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31.12.2011

12:34 Uhr

Dutschke spricht

Streitet euch!

VonMarek Dutschke

Die Beschäftigung mit der Vergangenheit ist nicht jedermanns Sache. Doch Geschichtsdebatten sind wichtig für eine Demokratie und es ist wichtig, dass wir darüber streiten.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Bevor das neue Jahr beginnt, ist es angebracht, einen Blick zurück in die Vergangenheit zu werfen. Denn obwohl für viele Geschichte als brotlose Kunst gilt, ist sie für unsere Verortung in der Gegenwart von immenser Bedeutung. Die Sowjetunion ist unter anderem auch durch eine Geschichtsdebatte zugrunde gegangen. Als durch Glasnost die stalinistischen Verbrechen offenkundig wurden, verlor die Kommunistische Partei rasch an Zuspruch und wurde zunehmend zur Getriebenen.

Geschichtsdebatten müssen nicht zwingend an bestimmten Jahrestagen stattfinden. Sie können sich auf die ungewöhnlichste Art und Weise manifestieren, so wie jüngst im brandenburgischen Hohen Neuendorf. Dort haben Stadtverordnete der CDU und FDP beschlossen, den Ernst-Thälmann-Platz nahe dem zentralen S-Bahnhof umzubenennen. Dieser Beschluss löste in der Lokalpresse, die ich während der Weihnachtszeit lesen konnte, einen Sturm der Entrüstung aus. In vielen Leserbriefen wandten sich empörte Bürger gegen die Umbenennung.

Viele der Entrüsteten befürchteten, dass dann bald auch Rosa Luxemburg, Clara Zetkin, Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Ernst Toller und Emile Zola aus dem Straßenbild Hohen Neuendorfs verschwinden würden. Diese Zusammenreihung ist an sich schon erstaunlich.

Noch erstaunlicher ist dann die Antwort des FDP-Stadtverordneten Christian Erhardt-Maciejewski, der auch Pressesprecher der brandenburgischen FDP ist. Er schrieb, er sei gern „weiter aktiv, um diese faschistoiden, menschenverachtenden Personen nicht weiter in unserem Stadtbild namentlich erwähnen zu müssen.“ Welche Personen hat er damit nur gemeint? Am nächsten Tag konnte ich lesen, dass seine Äußerung missverstanden wurde. Aber bei Rosa Luxemburg war er sich sicher, dass sie „einiges an Morden zu verantworten“ hätte. Auf die Frage des Reporters, um was es konkret ginge, sagte er „da müsste ich noch mal genau nachsehen.“ Bei solch einem Pressesprecher wundert es nicht, dass die FDP bei drei Prozent in den Umfragen in Brandenburg stehen.

Kommentare (1)

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Adolf

03.01.2012, 05:36 Uhr

Der Autor schreibt:
"Bei solch einem Pressesprecher wundert es nicht, dass die FDP bei drei Prozent in den Umfragen in Brandenburg stehen."
Mir wundert dass die FDP nicht bei 50% steht bei solchem Pressesprecher. 50% der Brandenburger haben, wie der Pressesprecher der FDP, ein Brett vor dem Kopf.
Warum dann nur 3% von den 50% FDP wählt ist mir ein Rätsel!

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