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16.06.2012

10:39 Uhr

Dutschke spricht

Jenseits der UEFA-Verlogenheit

VonMarek Dutschke

Die UEFA versucht alles, um die Wahrnehmung der Europa Meisterschaft positiv zu beeinflussen. So unterdrückt sie die politisch brisanten Fernsehbilder und verkauft Archiv-Bilder von Löw als "live". Das ist verlogen.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

BerlinFür die UEFA ist die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine ein lukratives Geschäft. Der Umsatz durch Vermarktung, Eintrittskartenverkauf, Fernsehrechte und Sponsoren macht das Turnier zur Gans, die goldene Eier legt. Damit es so bleibt, bemüht sich die UEFA, das Event und alle Eventualitäten unter Kontrolle zu halten. In den Stadien gelten strenge Regeln, die Trainer und Spieler haben ein rigorosen Dresscode. Während der Spiele wird nur alkoholfreies Bier verkauft. Natürlich wird auch der Inhalt der Fernsehbilder manipuliert, wie zum Beispiel der Einspieler von Jogi Löw, bei dem er einem Balljungen scherzhaft einen Ball aus der Hand schlägt. Der Clip wurde während der Anfangszeit der ersten Halbzeit gebracht und wirkte live. Da konnte man sich schon über die wahnsinnige Coolheit unseres Bundestrainers während eines wichtigen Wettkampfspiels wundern (ich auch). Aber natürlich war der Clip schon vorher aufgezeichnet. Die UEFA nutzt jede Gelegenheit, unsere Wahrnehmung der Spiele positiv zu beeinflussen. Dazu gehört natürlich auch, dass keine politisch brisanten Fernsehbilder gezeigt werden. Dies ist in diesem Jahr wegen der politischen Situation in der Ukraine eine besondere Herausforderung. Das große Transparent, das die Europaabgeordneten Rebecca Harms und Werner Schulz im Stadion beim Deutschland-Holland Spiel in Charkiw gehisst hatten, suchte man vergeblich in den Fernsehbildern. Die UEFA möchte die Euro 2012 so weit es geht von den politischen Debatten fernhalten. Das ist falsch. Die Spiele und die Mannschaften gehören zu diesem Turnier genauso wie die Orte und die Menschen.

So ärgerlich wie die Verlogenheit der Verbandsfunktionäre ist die negative Berichterstattung in deutschen Medien. Über nichts wurde in großen Zeitungen mehr geschrieben (abgesehen von Berichten über das deutsche Team) als über die Randale zwischen polnischen und russischen Fans in Warschau.

Kommentare (2)

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Emmes

18.06.2012, 09:12 Uhr

Hallo Marek,
ein toller u. offensichtlich durch das eigene Erleben geschriebener Beitrag, der hoffentlich den immer wieder durch bestimmte Medien erzeugten politischen Negativmeldungen in der Breite eine Lektion verpassen wird.
Gruß H. + M.



Gruß Emmes

ruedigerwolf

18.06.2012, 20:00 Uhr

Danke für den Kommentar! Doch was soll das mit Wroclaw und Poznan?
Sie würden doch auch nicht die Namen Roma, Milano, Napoli, Firenze, Bruxelles geschweige denn Warszawa, Praha etc. in einem deutschsprachigen Artikel verwenden. Man kann die Political Correctness auch übertreiben!

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