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07.01.2011

06:29 Uhr

Tanja Kewes leitet das Ressort Namen und Karriere. Quelle: Pablo Castagnola

Tanja Kewes leitet das Ressort Namen und Karriere.

Das britische Königshaus und das monegassische Fürstentum wagen dieses Jahr den Neuanfang. Mit der 28-jährigen Kate Middleton und der 32-jährigen Charlene Wittstock holen sich beide Institutionen eine künftige Kronprinzessin und eine neue Gracia Patricia auf die Balkone. Als Vorbilder taugen die letzten Royals zwar sicher nicht, aber als Augenaufreißer.

Dass ein Neuanfang immer möglich ist und gutes Personal – richtig eingesetzt – entscheidend ist, wissen wir zwar schon von alters her, für die deutsche Wirtschaft gilt das anno 2011 aber mehr denn je. Denn es gibt mindestens zwei Spannungsfelder, die das neue Jahr zu einem menschenbewegenden machen werden.

Da ist erstens die Basis mit der Arbeitslosigkeit auf der einen und dem Fachkräftemangel auf der anderen Seite. Eine verflixte Situation, vergleichbar mit einem Schrauben- oder Knopfkasten, der randvoll ist, nur nicht die oder den richtigen enthält. Hinzu kommt: Die Arbeitslosigkeit lag zwar 2010 mit durchschnittlich 3,2 Millionen auf historisch niedrigem Niveau, es stecken jedoch noch Hunderttausende in mehr oder weniger aussichtslosen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Und der Fachkräftemangel wird von der Wirtschaft immer wieder beklagt (Wanted Ingenieure! IT-Experten! Krankenschwestern!), aber nicht wirklich angepackt. Gesucht und eingestellt wird weiter der perfekte Mitarbeiter: jung, von selbst hochqualifiziert und spezialisiert, männlich, deutsch.

Und dann zweitens die Spannung in und um die Spitze, die Debatte über gute Unternehmensführung. Die neuen Vorgaben der Corporate-Governance-Kommission an die Unternehmen, in ihren Gremien für mehr Kompetenz, Transparenz und Vielfalt zu sorgen, sind angesichts der Finanzkrise und des schwindenden Vertrauens richtig und wichtig. Im Bericht selbst heißt es: „Alle Beteiligten müssen stärker denn je wirtschaftsethische Aspekte berücksichtigen.“ Die Politik ist voll des Lobes für die Arbeit der Kommission, in der Wirtschaft brodelt es jedoch schon wieder. Der Ruf nach einem „Weiter so wie bisher“ wird lauter und lauter.

Die Neuaufstellung der deutschen Wirtschaft muss in einer Stimmungslage gelingen, die wackelig bis trüb ist. Einerseits sind die meisten Arbeitnehmer froh, dass es wieder aufwärtsgeht, die letzte Krise anscheinend überwunden ist. Von Aufbruchstimmung kann aber dennoch vielerorts keine Rede sein. Die Angst vorm Arbeitsplatzverlust steckt noch in den Gliedern, die allgemeine Verunsicherung ist noch da, die Strategie unklar, und das Vertrauen in die alte oder neue Führung fehlt.

Und auf Arbeitgeberseite sieht es ähnlich aus. Trauen wir dem Aufschwung schon? Beenden wir die Kurzarbeit jetzt schon? Stellen wir (sogar schon) wieder ein? Was bieten wir unseren Mitarbeitern? Bares oder Wahres? Brauchen wir wirklich mehr Vielfalt?

Politiker, Personaler und wir selbst sind gefragt. Ver- vor Misstrauen; hart in der Sache, weich im Ton; Loyalität nicht bis zum Letzten; lieber mittel- bis lang- als kurzfristig denken und handeln. Nicht gefragt sind die Populisten, die mit Statistiken und Genetik aufklären wollen (Thilo Sarrazin) und „Die Freiheit“ (René Stadtkewitz) versprechen, oder der Boulevard. Sich an den garantiert mehrstündigen und kanalgleichgeschalteten Märchenhochzeiten von Kate und William und in Monaco zu ergötzen und an Traumfabriken zu glauben ist – wenn auch GEZ-gebührenfinanziert und damit im öffentlich-rechtlichen Interesse.

Kommentare (2)

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Dr. Martin Bartonitz

07.01.2011, 10:43 Uhr

So lange wir die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust haben, oder besser vor dem Abrutschen ins Elend, so lange wird es überall in der Gesellschaft und in den Firmen nicht rund laufen können.
Wenn keiner mehr Angst haben müsste, morgen auf der Straße zu stehen, weil einer der teuer bezahlten Firmenlenker die falsche Entscheidung fallen könnte, dann machen uns temporäre Krisen nicht zu schaffen. Weil wir dann alle gemeinsam und gleichsam dort durchgehen.
Ja, Vertrauen in unsere Gemeinschaft braucht es (wieder?). Nur wie?

Adam W.

07.01.2011, 12:01 Uhr

Die Zeiten wo mann engagierte, mutige Menschen wie Herr Sarrazin oder Rene Stadtkewitz von "Die Freiheit" mit einer "Populismus-Keule" erschlagen konnte gehören der Vergangenheit an, sehr geehrte Frau Kewes, diese Erkenntnis ist aber anscheinend noch nicht in die verstaubten Redaktions Stuben von "Handelsblatt" durchgedrungen. Die Menschen wollen endlich über die Tabuthemen reden und Lösungen sehen, und derzeitig bietet nur "Die Freiheit" Lösungen an, die etablierten Parteien warten und hoffen, dass sich die gravierenden Probleme von alleine lösen.

ich kann nur hoffen, dass das Jahr 2011 das Jahr der Freiheit wird.

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