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01.12.2011

18:17 Uhr

Florian Kolf - Was vom Tage bleibt

Die Macht der Marke und die Ohnmacht der Retter

VonFlorian Kolf

Glücklich sind heute nur die Fans von Abercrombie & Fitch. Ein schlechter Tag war es dagegen für Europas Politiker und deutsche Banken. Und DSK redete sich um Kopf und Kragen. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

bei diesen täglichen apokalyptischen Meldungen zur Euro-Krise ist es um so schöner, wenn einem wieder ehrliche Begeisterung begegnet.

Glückliche Teenager in Düsseldorf

Nur wenige Meter von der Redaktion entfernt, auf der Düsseldorfer Königsallee, hat heute der amerikanische Klamottenhändler Abercrombie & Fitch seinen ersten Laden in Deutschland eröffnet. Glückliche Teenager standen stundenlang Schlange, um die kultigen Textilien in dem abgedunkelten, schwarzlackierten Laden bestaunen und natürlich auch kaufen zu dürfen. Die Frage ist nur, wie lange diese Faszination anhält, denn ohne sie sind die hohen Preise bei Abercrombie kaum zu rechtfertigen. In den USA hat sich die Marke schon deutlich abgenutzt. Wenn das Unternehmen da nicht bald gegensteuert, könnte es ein böses Erwachen geben.

Teure Landesbank in Berlin

Ein böses Erwachen gab es heute auch für die Sparkassen. Wegen der Schuldenkrise müssen sie 850 Millionen Euro auf die Landesbank Berlin abschreiben. Und schon sind wir wieder bei der Euro-Krise. Wertverluste von griechischen Staatsanleihen haben die Bank ins Minus gedrückt. Und es kommt noch dicker: Für das von der Aufsicht geforderte höhere Eigenkapital werden die Sparkassen erneut tief in die Tasche greifen müssen. Das hatten sich viele anders vorgestellt, als die Sparkassen vor vier Jahren die angeschlagene Landesbank vom Land Berlin übernommen haben.

Der EZB-Präsident teilt aus

Na gut, dann reden wir eben wieder über die Krise. Nicht nur die Bevölkerung verliert langsam die Geduld mit den planlosen selbsternannten Euro-Rettern. Auch EZB-Chef Mario Draghi hat - kaum im Amt - offenbar bereits die Nase voll von den hilflosen Politikern, die sich mit immer neuen Vorschlägen überbieten, aber wenig Greifbares zustande bringen. Mit harten Worten hat er ihnen heute klargemacht, dass die Notenbanken nicht ewig für sie die Kartoffeln aus dem Feuer holen können. Draghi ist heute noch mal deutlich vor Augen geführt worden, dass auch die Macht der Zentralbanken angesichts der Verunsicherung unter den Banken begrenzt ist. Gestern hatten sie die Märkte mit Geld geflutet - und waren dafür zunächst gefeiert worden. Heute hat die Wirkung des Dopings schon nachgelassen und die Kritiker melden sich zu Wort.

Imageschaden für die Deutsche Bank

Kritische Worte musste sich heute auch die Deutsche Bank gefallen lassen. Zum zweiten Mal ist sie von einem Mittelständler erfolgreich auf Schadenersatz verklagt worden wegen schlechter Beratung bei sogenannten Zinsswaps. Die Strafe in Höhe von zwei Millionen Euro kann die Bank locker verschmerzen - auch wenn heute kein Deutsche-Bank-Chef mehr so unvorsichtig sein wird, in so einem Zusammenhang das Wort "Peanuts" zu verwenden. Richtig weh dagegen tut die Begründung der Richter. Sie sprechen von "Vertrauensmissbrauch" und "vorsätzlichem Handeln". So was nennt man Imageschaden.

DSK stellt sich ahnungslos

Um sein Image braucht sich Dominique Strauss-Kahn keine Sorgen mehr zu machen. Das ist bereits so ruiniert, dass es schlimmer nicht kommen kann. Trotzdem versucht er sich in einer heute erschienenen Biografie in Schadensbegrenzung - und macht damit alles nur noch schlimmer. Freimütig gab er etwa zu, an ausschweifenden Sex-Partys teilgenommen zu haben. Aber ihm sei nie in den Sinn gekommen, dass die Damen, die ihm dort zu Diensten waren, Prostituierte waren, behauptet er. Wahrscheinlich glaubt Herr Strauss-Kahn auch noch an den Weihnachtsmann. Da kann man wohl nur froh sein, dass ihm seine Sex-Affären den Weg ins französische Präsidentenamt verbaut haben.

Was fehlt? Der Weihnachtsmann. Der posiert jetzt im Scottsdale Gun Club in Arizona mit Familien - und mit großkalibrigen Schusswaffen. Bei der Aktion „Santa and Machine Guns“ können sich die Kinder schwer bewaffnet für zehn Dollar fotografieren lassen. So ein Schnappschuss ist ein wirklich unvergessliches Weihnachtsgeschenk für die Oma.

Ich wünsche Ihnen einen interessanten Abend und einen guten Start in die Adventszeit,

Florian Kolf

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