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25.11.2011

17:43 Uhr

Florian Kolf - Was vom Tage bleibt

Von Pleiten und Protesten

VonFlorian Kolf

Ein Ende ist Sicht ist für Manroland und Maybach. Das staatliche Schuldenmachen dagegen geht fröhlich weiter. Und der Papst kriegt überraschend Ärger.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Liebe Leser,

 

es war heute kein nachrichtenstarker Tag, aber dafür gab es einige Meldungen, die es in sich hatten.

 

Druckreife Insolvenz

Lange haben sie gekämpft, doch der beinharte Wettbewerb in der Branche ließ ihnen letztlich keine andere Chance: Der traditionsreiche Druckmaschinenhersteller Manroland hat heute Insolvenz angemeldet. Es ist die größte Pleite in Deutschland seit dem Aus von Arcandor vor zwei Jahren, 6600 Mitarbeiter bangen jetzt um ihren Job. Und das schlimmste: Es war eine Insolvenz mit Ansage. Die drei Großen der Branche, neben Manroland noch Heideldruck und König & Bauer, schieben seit Jahren große Überkapazitäten vor sich her und scheuen die Konsolidierung. Deswegen hält sich die Konkurrenz auch mit Schadenfreude zurück. Auch wenn ihre Aktienkurse heute erst einmal nach oben sprangen – sicher ist in dieser Branche keiner.

 

Überflüssige Nobelautos

Ein weiteres spektakuläres Aus: Mercedes gibt die Marke Maybach auf. Das sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Interview. Die Wiederbelebung dieser Luxus-Marke war von Anfang kein Produkt der Vernunft, sondern ein Prestige-Projekt, das mehr gekostet als eingebracht hat. Doch dass Daimler jetzt solche Experimente stoppt, zeigt, dass der Konzern wieder mehr auf die Kosten guckt und sich auf härtere Zeiten vorbereitet.

 

Schuldenverliebte Politiker

Auf härtere Zeiten einstellen – das wäre wohl auch das richtige Motto für die Bundesregierung gewesen. Doch sparsame Haushaltsführung scheint für deutsche Politiker eine Fremdsprache zu sein, bei der sie in der Schule geschwänzt haben. Obwohl die Steuereinnahmen sprudeln steigt die Neuverschuldung wieder an. Im heute verabschiedeten Bundeshaushalt für 2012 sind neue Kredite in Höhe von 26 Milliarden Euro eingeplant, in diesem Jahr waren es nur 22 Milliarden. Mit dem Totschlagargument, man dürfe die Konjunktur nicht „kaputtsparen“, kommt mittlerweile kein öffentlicher Haushalt mehr ohne Schulden aus. Dahinter steckt offenbar die verdrehte Annahme, die deutsche Wirtschaft sei ein schwächlicher Patient, der ohne permanente staatliche Infusionen nicht mehr laufen könne. Doch die Politiker scheinen vergessen zu haben, wem sie das Blut vorher abgezapft haben.

 

Klamme Banken

Wer wohl tatsächlich eine Bluttransfusion braucht ist die DZ Bank. Als fünftes deutsches Kreditinstitut droht auch sie durch den neuen Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht Eba zu fallen. In Finanzkreisen heißt es, die Bank brauche bis Ende Juni 2012 rund 350 Millionen Euro. Denn nach dem aktualisierten Stresstest-Szenario erreicht das Spitzeninstitut von 1000 deutschen Genossenschaftsbanken nur eine Kapitalquote von 8,6 Prozent statt der geforderten 9,0 Prozent.

 

Teure Proteste

Viel Geld kosten wird auch wieder der Polizeieinsatz rund um die Proteste gegen den Castor-Transport. Dabei ist der Atomausstieg doch längst beschlossen, es wird wahrscheinlich vorläufig das letzte Mal sein, dass Atommüll aus Frankreich zurück nach Deutschland gebracht wird. Doch der Streit um den Standort des künftigen Endlagers für den strahlenden Müll bringt die Aktivisten weiter auf die Barrikaden. Der Zug wird Gorleben irgendwann erreichen. Doch ob der Müll auf Dauer dort bleibt ist offen.

 

Was fehlt? Ein Dortmunder hat den Papst angezeigt, weil Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Freiburg im Papamobil wiederholt nicht angeschnallt gewesen sei. Das zeigt wo in Deutschland die Prioritäten liegen: Nebensächliche Ordnungswidrigkeiten werden kleinlich zur Anzeige gebracht, staatliches Schuldenmachen in Milliardenhöhe auf Kosten der kommenden Generation dagegen ist legal. Ist ja vom Bundestag abgesegnet.

Ich wünsche Ihnen einen geruhsamen Feierabend,

Florian Kolf

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