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02.06.2012

09:48 Uhr

Dutschke spricht

Wieder dreht sich das Karussell

VonMarek Dutschke

Thilo Sarrazin geistert wieder durch die Medienlandschaft, und alle möglichen Kommentatoren tun Meinungsbeiträge zu seinem neuen Buch kund. Sarrazin ist auf allen Kanälen präsent. Das stört mich enorm.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Rudi-Marek Dutschke – Dutschke spricht. Marek Dutschke, geboren 1980, ist der Sohn von Rudi Dutschke.

Vor einigen Jahren habe ich Sarrazin ganz kurz persönlich kennengelernt. Damals war er noch Finanzsenator in Berlin. Auf einem heißen Sommerfest der SPD in Brandenburg stand Sarrazin einsam an einem Stehtisch und aß eine Bratwurst. Alle anderen Tische im Umkreis waren dicht gedrängt mit vielen fröhlichen Menschen. Ich stellte mich mit meiner eigenen Bratwurst zu ihm und versuchte, ein bisschen Smalltalk mit dem Senator zu machen. Das gestaltete sich allerdings schwierig.

Sein Charme ist doch eher spröder Natur, seine Ausstrahlung kühl. Beim Sprechen kommt es einen so vor, als würde er bellen. Wir redeten wahrscheinlich kurz über das Wetter („gut“) oder über die Bratwurst („lecker“), ich weiß es nicht mehr so genau. Ich ging dann bald weg. Sarrazin habe ich nie wieder getroffen.

Aber gebellt hat er über die vergangenen Jahre viel: Über die Ernährung von Hartz IV Empfängern, über die mangelnde Integration von Migranten oder, wie zuletzt, über die Nutzlosigkeit des Euro. Die Rolle des Teufelsanwalts ist ihm wie auf den Leib geschnitten. Deswegen hat er ja auch eine erstaunlich große Fangemeinde. Viele Leute denken ja, dass da endlich jemand sei, der unangenehme Wahrheiten ausspricht und sich nicht darum schert, dafür angefeindet zu werden.

Kommentare (28)

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azaziel

02.06.2012, 10:59 Uhr

Es gibt Menschen, die setzen sich intensiv mit fundamentalen Fragen der Gesellschaft auseinander. Sarrazin ist einer davon. Seine Beitraege sind ohne Zweifel provokant aber von grosser Sachkenntnis gepraegt. Man muss ihm ja nicht zustimmen, aber es bringt uns alle weiter, wenn wir uns mit seinen messerscharfen Argumenten beschaeftigen. Und es ist offensichtlich, dass viele Menschen Sarrazin begierig zuhoeren.

Es gibt auch Menschen, die haben eigentlich nichts zu sagen. Sie geben dem Drang zur Kommunikation nach, indem sie den Smalltalk pflegen oder belanglose Artikel schreiben.

Herr Dutschke, es ist mir voellig wurscht, ob sie Sarrazin lesen oder nicht. Aber was sie uns Handelsblattlesern in ihrem wirren Artikel sagen wollen, verstehe ich einfach nicht. Bitten sie die Medien etwa, Sarrazin nicht mehr zu publizieren? Sollen die Leute sich lieber mit Ihren hochgeistigen Einlassungen beschaeftigen?

Ethan

02.06.2012, 12:54 Uhr

Die Diskussion um den Euro ist in der Tat viel zu wichtig, um nach Laune und Sympathie irgendwelcher Kommentatoren zu entscheiden,wessen Thesen und Buch man dazu diskutieren darf.

Wenn Ihnen Sarrazin und Überlegungen zum Euro zu anstrengend sind, überlassen Sie diese Themen doch einfach Menschen, die sich damit auseinandersetzen möchten und dazu etwas zu sagen haben und bleiben selber einfach beim belanglosen Smalltalk.

Account gelöscht!

02.06.2012, 13:21 Uhr

Klasse Herr Dutschke! Sie mögen Sarrazin nicht, weil er so kühl ist, Sie mögen seine Provokationen nicht, Sie wollen nicht, dass irgendjemand seine Bücher kauft und liest usw.
Außer Ihren Gefühlen haben Sie aber rein gar nichts zum Inhalt von Sarrazins Bücher geliefert. Und gelesen haben Sie Sarrazins Bücher natürlich auch nicht. Intellektuell ist Ihre Kritik an Sarrazin also ziemlich dürftig.
Ich jedenfalls werde auch das neue Sarrazin-Buch kaufen und lesen - damit es noch länger auf der Bestsellerliste bleibt und Sie sich noch mehr ärgern....
PS: Warum werden im Handelsblatt so merkwürdige, gefühlsduselige Artikel veröffentlicht?

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