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25.01.2010

19:30 Uhr

Eurorutsch

Tanz auf Messers Schneide

VonIan Campbell (breakingviews.com)

Die Finanzsituation von Sorgenkind Griechenland hat die Gemeinschaftswährung Euro geschwächt. Zusätzlich belasten Befürchtungen, China und die USA könnten schon bald wieder zu einer restriktiveren Politik zurückkehren. Zwar ist ein etwas schwächerer Euro hilfreich für die Eurozone, aber der Kursrückgang birgt Potenzial für einen gefährlichen Absturz.

Der Euro, der ohne Frage 2009 der Star unter den führenden Währungen war, gibt nach. Sorgen um Griechenland und andere schwache Mitglieder der Eurozone tragen einen wesentlichen Teil zur Erklärung bei. Aber die Euroschwäche spiegelt auch die breite Erholung des Dollar. Ein geordneter Rückzug tut dem Euro gut, eine ungeplante Schlappe allerdings nicht.

Griechenland hat den Euro befleckt. Investoren gingen ein Jahrzehnt lang davon aus, dass Schuldtitel aus den Eurostaaten grundsätzlich solide waren. Jetzt aber werden die einzelnen Länderstatistiken wieder sorgfältig unter die Lupe genommen. Die griechischen Daten sind zweifellos trübe: Die Haushaltsschätzungen sind unzuverlässig und das Defizit ist entschieden zu hoch.

Staatliche Garantien und die Emission einer neuen Griechenlandanleihe tragen vielleicht dazu bei, die Befürchtungen zu dämpfen und den Euro kurzfristig zu stärken. Aber es wird noch Jahre und nicht nur Monate dauern, bis Griechenland und die anderen Volkswirtschaften der Euro-Peripherie beweisen können, dass sie wachsen und ihre jährliche Neuverschuldung im Griff behalten können. Bis dahin wird es immer wieder zu Stimmungsschwankungen am Markt kommen, die den Euro anfällig machen.

Der aktuelle Eurofall ist allerdings genauso dem Höhenflug des Dollar - der von sehr weit unten kommt - geschuldet. Nachdem die globalen Märkte im vergangenen März gerettet wurden, verfielen sie schnell in einen spekulativen Kaufrausch. Spekulanten verschuldeten sich zu minimalen Kosten im Dollar, um mit den Erlösen höherverzinsliche Währungen und Vermögenswerte zu kaufen. Die Folge: der Dollar fiel unaufhaltsam von 1,25 Dollar pro Euro auf schließlich mehr als 1,50 Dollar im November.

Jetzt fürchten die Anleger, dass die geldpolitischen Zügel in den USA schneller angezogen werden als ursprünglich erwartet. Ein Indiz dafür ist der rasche Anstieg des US-BIP, das im vierten Quartal 2009 wohl mit einer annualisierten Rate von 5 Prozent zulegen konnte. In der Eurozone dürften die vergleichsweise lauen Wachstumsraten dagegen dafür sorgen, dass die nächsten Restriktionen noch eine Weile auf sich warten lassen werden. Jetzt den Dollar gegenüber dem Euro zu shorten, ist gefährlich.

Die Politiker der Eurozone werden die Entwicklung nicht gerade bedauern. Bei 1,50 Dollar pro Euro lastete die Gemeinschaftswährung schwer auf den Export- und Wachstumsperspektiven der Region. Weitere Kursrückgänge sind durchaus erwünscht, damit der deutsche Exportmotor an Fahrt gewinnnen kann.

Aber das Hauptproblem Griechenlands, Spaniens, Irlands und Italiens ist ihr Wettbewerbsnachteil gegenüber Frankreich und Deutschland. Die offene Frage lautet, ob sie überleben können. Setzt sich an den Märkten die Meinung durch, dass nicht, gibt es nur eine Richtung für den Euro - und zwar rapide.

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