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20.01.2009

14:17 Uhr

Fiat/Chrysler

Chrysler sollte dankbar sein

VonJohn Foley, Rachel Sanderson

Fiat ist eine Methode zur Wiederbelebung von Chrysler eingefallen. Der italienische Autobauer wird 35 Prozent am klammen US-Rivalen übernehmen. Die Währung: nicht Bargeld oder Aktien, sondern technisches Know-how.

Fiat ist eine Methode zur Wiederbelebung von Chrysler eingefallen. Der italienische Autobauer wird 35 Prozent am klammen US-Rivalen übernehmen. Die Währung: nicht Bargeld oder Aktien, sondern technisches Know-how.

Damit erfüllt sich für die Agnelli-Familie, den größten Fiat-Anteilseigner, der Traum von der Einführung der Fiat-Kleinwagen in den US-Markt. Chrysler dagegen kann zumindest Teile seines Apparats am Leben halten.

Chrysler sollte für jede Hilfe dankbar sein. Seine Chancen, alleine zu überleben, tendieren gegen Null. Das Unternehmen leidet unter immensen Schulden, einer ungesunden Fixierung auf den stockenden Inlandsmarkt und dem Fehlen von Kleinwagen im Sortiment. Der Absatz von Neuwagen fiel im letzten Jahr um 30 Prozent. Chrysler machte allein in der zweiten Jahreshälfte 6,5 Mrd. Dollar Verluste; da ist der vier-Milliarden-Kredit der US-Regierung reine Makulatur.

Fiat will sich die Chrysler-Werke und-Händler greifen, sie modernisieren und anschließend gemeinsam neue Modelle entwickeln. Damit erhält man zur Freude der US-Regierung Fabriken und Arbeitsplätze, die finale Rettung ist dennoch unsicher. Schließlich interessieren sich die Kunden zwar für Abgaswerte, derzeit brennt jedoch die Frage unter den Nägeln, ob man sich überhaupt ein neues Auto leisten kann.

Die Fusion ist auch kein Patentrezept für Fiat. Schließlich strebt Boss Sergio Marchionne eine Jahresproduktion von sechs Millionen Autos an; Chrysler stockt die zwei Millionen Fiats gerade einmal um 1,5 Millionen Exemplare auf. Das ist allenfalls ein guter Start, könnte dem Duo jedoch Vorteile bei der Verhandlung über zukünftig anstehende Joint Ventures sichern.

Kommen wir zur Privat Equity Firma Cerberus, der 80 Prozent an Chrysler gehören. Einmal angenommen, Fiats Anteil am Gemeinschaftsunternehmen erginge in Aktien. Dann fiele der Cerberus-Anteil auf nur 50 Prozent und schließlich auf ein Drittel, falls Fiat seine Optionen nützt. Damit sieht es für die Gewinne von Cerberus düster aus. Falls Chrysler dennoch Totalschaden erleidet, ist Cerberus zumindest nicht alleine hinterm Steuer eingeklemmt.

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