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23.12.2011

18:14 Uhr

Florian Kolf - Was vom Tage bleibt

Schöne Bescherung und vergiftete Geschenke

VonFlorian Kolf

Während Chinas Staatsfonds mit Milliarden in Europa auf Einkaufstour geht, schließen Europas Banken vor lauter Angst ihre Tresore zu. Und manche Präsente sollte man sich besser ganz sparen. Der Tagesrückblick.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Guten Abend,

Chinas Staatsfonds greift zu

Es verdichten sich die Anzeichen, dass der chinesische Staatsfonds CIC in Europa auf Einkaufstour ist. An Geld zumindest mangelt es den Chinesen nicht: Um bis zu 50 Milliarden Dollar sollen die Mittel des Fonds dafür aufgestockt werden. Eine schöne Bescherung könnte das auch für Daimler werden. Der Autokonzern, der schon seit längerem einen weiteren Großaktionär sucht, steht angeblich auch auf der Liste. Die Chinesen wissen offenbar sehr gut, wo sich Investitionen lohnen. Denn am Rettungsfonds für marode Euro-Staaten wollen sie sich nicht beteiligen.

Zweiklassen-Gesellschaft bei VW

Ein auf den ersten Blick hübsches Weihnachtsgeschenk hat sich auch VW für seine Mitarbeiter ausgedacht. Auf Anregung des Betriebsrates bekommen sie künftig nach Feierabend keine dienstlichen Mails mehr auf ihre Blackberry-Handys umgeleitet. Die neue Regelung gilt allerdings nur für Mitarbeiter mit Tarifvertrag, Führungskräfte sind ausgenommen. Dieses vergiftete Geschenk hätte sich VW wohl besser gespart. So senden sie die Botschaft aus: Wer nicht wichtig ist, wird abends abgeschaltet.

Misstrauen unter den Banken

Keine Geschenke machen sich Europas Banken untereinander. Sie trauen sich nicht über den Weg und leihen sich gegenseitig kein Geld mehr. Stattdessen bunkern sie das Geld bei der Europäischen Zentralbank, obwohl sie dort viel schlechtere Konditionen bekommen. Die eintägigen Einlagen stiegen heute von 265 auf 347 Milliarden Euro - den höchsten Stand seit Mitte Juni 2010. Das ist ein ganz übles Zeichen für das Ausmaß der Euro-Krise. Denn der Interbankenmarkt ist schon fast wieder so stark gestört wie zu Zeiten der Lehman-Pleite.

Weniger Betrug am Geldautomaten

Doch die Kreditinstitute haben auch noch gute Nachrichten auf Lager. Die Zahl der Betrugsfälle an Geldautomaten ist in diesem Jahr um mehr als die Hälfte zurückgegangen, die Schadenssumme um etwa 40 Prozent. Offenbar greifen die zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen. Doch keine gute Nachricht ohne Kehrseite. Die Täter schlagen jetzt vermehrt an Fahrkartenautomaten oder Tankstellen zu. Das Katz- und Mausspiel geht weiter.

Gepanschtes Olivenöl aus Italien

Hatten Sie vorgehabt, zu Weihnachten gutes italienisches Olivenöl zu verschenken? Sparen Sie sich das lieber. Rund 80 Prozent der angeblichen Edel-Öle soll gepanschte Billigware aus dem Ausland sein. Die Finanzpolizei ermittelt schon. Da ist wahrscheinlich der ein oder andere Aufseher nicht nur mit Olivenöl geschmiert worden.

Was fehlt? Das jüngste Gerücht. Am Markt halten sich hartnäckig Spekulationen, dass die US-Rating-Agentur Knight & Rupprecht ausgerechnet an Heiligabend die himmlischen Geschenke-Bonds von zwei Sternen auf drei Ruten herabstufen will. Hintergrund sind die Meldungen über ein schwach laufendes Weihnachtsgeschäft nicht nur in Deutschland sondern auch in den USA. Die deutsche Bischofskonferenz hält jedoch einen Rettungsschirm für überflüssig. Sie verweist auf die Weihnachtsgeschichte wo es heißt: „Christ, der Retter, ist da.“ Wenn das mal in der Euro-Krise auch so einfach wäre.

Ich verabschiede mich damit in die Weihnachtsfeiertage, in der kommenden Woche hält Sie mein Kollege Oliver Stock über das Wichtigste des Tages auf dem Laufenden. Ich wünsche Ihnen besinnliche Feiertage und eine gute Erholung,

Ihr Florian Kolf

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