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01.09.2012

11:33 Uhr

Dutschke spricht

Hochschulen können dem Ansturm nicht standhalten

VonMarek Dutschke

Für das nächste Semester wird an den Unis eine Flut von Studienanfängern erwartet. Doch die Hochschulen sind auf den Ansturm überhaupt nicht vorbereitet. Chaos ist programmiert – zum Leidwesen der Studierenden.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Nächste Woche fängt bei den meisten amerikanischen Universitäten das Semester an. Viele Studenten stehen vor einer ungewissen Zukunft. Denn die Wirtschaft schwächelt, und die Studiengebühren steigen stetig. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Studenten am Ende ihres Studiums mit Schulden in sechsstelliger Höhe dastehen.

Die Vision des Vizepräsidentschaftskandidaten Paul Ryan würde das Problem noch verschlimmern. Er würde das staatliche Förderungsprogramm „Pell Grants“ drastisch kürzen, mit der Konsequenz, dass weniger Studierende Zugang bekommen. Darüber hinaus will er die Subventionierung der Zinsrate auf staatliche Bildungskredite abschaffen, so dass die Zinsrate von 3,4 auf 6,8 steigt – eine erhebliche Belastung der Studierenden und deren Eltern! Die USA kann zwar die besten Universitäten der Welt vorzeigen, aber leider werden sie für die Mittelschicht unbezahlbar.

In Deutschland wiederum ist der Semesteranfang noch über einen Monat entfernt. Die Kosten eines Studiums spielen keine große Rolle in der Hochschulpolitik. Denn ein Studium in Deutschland ist bezahlbar, und zwar ohne Kreditaufnahme oder elterlichen Abgaben. Mit Bafög und der Möglichkeit einer studentischen Nebentätigkeit bis zu 20 Stunden in der Woche, können Studierende gut auskommen. Es gibt inzwischen sogar Möglichkeiten, von der KfW oder der Deutschen Bank einen Kredit aufzunehmen, wenn ein Student nicht nebenbei arbeiten möchte.

Darüber hinaus können Studierende sich für Stipendien bei verschiedenen Stiftungen bewerben. Zwar sind diese Stipendien teilweise zweckgebunden und meist nur für besonders begabte Studierenden, aber dennoch bieten sie Möglichkeiten, sich das Studium zu finanzieren. Durch das Abschaffen von Studiengebühren in mehreren Bundesländern ist das Studium sogar günstiger geworden.

Daher ist es nicht überraschend, dass für den Semesteranfang eine Flut von Studienanfängern erwartet wird. Es hängt zwar auch damit zusammen, dass starke Geburtenjahrgänge und doppelte Abitur-Jahrgänge ihre Hochschulreife bekommen haben, aber wir müssen anerkennen, dass mehr Menschen studieren können und wollen.

Das Problem darin ist, dass die Universitäten gar nicht darauf eingestellt sind. Es fehlen genügend finanzielle Mittel, um den Ansturm zu bewältigen. Ein chaotischer Semesteranfang mit überfüllten Seminaren und überforderten Dozenten ist vorprogrammiert. Noch schlimmer ist die Tatsache, dass die Universitäten keine andere Lösung anbieten können, als Studiengänge „praktisch flächendeckend mit einem lokalen Numerus clausus beschränken“, wie Horst Hippler, Chef der Hochschulrektorenkonferenz, es jüngst formulierte.

Kommentare (1)

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02.09.2012, 13:17 Uhr

Immer wieder erfrischend, unser Märchenonkel Dutschke aus dem linken Wolkenkuckucksheim! Diese Situation an den Hochschulen hat ausschließlich die Politik selbst verursacht, wie er immerhin ansatzweise bemerkt. Vielleicht sollte er mal Professoren der Physik, Elektrotechnik, Maschinenbau u.ä. fragen, wie es überhaupt um die Studierfähigkeit der Klientel bestellt ist, seit- vorzugsweise in roten Bundesländern- bald die Hälfte eines Jahrgangs 'Abitur' macht, schon in den Schulen nach Geschlecht selektiert wird und bei Hochschulkarrieren erst recht: nach vier Jahrzehnten grünrotem Genderterrorismus ist 'Leistung' ist zum Unwort verkommen.
Und die meisten Absolventen der sog. 'geisteswissenschaftlichen' Fächer sind halbakademisches Problemproletariat und das braucht schlicht niemand- es sei denn die Politik selbst, deren Bedarf an Agitatoren, Gesinnungskriminellen und ökoreligiösen Aposteln anscheinend unendlich ist.

Lieber Herr Dutschke, wir haben nicht zuwenig, sondern viel zu viele Studienplätze und Institute.
Solche zum Beispiel:

http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/08/die-planetare-bewegung-fur-mutter-erde.php




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