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09.11.2011

17:29 Uhr

Florian Kolf

Was vom Tage übrig bleibt

VonFlorian Kolf

Italien sieht kein Licht, für Deutschland steht der Crashtest noch bevor. Die Märkte sind hoch nervös, wirklich Geld verdienen wohl nur Pokerspieler.

Florian Kolf ist stellvertretender Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Florian Kolf ist stellvertretender Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Eine Nichtmeldung war heute das beherrschende Thema. Italien weiß nicht, wann Regierungschef Silvio Berlusconi zurücktritt, auch nicht, wer ihm nachfolgen wird und erst recht nicht, wie das Land seine dramatischen Schuldenprobleme in den Griff bekommen soll. Die andere Nichtmeldung, dass der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou zurücktritt, ohne dass zunächst ein Nachfolger benannt wird, gerät darüber fast in den Hintergrund. Beide Hängepartien waren Gift für die Märkte. An den Börsen ging es deutlich nach unten.

Fieber an den Anleihemärkten

Die wahre Fieberkurve für den Zustand Italiens jedoch zeichnete heute der Anleihenmarkt. Die Rendite für die zehnjährige italienische Staatsanleihe stieg nicht nur erstmals über sieben Prozent, sie sprang förmlich um 70 Basispunkte zum Vortag. Besonders bedenklich, ist, dass die Zinsen für die zweijährige Anleihe noch höher liegen. Das lässt nur einen Schluss zu: Anleger rechnen mit einem raschen Zahlungsausfall bei Italien.

Crashtest für die deutsche Wirtschaft

Eher eine sanfte Landung erwarten die Experten dagegen für die deutsche Wirtschaft. Die fünf Wirtschaftsweisen prognostizieren in ihrem heute vorgelegten Gutachten für Deutschland im kommenden Jahr immerhin noch ein Wachstum von 0,9 Prozent. Doch das Risiko ist groß. Selbst eine Rezession schließen die Sachverständigen nicht völlig aus, ob wir den Crashtest bestehen, ist also noch lange nicht sicher. Trotzdem plant die Regierungskoalition munter Steuersenkungen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Staatseinstieg bei EADS

Mehr politisch als ökonomisch inspiriert ist auch der Staatseinstieg beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Um die die nationale Balance im deutsch-französischen Konzern zu erhalten, wird nun die Staatsbank KfW einen Anteil von 7,5 Prozent übernehmen, den Daimler nicht mehr haben will. Mehr als 1,2 Milliarden Euro könnte dieser weitere marktwirtschaftliche Tabubruch den Bund kosten – und das unter einer Regierung mit FDP-Beteiligung.

Milliardenverlust bei Dexia

Eigentlich sind wir gegen Milliardensummen durch das ständige Bombardement in der Finanzkrise ja abgehärtet. Doch der Quartalsverlust der belgisch-französischen Pleitebank Dexia hat mich dann doch aufgeschreckt: 10,5 Milliarden Euro (in Ziffern: 10.500.000.000). Allein der Wertverlust griechischer Staatsanleihen hat dabei mit 2,7 Milliarden Euro zu Buche geschlagen. Das gibt uns eine Ahnung davon, was uns droht, wenn der Verfall der italienischen Anleihen so weitergeht wie heute.

Rote Zahlen bei Opel

Auf die Misere in Europa schiebt auch General Motors seinen gesunkenen Gewinn. Die Töchter Opel und Vauxhall kommen einfach nicht richtig auf Touren. Dabei brummt die Konjunktur in diesem Jahr doch noch. Was soll erst werden, wenn das Wirtschaftswachstum sich im kommenden Jahr abschwächt? Auch der gerade erst erfolgte Austausch des Europachefs wird wohl nicht reichen, um Opel auf Dauer in die schwarzen Zahlen zu bringen.

Und was fehlt noch? Der 22-jährige Deutsche Pius Heinz hat die Poker-WM gewonnen und 8,7 Millionen Dollar Preisgeld eingestrichen. Vielleicht sollte ihn Angela Merkel als Berater engagieren, damit sie beim nächsten Euro-Poker nicht wieder von Nicolas Sarkozy über den Tisch gezogen wird. Oder sie übergibt ihm gleich den deutschen Beitrag zum Euro-Rettungsschirm als Einsatz für sein nächstes Turnier. Viel riskanter als eine Hebelung ist das wohl auch nicht.

 

Einen schönen Feierabend wünscht

Florian Kolf

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