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29.10.2011

09:56 Uhr

Dutschke spricht

Reiche rein, Arme raus

VonMarek Dutschke

Gegen die Verdrängung Armer durch die Reichen in schönen Stadtvierteln kommt die Politik kaum an - durch die Steuerpolitik begünstigt sie die Gentrifizierung eher noch.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Viele Menschen träumen vom Einfamilienhaus mit großem Garten in der Vorstadt oder von einer ausgebauten Dachgeschosswohnung in der Innenstadt. So billig wie momentan waren Kredite kaum jemals zu bekommen. Und da man sein Geld gerade sowieso nirgendwo sonst gewinnbringend anlegen kann, stehen Immobilienkäufe ganz hoch im Trend. In Deutschland wird gebaut und saniert was das Zeug hält. An sich ist das nichts Schlimmes. Allerdings haben die Deutschen andere Präferenzen als noch vor einer Generation. Der Traum vom Häuschen auf dem Land ist passé. Heutzutage muss das Eigenheim in unmittelbarer Nähe zu einer attraktiven Großstadt beziehungsweise die Eigentumswohnung in einem trendigen Innenstadtbezirk liegen.

Die vormals grünen Speckgürtel deutscher Großstädte verlieren damit vermehrt ihren „grünen“ Charakter, die Natur wird verdrängt. In den Innenstädten kommt es zu einem Phänomen, über das gerade viel gestritten wird, der Gentrifizierung. Durch die Umwandlung von Miets- zu Eigentumswohnungen werden oft die alteingesessenen Mieter gezwungen, ihre Wohnungen zu verlassen. Sie können sich den „Top-sanierten Luxusaltbau mit flexiblen Grundrissen und Dachterrasse“ einfach nicht mehr leisten.

Im Samariterkiez in Berlin-Friedrichshain, einer Art neuem Prenzlauer Berg, ist die Gentrifizierung gerade in vollem Gange. Das letzte besetzte Haus wurde jüngst geräumt, die Bio Company ist schon da und auf dem sonntäglichen Samariterkirchenbasar tummeln sich Latte Macchiato schlürfende Muttis und ihre Kleinkinder. Im Norden des Kiezes werden momentan hundert Townhouses auf dem Gelände eines alten Schlachthofs fertig gestellt. Nun findet man zwischen den Hartz IV-Empfängern und Punks mit Hunden immer mehr bürgerliche Kleinfamilien.

Das strahlt auf den ganzen Kiez hinaus. Überall wird saniert und jede Brachfläche ist mit einer Bauankündigung versehen. Der Mietspiegel steigt dramatisch, was natürlich zu einer Verdrängung der sozial Schwächeren führt. Die meisten der Zugezogenen wollen diese Verdrängung nicht, sondern finden die Mischung in der Bevölkerungsstruktur an sich reizvoll. Oft sind sie Wähler der Grünen und der SPD (oder seit neuestem der Piraten) und haben sogar ein schlechtes Gewissen, dass sie sich das leisten können, während andere das nicht können.

Kommentare (5)

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yoshi_d

30.10.2011, 00:25 Uhr

Linksradikale Polemik, dieser Artikel. Armes Handelsblatt.

AlexanderBerg

31.10.2011, 09:47 Uhr

Hallo Herr Dutschke, Ihren Vater habe ich in diesem Jahr durch einige Videos "kennengelernt" und zitiere ihn hier, um den Kernsachverhalt aufzuzeigen.

"(...) Es gilt erst einmal ein Bewusstsein des Missstandes zu schaffen. Jetzt nicht gleich zu fragen: "Gib doch die Antwort." Ein Dutschke will keine Antwort geben. Das wäre genau die manipulative Antwort, die, ich nicht zu geben bereit bin. Denn was soll es bedeuten, als Einzelner Antworten zu geben, wenn die gesamtgesellschaftliche Bewusstlosigkeit bestehen bleibt. Die muss durchbrochen werden, dann können Antworten gegeben werden (...)"

Ob Arme oder Reiche. Beide benötigen als Menschen eine Basis, damit sie existieren können. Dies ist die ökonomische Basis. Diese müssen wir neugestalten. Doch dazu ist mehrheitlich vorhandenes Wissen nicht geeignet, denn es macht die Strukturen zunehmend ineffizienter.

Hier ist eine Lösung wie wir wieder eine wirksame Basis für alle schaffen: http://www.schubaeusmodell.de/fileadmin/files/Dokumente/Regelwerk.pdf

Anon

02.11.2011, 10:58 Uhr

ich fände es "arm" wenn nur einseitige Kommentare zugelassen würden.

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