Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2009

17:05 Uhr

Emerging Markets

Schwellenländer stehen vor schmerzhafter Spaltung

VonMartin Hutchinson, breakingviews.com

Schwellenländer, die wie China, Malaysia und Brasilien über Kapital verfügen, haben gute Voraussetzungen zu investieren und zu wachsen, während die Industrieländer mit der Rezession kämpfen. Den Habenichtsen in den Emerging Markets stehen dagegen unerfreuliche Anpassungen bevor. Der IWF kann nicht viel mehr tun, als die Schmerzen zu lindern.

Das kommende Jahr wird für Entwicklungs- und Schwellenländer nicht einfach werden. Rückläufige Rohstoffpreise und der Einbruch der westlichen Volkswirtschaften wird zu deutlichen Wachstumseinbußen führen. Mit der Rezession in den Vereinigten Staaten, Westeuropa und Japan - die aller Voraussicht nach auch nicht so schnell zu überwinden sein wird - wird vom vielleicht noch irgendwo auf der Welt auftauchenden Wachstum nicht viel auf die Emerging Markets entfallen.

Florierende Binnenkonjunktur, hohe Sparquoten und ein relativ sauberes Bankensystem könnten in einigen Ländern noch positive Wachstumsraten zulassen. China, Taiwan, Südkorea, Malaysia und Brasilien zum Beispiel sind kaum von ausländischem Kapital abhängig und verfügen über umfangreiche Währungsreserven - Malaysias Sparquote liegt bei 37 Prozent.

Diese Länder haben noch Möglichkeiten, ihre Wirtschaft zu stimulieren und günstige Gelegenheiten im Ausland wahrzunehmen. Das anhaltende Wachstum in China und Indien, wenn auch bei geringeren Wachstumsraten, wird dafür sorgen, dass die Rohstoffpreise nicht vollständig kollabieren und so die Exporteure von Primärgütern unterstützen.

Für Länder, die auf Kredite angewiesen sind, wird das Leben allerdings schwieriger. Der Spread auf Emerging Market Bonds hat sich, gemessen am J.P.Morgan-EMBI-Global-Index seit Januar 2008 verdreifacht. Länder, deren Kreditratings auf Junkbondniveau liegen, erhalten so gut wie zu keinem Preis mehr irgendwo Kredit. Hinzu kommt, dass die Börsen der Emerging Markets sogar noch größere Verluste hinnehmen mussten als die Börsen der reichen Länder, die Nachfrage aus dem Ausland nach neuen Aktien ist weitgehend versiegt.

Entwicklungs- und Schwellenländer mit großen Leistungsbilanzdefiziten sind besonders verwundbar, selbst wenn ihre Gesamtverschuldung im Ausland noch relativ moderat ist. Bis Juni konnten sich diese Länder noch über umfangreiche Kapitalzuflüsse aus dem Ausland freuen, sodass selbst im erfolgreichen Exportland Vietnam ein Handelsbilanzdefizit in Höhe von 30 Prozent des BIP entstehen konnte. Solche Lücken bringen Volkswirtschaften allerdings bedrohlich aus dem Gleichgewicht. Hier müssen dringend Wege gefunden werden, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.

In früheren Zeiten half der Internationale Währungsfonds (IWF) Transfomationsländern den schmerzhaften Anpassungsprozess zu überstehen. Auch jetzt bietet er wieder Hilfe an, Rettungsmaßnahmen sind bereits beschlossen oder werden erwartet für die Ukraine, Ungarn, Island und Pakistan. Aber die ukrainische Erfahrung - die Fonds waren schon innerhalb weniger Wochen nahezu ausgeschöpft - legt die Vermutung nahe, dass die Finanzklemme zu groß sein könnte, als dass sie mithilfe solcher Rettungsmaßnahmen überwunden werden könnte.

Die Lenker der Schuldnerländer werden 2009 alle Hände voll zu tun haben, ihre Probleme zu bekämpfen. Wenn ihnen ein paar freie Momente bleiben, sollten sie vielleicht einmal über die Erfolge nachdenken, die ihre vorsichtigeren Brüder jetzt ernten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×