen....

Account gelöscht!

24.12.2011, 12:24 Uhr

"Da haben wir es mal wieder.."

"tsabo" ist auch so ein NoName von einem Nobody ohne Schneid seinen wirklichen Namen nennen zu wollen. Worin besteht denn Ihre Lebensleistung? ...

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