Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2013

16:49 Uhr

Dutschke spricht

Schokoladenschutz

VonMarek Dutschke

In Deutschland werden schon Kita-Kinder mit Ferrero-Produkten überhäuft – als Geschenk direkt vom Unternehmen. Wollen wir den Herstellern einen solchen Zugang zu unseren Jüngsten geben?

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

In einer früheren Kolumne schrieb ich bereits über das miserable Essen in US-amerikanischen Schulkantinen, in denen sich Chicken Nuggets, Pommes und Pizza im täglichen Menü abwechseln. Die Lobbyisten der Lebensmittelindustrie haben es in diesem Fall herrlich geschafft, jegliche Form der Regulierung zu verhindern. Wie absurd mutet dann das Überraschungseiverbot an, dass die Food and Drug Administration im letzten Jahr verhängt hat.

Ferreros Schokoladenei ist offensichtlich eine akute Gefahr für Leib und Leben kleiner Kinder und musste deshalb schleunigst aus dem Verkehr gezogen werden. Der Unterschied beider Fälle ist glasklar: an der kleinteiligen Plastiküberraschung könnte man sich verschlucken, die Nuggets und Co. kann man auch zahnlos bedenkenlos zu sich nehmen. Natürlich lauert auch hier eine Gefahr, die viel größere zudem. Aber die kommt erst schleichend mit den Jahren: die Gesundheitsgefährdende Fettleibigkeit, Geisel der westlichen Welt.

Das Schulessen in Deutschland ist vielleicht noch ein bisschen besser und Ferrero-Produkte werden glücklicherweise nicht vom Zoll konfisziert. Aber bedenklich ist es doch, dass alle Kinder in der Kita meiner Kinder vor Weihnachten vom Weihnachtsmann ein Geschenkpaket ausschließlich mit Ferrero-Produkten überreicht bekamen. Die Kita wird es nicht gekauft haben. Bei einem Sachwert von 5 Euro für 150 Kinder übersteigt es wohl das Budget des kommunalen Eigenbetriebs.

Die milde Gabe ist also als Spende vom Unternehmen gekommen. Hier sieht Ferrero die billige und einfache Möglichkeit, schon die jüngsten Kinder an die eigene Marke zu binden. Selbst mein Sohn bekam ein Paket. Dabei hatte er vor Weihnachten erst dreieinhalb Zähne im Mund. Selbstlos kümmerte ich mich um die Süßigkeiten, um meine Kinder vor dem Einstieg in die Konsumhölle zu bewahren.

Der Schokoladen-Markt ist hart umkämpft. Selbst die sehr beliebte Marke Ritter Sport hat mit steigenden Rohstoffpreise zu kämpfen – der Gewinn schrumpft. Die Giganten im Geschäft, Ferrero und Kraft (Milka), wiederum sind international agierende Konzerne. Sie sind zwar nicht so beliebt oder ökologisch eingestellt wie Ritter Sport, aber dafür breiter aufgestellt mit der Möglichkeit, billiger zu produzieren. Trotz des Kampfs um den milliardenschweren Schokoladenmarkt müssen wir uns die Frage stellen, ob wir den Herstellern einen solchen Zugang zu unseren Kindern geben wollen? Ist das nur ein nettes Geschenk zum Weihnachtsfest oder aggressives Marketing?

Ich neige oft dazu, am Ende der Kolumne nach mehr staatlicher Regulierung zu rufen. Hier nun kann ich sagen: Der Kinderriegel in Kitas muss nicht verboten werden, das wäre überzogen. Bei engen Budgets kommunaler Kita kann der Leitung kein Vorwurf gemacht werden, wenn sie offen gegenüber Sachspenden sind. Die Eltern müssen aber über solche Unternehmensspenden informiert werden und die Möglichkeit haben, sich gegen diese Aktionen der Lebensmittelindustrie zu wehren.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Praedikatsartikel

26.01.2013, 20:27 Uhr

Wenn man den Artikel liest, dann kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er geschrieben wurde, weil Herr Dutschke die Schokolade seiner Kinder aufgegessen hat und jetzt ein schlechtes Gewissen hat. Zahlt jemand für so etwas? Also, ich schreibe das nächste Kapitel: wie ich meinen Kindern die Gummibärchen geklaut habe und was das für einen Einfluss auf den Umsatz von Haribo haben wird.

Account gelöscht!

26.01.2013, 20:34 Uhr

Dieser "Dutschke spricht" gehört auf die Seite nickelodeon.de - am Wochenede immer dieses platte Gefasel - ich finds widerlich. So ein Hosemmatz mit grosser Klappe.

Gehen Sie woander hin, Dutschke !

Tom

26.01.2013, 22:37 Uhr

Soll man Kindern Karotten und Rosenkohl schenken?

Jedes Kind isst gern Schokolade.

Ich habe es als Kind bekommen, meine Mitschüler, meine Kindergarten Freunde, meine Eltern in ihrer Jugend, meine Neffen und Nichten heute und niemand in unserer Familie ist fett oder hat Diabetes.

Kinder dürfen keine Cola trinken, sollen nicht am Kaffe nippen, sollen kein Fernsehen schauen, keine Pizza und Pommes essen.

Und wenn sie etwas angestellt haben, wird ihnen mit dem Gang ins Bett gedroht. Das Schlafengehen wird als Strafmittel eingesetzt. Das ist verkehrt. Zu Bett gehen und schlafen und sich erholen ist etwas positives und schönes und darf nicht als Zuchtmittel eingesetzt werden.
Sonst verbinden Kinder mit dem Schlafengehen etwas Negatives.

Hätte ich Kinder, ich wäre ein coolerer Vater, der nicht hysterisch wäre. Würde meine Kinder auch nicht mit dem Auto von A nach B fahren oder wie ein Geier ständig drüberkreisen.

Allerdings würde ich ihnen auch den Arsch hauen.

Vielleicht würde ich mich auch anders verhalten, hätte ich Kinder. Mir geht nur das Geschiss von den jungen Eltern in meinem Freundeskreis auf den Sack .

Meine Freundin sagt, ich würde mich auch nicht ändern, wenn ich Kinder hätte. Ich würde denen sicher noch beibringen, wie man Mist baut.

Na ja, hab mich bisher nicht vermehrt. Heiraten (jetzt bin ich 41) hab ich auch keine Lust.

Ich hab eigentlich immer noch den Level von Teenagern (sagt auch meine Freundin).

Ja, tatsächlich sehne ich mich manchmal nach meiner Jugend zurück, als ich noch auf dem Boden in meinem Kinderzimmer lag, Biene Maja in der Glotze lief und ich dabei mit Sikus Autos spielte und meine Mutter nebenan bügelte.

(Und Samstags wurde ich immer gebadet). Ach, die Kindheit war rückblickend betrachtet, heimelig.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×