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08.01.2010

09:00 Uhr

Faktor Mensch

Mehr, mehr oder weniger, weniger: Vergessen Sie Ihre Vorsätze!

VonTanja Kewes

So, wie wir sind – etwas zu gut genährt, nikotingelb, engagiert, zu konsumfreudig oder lebenslustig –, so kennen, so mögen, so belächeln uns die anderen.

Das Neue Jahr ist noch keine Woche alt – und die guten Vorsätze sind schon wieder vergessen. Das Buch mit dem Zitat von Mahatma Ghandi „Du musst selbst die Veränderung sein, die du in der Welt sehen willst“, das wir zwischen den Jahren lasen und darüber sinnierten, ist wieder zugeschlagen und in den Schrank geräumt. Und was hatten wir uns wieder alles vorgenommen: mehr Zeit für uns selbst und die Familie, mehr Sport, mehr Sparen, weniger Stress, weniger Rauchen, weniger Trinken. Doch der Geschäftsalltag hat uns schon wieder.

Haben Sie Ihr Outlook auch gleich in dieser ersten Woche wieder so voller Termine knallen lassen, obwohl Sie sich mehr Zeit für strategische Überlegungen sichern wollten? Haben Sie die Prämie, die dann doch noch ganz überraschend zwischen den Jahren bewilligt wurde, direkt in eine neue Uhr umgesetzt, obwohl Sie sparen wollten? Haben Sie sich in der Kantine gleich am Dienstag wieder das deftige Gulasch mit Knödeln gegönnt, obwohl sie sich eine Diät verordnet hatten? Haben Sie sich auf dem Neujahrsempfang vom Branchenverband erst mal wieder einen einschütten lassen, obwohl sie bis Karneval nichts mehr trinken wollten? Oder haben Sie sich im Fitnessstudio, wo Sie sich zwischen den Jahren angemeldet und gleich ein Probetraining mit neuer, (noch) zu enger Laufhose absolviert hatten, seitdem noch nicht einmal wieder blicken lassen? Und/Oder haben Sie Ihr Techtelmechtel in der Firma dann doch fortgesetzt, obwohl Sie sich in der Kirche am Heiligen Abend ein „Schluss, aus und vorbei!“ geschworen hatten?

Nehmen Sie es gelassen! So, wie wir sind – etwas zu gut genährt, nikotingelb, engagiert, zu konsumfreudig oder lebenslustig –, so kennen, so mögen, so belächeln uns die anderen.

Oder wünschen Sie sich, dass Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi wie ein Mönch lebt, Josef Ackermann kein Victory-Zeichen mehr macht, Ex-Außenminister Joschka Fischer mal wieder zum Marathon-Mann wird, die BMW-Erbin Susanne Klatten nicht noch einmal ihre Affäre öffentlich macht, Linde-Chef Wolfgang Reitzle sein Monbijou-Bärtchen abrasiert, Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt nicht mehr raucht, Superstar-Fahnder Dieter Bohlen ein höflicher Feingeist wird, Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki auch mal andere zu Wort kommen lässt, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy keine Schuhe mehr mit Absätzen trägt oder Lothar Matthäus nicht noch einmal die Liebe findet? Würden alle ihre guten Vorsätze beherzigen, wäre das Leben doch langweilig.

Ich selbst habe mir übrigens nichts vorgenommen. Denn erstens kommt alles anders, zweitens als man denkt, und drittens leben Optimisten länger. Beim Handelsblatt-Dax-Tipp habe ich von allen Kollegen am höchsten gegriffen. Wie hoch? Das verrate ich nicht. Ich möchte Sie ja nicht beeinflussen – jedenfalls nicht bei den nichtmenschlichen Dingen des Lebens wie der Geldanlage.

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