Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.03.2012

08:48 Uhr

Dutschke spricht

Quo vadis Piraten?

VonMarek Dutschke

Die Piraten sind sowohl gegen Armut, als auch für Reichtum. Wahltaktisch gesehen ist das clever. So werden sie für ganz verschiedene Gruppierungen wählbar. Aber inhaltlich ist das wenig durchdacht und zum Kopfschütteln.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Im Oktober vergangenen Jahres, habe ich an dieser Stelle behauptet, das grundlegende Problem der Piratenpartei sei, dass sie eine Philosophie des reaktionären Individualismus propagiere. Darüber hinaus habe ich geschrieben, dass es nicht reicht, ein bedingungsloses Grundeinkommen zu fordern, ohne sich über eine gesamtgesellschaftliche Vision und die damit einhergehende Gerechtigkeitsfrage auseinanderzusetzen. Daran hat sich bis heute nichts geändert (ich kann nur empfehlen, die Tweets von Marina Weisband zu lesen – Selbstverwirklichungsdrang pur).

Auf dem letzten Bundesparteitag wurde die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens verabschiedet. Außerdem haben die Parteimitglieder mit großer Mehrheit den Vorschlag, dass Managergehälter gedeckelt werden sollen, abgelehnt.

Die Piraten sind also sowohl gegen Armut, als auch für Reichtum. Wahltaktisch gesehen ist das clever. So werden sie für ganz verschiedene politische Gruppierungen wählbar. Aber inhaltlich ist das wenig durchdacht und zum Kopfschütteln.

Doch das ist alles vielleicht gar nicht so wichtig. Entgegen meiner früheren Meinung denke ich heute, sollen die Piraten doch so libertär sein, wie sie wollen. Die Hauptsache ist doch, und darauf hat neulich meine Kollegin Anne Connelly zu Recht hingewiesen, dass sie sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren sollten. Die Digitalisierung der Gesellschaft ist eines der bestimmenden Themen – nicht nur in Zukunft sondern schon heute. Während ich noch zwischen meinem digitalen und realen Leben eine Trennung mache, ist das bei Zwanzigjährigen heute undenkbar. Das Facebook-Profil ist ein Teil ihres Selbstverständnisses, sie twittern ihre Beziehungsnöte, laufen nur noch mit Ohrstöpseln rum und finde E-Mail total altmodisch.

Diese Mediennutzung wird sich bald auch in der Arbeitswelt widerspiegeln. Noch gilt „googeln“, „tweeten“, „chatten“ und Internetsurfen als Privatvergnügen, aber das wird sich ändern. Die Piraten tun also gut daran, jetzt schon Themen wie Netzsperren, Vorratsdatenspeicherung, SOPA, PIPA, ACTA und INDECT zu besetzen. Übrigens erinnert mich INDECT (Intelligent information system supporting observation, searching and detection for security of citizens in urban environment) an dem Film “Eagle Eye”, in dem ein Überwachungssystem anfängt, Menschen zu ermorden.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rapid

10.03.2012, 09:11 Uhr

Gegen libertäre Politik können Sie im Ernst doch nichts haben Herr Dutschke, auch wenn sie Ihnen als "individualistisch reaktionär" erscheint.Schon Karl Marx hat Max Stirner und dessen "Einzigen und sein Eigentum" als individualistisch reaktionär bezeichnet.
Libertäre und Anarchisten hat dieses Veredikt allerdings nie gekümmert un der "heilige Max" hat bei ihnen immer ein Stein im Brett gehabt. Auch die libertären Piraten werden, so sie sich überhaupt für die Großväter und Vordenker ihrer Ideen interessieren irgendwann mal wieder auf den "Einzigen" stoßen.

EinPirat

10.03.2012, 10:12 Uhr

Konstruktive Kritik ist bei den Piraten immer willkommen!
Auch Nichtmitglieder können mitarbeiten und mitdenken.
http://www.piratenpartei.de/

rational

10.03.2012, 11:12 Uhr

Herr Dutschke versteht es wohl nicht,
gegen Armut und für Reichtum sein widerspricht sich nicht, es bedingt einander!

Nichts hat soviel Armut(Leid, Tote usw) im letzten Jahrhundert verursacht wie der Kollektivismus. (Sowohl Nationalismus, als auch Kommunismus waren und sind kollektivistische Ideologien).
Und nichts hat soviel Reichtum und Verringerung von Armut verursacht wie der Kapitalismus.

Allein in China sind, seit Öffnung und teilweiser "Einführung" des Kapitalismus, 500mio(!) Menschen aus der Armut entkommen.
In 20-30Jahren schließen die Schwellenländer nicht nur vom Wohlstand, sondern auch von den Arbeitsbedingungen zum Westen auf.

Gegen Armut WEIL für Reichtum!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×