Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.02.2008

14:51 Uhr

Exxon

Der Ölräuber

VonCyrus Sanati (breakingviews.com)

Der texanische Titan hat im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn über 40,6 Mrd. Dollar eingefahren. Anders als die Konkurrenten hat Exxon Liquidität angehäuft. Auch wenn die Erdölgesellschaft als Schnäppchenjägerin verschrien ist, könnten die Barreserven über 34 Mrd. Dollar sich als nützlich erweisen, wenn fallende Energiepreise Akquisitionsmöglichkeiten eröffnen.

ExxonMobil ist zu allem bereit. Wie der Rest seiner Mitstreiter im Feld der führenden Erdölgesellschaften hat auch der Titan aus Texas die Ergebniserwartungen übertroffen und im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn über 40,6 Mrd. Dollar erwirtschaftet. Aber anders als seine Konkurrenten hat Exxon Liquidität angehäuft. Auch wenn der Erdölkonzern als Schnäppchenjäger verschrien ist, könnten die Barreserven über 34 Mrd. Dollar sich als nützlich erweisen, wenn fallende Energiepreise Akquisitionsmöglichkeiten eröffnen.

Als knauserigste und finanziell effizient arbeitende Energiegesellschaft konnte Exxon den jüngst auf 100 Dollar je Barrel gestiegenen Rohölpreis nutzen und ganze Stöße an Bargeld ablegen. Aber das Unternehmen hortet dieses Geld nicht etwa in ihrem Tresor in Dallas. In den vergangenen fünf Jahren hat das Unternehmen den atemberaubenden Betrag von 123 Mrd. Dollar an die Aktionäre zurückgegeben.

Exxon-Boss Rex Tillerson hat zudem stetig die Investitionsausgaben des Unternehmens erhöht und allein im vergangenen Jahr 21 Mrd. Dollar in neue Projekte gesteckt. Selbst nach der Zahlung höherer Produktionskosten und Steuern verfügt das Unternehmen immer noch über eine wachsende Barreserve und negative Nettoverbindlichkeiten. BP dagegen weist nur eine Liquidität über 2,5 Mrd. Dollar und Nettoverbindlichkeiten über 20 Prozent auf.

Damit ist Exxon nun in der günstigen Ausgangslage, nicht nur einen Rückgang des Rohölpreises verkraften, sondern möglicherweise sogar davon profitieren zu können. Die Firma ist bestens gerüstet, um kleinere Erdölgesellschaften aufzusammeln, die in Schwierigkeiten geraten könnten, wenn die Rohstoffpreise fallen. Zum Beispiel würde der freie Cash Flow der unabhängigen US-Firma Apache in negatives Territorium rutschen, wenn der Ölpreis auf 70 Dollar sinken würde, berichtet das Research-Team von Oppenheimer. Der Erdgasproduzent EOG könnte in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn dieser Brennstoff auf sieben Dollar fallen würde. Und die Erdölproduzenten vom Golf von Mexiko, wie Devon Energy, könnten das Interesse von Tillerson wecken, weil sie Exxon eine größere Präsenz näher am Heimatmarkt ermöglichen könnten.

Da 94 Prozent der weltweiten Ölreserven für private Erdölgesellschaften unerreichbar sind, muss Exxon Akquisitionen tätigen, wenn es seine Reserven ersetzen will. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben keine wichtigen Zukäufe vornehmen, so lange die Energiepreise immer noch fast auf Rekordhöhe liegen. Aber wenn die Rohölpreise inmitten rückläufiger Nachfrage und steigender Förderung fallen, dann könnte dies das Jahr sein, in dem Exxon den Staub von seiner Geldbörse wischt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×