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18.01.2010

14:38 Uhr

Energiebranche

Neuer Wirbel um International Power

VonPierre Briançon

GDF Suez zieht ein Gebot über elf Mrd. Pfund für International Power in Erwägung. Die Akquisition würde sich gut in die industrielle Strategie der französischen Energiegruppe einfügen. Doch das Unternehmen will keine reine Bar-Transaktion finanzieren und die französische Regierung, sein größter Aktionär, wehrt sich gegen den Einsatz von Aktien.

International Power stellt GDF Suez vor ein Finanzierungsrätsel. Die französische Energiegruppe hat ein Auge auf den britischen Konkurrenten geworfen. Die Akquisition würde sich gut in die industrielle Gesamtstrategie des Unternehmens einfügen. Doch GDF würde nur ungern ein reines Bar-Angebot präsentieren, das die Gruppe zu derzeitigen Marktkursen um mehr als 5,2 Mrd. Pfund zurückwerfen würde. Zudem wäre GDF gezwungen, die Verbindlichkeiten von International Power über 5,6 Mrd. Pfund zu absorbieren. Doch Aktien kann der Energieriese nicht begeben, denn die französische Regierung, die 35 Prozent an dem Unternehmen hält, wehrt sich gegen eine Verwässerung.

Dies erklärt größtenteils, warum sich die Gespräche zwischen den beiden Unternehmen seit Monaten hinziehen, wobei durch Indiskretionen derart viele Informationen durchsickerten, dass der Aktienkurs von International Power in drei Monaten um fast dreißig Prozent gestiegen ist.

Beide Gesellschaften konzentrieren sich auf so genannte unabhängige Energieerzeuger, die Endverbraucher aus der näheren Umgebung direkt beliefern, wobei es sich in der Regel um Industriebetriebe oder öffentliche Einrichtungen handelt. GDF ist in diesem Segment weltweit führend, während International Power im globalen Vergleich auf dem zweiten Platz rangiert. Eine Zusammenlegung der beiden Geschäfte dürfte Vorteile hinsichtlich einer umfassenderen Expertise, einer stärkeren Marketingpräsenz und - möglicherweise - einer größeren Durchsetzungskraft bei der Preisgestaltung einbringen.

Theoretisch könnte sich die französische Gruppe eine reine Bar-Offerte leisten. Ihre Nettoverbindlichkeiten über 28 Mrd. Euro belaufen sich auf das 1,8fache des für dieses Jahr erwarteten Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). Wenn GDF die britische Firma zu den derzeitigen Marktkursen, die bereits einen Aufschlag enthalten, kaufen würde, kämen die Verbindlichkeiten der zusammengelegten Gruppe dem rund 2,4fachen des Ebitda gleich.

Doch so weit will GDF nicht gehen. Das Unternehmen würde es stattdessen vorziehen, einige ihrer eigenen Vermögenswerte im Bereich Energieerzeugung in die International Power einzuspeisen - vermutlich im Austausch gegen einen Mehrheitsanteil statt der vollständigen Kontrolle. Allerdings dürfte International Power ihrerseits einem Deal ohne Barkomponente wahrscheinlich nicht zustimmen.

Es scheint sich abzuzeichnen, dass das Tauziehen in irgendeiner Mischung aus Vermögenswerten und Cash enden wird. Trotzdem wird GDF Suez es bedauern, den französischen Staat als beherrschenden Aktionär zu haben - ein bitteres Erbe aus der Fusion zwischen Suez und der staatlichen Gaz de France im Jahr 2007. Dies ist das erste Mal, dass das Unternehmen für dessen überzogene Forderungen zahlt. Aber es wird nicht das letzte Mal sein.

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