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28.01.2010

08:06 Uhr

Fed

Kein Platz für Bagehot in Washington

VonMartin Hutchinson

Die US-Zentralbank entzieht den Märkten Liquidität und hält dabei die Zinsen niedrig. Die Fed verfolgt damit genau den entgegengesetzten Weg, den der britische Ökonom Bagehot in der Krise empfohlen hatte, nämlich großzügig Kredite zu vergeben, dies aber zu hohen Zinsen. Die Taktik der Fed ist zwar besser, als die Märkte weiterhin mit Geld zu fluten. Aber sie könnte die Kreditvergabe an wichtige Sektoren wie etwa Kleinunternehmen einschränken.

Die US-Notenbank Federal Reserve entzieht den Märkten Liquidität und hält dabei die Zinsen niedrig. Die Fed verfolgt damit genau den entgegengesetzten Weg, den der britische Ökonom Walter Bagehot bekanntermaßen in der Krise empfohlen hatte: Großzügig Kredite zu vergeben, dies aber zu hohen Zinsen. Die Taktik der US-Zentralbank ist besser, als die Märkte weiterhin mit Geld zu fluten. Aber sie läuft Gefahr, die Kreditvergabe an wichtige Sektoren wie etwa Kleinunternehmen einzuschränken.

Der Offenmarktausschuss der Fed kündigte am 27. Januar an, mehrere Fazilitäten der Fed für die Bereitstellung von Liquidität zurückzunehmen und ihre Programme zum Kauf von hypothekenbesicherten Wertpapieren und Schuldtiteln regierungsnaher Institute abzuwickeln. Gleichzeitig blieben Signale aus, das für die Höhe der Leitzinsen verantwortliche Gremium werde seine Meinung ändern, dass die Zinsen für geraume Zeit bei nahezu Null verharren sollten.

Während die Krise im Jahr 2008 um sich griff, verabreichte die Fed dem Markt Liquidität in hohen Dosen und führte die Zinsen zurück, wodurch die Notenbank die spekulative Nachfrage nach Krediten anschob. Dieses Vorgehen trug zwar dazu bei, den US-Immobilienmarkt zu stabilisieren, verhalf letztendlich aber auch den Händlern der Wall Street zu unverdienten Gewinnsprüngen. Die Praxis barg zudem die Gefahr, die Inflation anzuheizen, wenn der lockere Kurs zu lange beibehalten werden würde.

Die Fed schlägt jetzt eine härtere geldpolitische Gangart an, indem sie Liquidität abzieht. Das Wachstum der Geldmenge im Aggregat M2, das in den vergangenen sechs Monaten ohnehin langsam verlaufen war, hatte sich in den beiden Monaten per 11. Januar ins Negative verkehrt. Die monetäre Basis, die sich im Oktober 2008 enorm ausgeweitet hatte und in den vergangenen sechs Monaten immer noch ein Plus um 40 Prozent aufwies, befindet sich nun ebenfalls auf dem Rückzug. Mittelfristig wird sich so der Inflationsdruck verringern.

Bagehot war im 19. Jahrhundert davon ausgegangen, dass es dazu beiträgt, das Marktgleichgewicht wiederherzustellen, wenn in einer monetären Krise großzügig Kredite, diese allerdings zu hohen Zinsen vergeben würden. Die großzügige Vergabe würde das Liquiditätsangebot erhöhen, während die hohen Sätze die Kreditnachfrage dämpfen würden, wodurch der Markt neu austariert werden würde. Man könnte demnach argumentieren, dass die Fed dadurch, dass sie die Zinsen auf einem niedrigen Niveau belassen hat, die Nachfrage nach Krediten nicht stark vermindert hat. Wenn sie jetzt also Liquidität abzieht, könnte der Markt wieder aus den Fugen geraten.

Da die Nachfrage nach Krediten das Angebot übersteigt, wären zwar die US-Regierung und die Händler der Wall Street immer noch in der Lage, Mittel aufzunehmen. Doch Grenzkreditnehmer, darunter auch der wirtschaftlich wichtige Sektor der Kleinunternehmen, könnten auf Schwierigkeiten treffen, an Kredite heranzukommen. Das ist kaum ein optimales Ergebnis. Vielleicht sollten Fed-Chef Bernanke und seine Kollegen ihre Bagehot-Ausgaben entstauben und noch einmal genau nachlesen.

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