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23.01.2008

19:54 Uhr

Ebay

Wachablösung

VonJeff Segal (breakingviews.com)

Es sieht so aus, als ob die Ebay-Chefin Meg Whitman in Kürze ihr Amt niederlegen wird. Der Zeitpunkt wäre günstig. Whitman hat aus dem Auktionshaus einen Internet-Giganten mit viel versprechenden Geschäftsbereichen gemacht. Aber es sind ihr auch einige Fehler unterlaufen. Der neue Boss wird die Gemüter einiger nervöser Aktionäre beruhigen müssen. Ein erster Schritt dazu könnte die Abspaltung von Skype und Paypal sein.

Die Chefin von Ebay, Meg Whitman, könnte bald ihr Amt niederlegen. Ein günstiger Zeitpunkt, ihren Entschluss bekannt zu geben, wäre die Vorlage der Unternehmensergebnisse am Mittwoch nach US-Börsenschluss. Schließlich werden es im März zehn Jahre sein, seitdem sie bei Ebay das Ruder übernommen hat. Und wie sie selbst einmal gesagt hat, sollte kein Chief Executive jemals länger als zehn Jahre den gleichen Job machen.

Ihr gebührt Anerkennung dafür, dass sie ein kleines Online-Auktionshaus mit weniger als 30 Mitarbeitern in einen Internet-Giganten mit einer Marktkapitalisierung über 37 Mrd. Dollar verwandelt hat. Aber in jüngster Zeit hatten die Aktionäre allen Grund, mit Ebay ungeduldig zu werden. Die Aktien des Unternehmens haben in den vergangenen zwei Jahren mehr als ein Drittel ihres Werts eingebüßt. Teilweise können diese Verluste auf die wohl schwächste Entscheidung von Whitman in ihrer Funktion als CEO zurückgeführt werden: Die Akquisition von Skype über 3,1 Mrd. Dollar Ende 2005.

Und doch übergibt Whitman dem nächsten Chef des Unternehmens - wahrscheinlich wird der Präsident des Auktionsbereichs John Donahoe ihre Nachfolge antreten - beträchtliche Vermögenswerte, mit denen es sich arbeiten lässt. Dass er als "neuer Besen" angesehen werden wird, wird für ihn von Vorteil sein. Er könnte auch schon frühzeitig einen guten Eindruck machen, wenn er für zwei der großen, nicht zum Auktionsgeschäft gehörenden Bereiche von Ebay - Skype und Paypal - besser geeignete Besitzer findet. Denn das Unternehmen ist im Vergleich zur Summe seiner Teile unterbewertet. Ein neuer Chef könnte den für Konglomerate typischen Abschlag abbauen, indem er den vollständigen Wert dieser nicht zum Kernbereich gehörenden Vermögenswerte einstreicht.

Skype zu verkaufen, ist ein offensichtlicher und notwendiger Schritt. Ebay musste den Wert des Unternehmens bereits um 1,4 Mrd. Dollar abschreiben. Und die Firma für Internet-Telefonie sollte anderen Internetfirmen viel mehr wert sein. In Frage kämen dabei sinnvoller Weise die beiden Anbieter von sozialen Online-Netzwerken, Facebook und MySpace. Die Millionen von Nutzern dieser Dienste könnten zu Skype -Kunden gemacht werden, und der Service von Skype wiederum scheint als zusätzliches Werkzeug zum Pflegen von Netzwerken gut zu passen.

Weniger deutlich auf der Hand liegt die Option, Paypal abzuspalten. Aber ihr höchst rentables Geschäft zur sicheren Abwicklung von Internet-Zahlungen, das 2008 ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 600 Mill. Dollar erreichen könnte, könnte außerhalb von Ebay möglicherweise auch mehr wert sein. Andere Online-Versandhandelsriesen wie Amazon und Google, die Paypal derzeit nicht nutzen, könnten sich auf den Service stürzen, wenn er nicht mehr im Besitz eines Unternehmens ist, das von ihnen als Konkurrent empfunden wird. Die Aktionäre von Ebay würden sicher jubeln, wenn ein Verkauf zumindest einen kleinen Teil dieses potenziellen Werts einbringen würde.

Der Nachfolger von Meg Whitman sollte ihr dafür danken, dass sie ihm ein Unternehmen mit vielen attraktiven Vermögenswerten und einem starken Kerngeschäft übergibt. Was das Unternehmen braucht, ist, neben einem neuen Gesicht, wohl auch der Mut zu kühnen Entscheidungen. Mit einer Abspaltung von Skype oder Paypal oder beiden würde diese Rechnung aufgehen.

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