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17.11.2011

17:33 Uhr

Florian Kolf

Was vom Tage übrig bleibt

VonFlorian Kolf

Was das Murmeltier mit der Bankenkrise zu tun hat? Es grüßt auch täglich - und es braucht Vertrauen, um die Schleife böser Nachrichten zu überwinden.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

An den Märkten war heute wieder Groundhog Day: „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Und wer spielt das Murmeltier? Natürlich die vielgescholtenen Ratingagenturen. Erst hatte gestern Abend Moody's die deutschen Landesbanken kollektiv herabgestuft. Ganz unerwartet kam das nicht, nimmt doch die Haftung des Staates für die öffentlich-rechtlichen Institute immer mehr ab. Für intensive Diskussionen hat der Schritt aber heute trotzdem gesorgt.

Warnung für US-Banken

Heftiger waren aber die Reaktionen auf eine Mitteilung der Ratingagentur Fitch. Wenn die Schuldenprobleme in Europa nicht bald gelöst werden, so der kleinste der drei amerikanischen Bonitätswächter, könne das auch die Kreditwürdigkeit von US-Banken in Mitleidenschaft ziehen. Die Botschaft war eher banal: „Die Risiken eines negativen Schocks nehmen zu.“ Das wussten wir auch so schon. Doch sie kam kurz vor Handelsschluss in New York. Daraufhin reagierten die ohnehin nervösen Märkte drastisch. Die Kurse von Bankaktien stürzten ab, dutzende Milliarden Dollar verpufften mit einem Schlag.

Harte Zeiten in Italien

Weil sie gerade so schön dabei war, hat Fitch dann heute gleich noch Italien abgewatscht. Beim Anhalten des hohen Zinsniveaus von Italiens Staatsanleihen könnte das Land an den Rand der Zahlungsfähigkeit geraten. Außerdem sei Italien wahrscheinlich schon in der Rezession, behauptete die Ratingagentur. Der neue Regierungschef Mario Monti hätte sich wahrlich schönere Nachrichten zum Start gewünscht. Heute präsentierte er sein Regierungsprogramm. Er versprach einen "harten, aber gerechten Sparkurs". Die italienische Öffentlichkeit davon zu überzeugen ist noch ein ganzes Stück Arbeit. In vielen Großstädten gab es Demonstrationen gegen die neue Regierung. "Monti macht uns alle zu Bettlern", schallte es durch Turin. Bis dahin dürfte es aber noch ein weiter Weg sein - trotz der Unkenrufe von Fitch.

Richard Branson kauft sich eine Bank

Erinnern sie sich noch an die Anfänge der Finanzkrise? Als die Staaten noch die Retter waren und nicht selbst gerettet werden mussten? Da gab es ein Bild, das symbolisch für die Krise war: Lange Schlangen von Kunden bildeten sich vor der angeschlagenen britischen Bank Northern Rock - sozusagen die zurückhaltend englische Variante des Bank-Run. Die Regierung verstaatlichte die Hypothekenbank im Februar 2008 und garantierte die Sicherheit der Einlagen. Nun gibt sie sie wieder ab. Ausgerechnet der schillerndste Unternehmer der Insel greift zu: Milliardär Richard Branson. Er besitzt nicht nur eine Airline und will künftige Flüge ins All anbieten, er hat auch eine Finanzsparte namens Virgin Money. „Das Bankgeschäft im Vereinigten Königreich braucht frische Ideen", begründete Branson die Übernahme. Wer mag ihm da widersprechen?

Amerikas Schulden steigen ungebremst

Frische Ideen braucht auch die US-Regierung. Heute hat die Staatsschuld des Landes die Marke von 15 Billionen Dollar überschritten - zwei Monate früher als eigentlich erwartet. Um mal einen Begriff von der Summe zu bekommen: Sie entspricht 99 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der USA oder, in 100-Dollar-Scheinen gebündelt, dem Volumen beider Türme des ehemaligen World Trade Centers. Seit August streiten sich die beiden großen Parteien, Republikaner und Demokraten, wie die Ausgaben begrenzt werden können - und sind seitdem keinen Schritt weitergekommen.

Was fehlt? Heute öffnen in vielen großen Städten die Weihnachtsmärkte. Das gibt die Gelegenheit bei einem gemütlichen Glühwein darüber nachzudenken, ob es wirklich notwendig ist, jede Äußerung der Ratingagenturen auf die Goldwaage zu legen. Im Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" muss Bill Murray Vertrauen gewinnen, um die ewige Schleife der schlechten Nachrichten zu durchbrechen. Vielleicht keine schlechte Anregung.

Einen schönen Feierabend wünscht

Florian Kolf

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Kommentare (1)

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Spartakus

18.11.2011, 00:17 Uhr

Ein Volk wird versklavt!
Die Exportgier der Industrieländer und deren Großkonzerne, durch Bestechung von korrupten Regierungen und Regierungsmitgliedern Griechenlands und mit der Mittäterschaft von deutschen und französischen Banken, hat zu dieser Überschuldung geführt.
Jetzt wird ein ganzes Volk versklavt, während die Verantwortliche von Siemens, Mercedes, Krauss-Maffei, Dassault und die korrupte griechische Regierungsmitglieder, Bankmanager unbestraft ein leben in Luxus und Überfluss genießen.
Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien! Schaut auf dieses Volk und erkennt, daß ihr dieses Land und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt!
Es gibt nur eine Möglichkeit für uns alle: gemeinsam so lange zusammenzustehen, bis dieser Kampf gewonnen, bis dieser Kampf endlich durch den Sieg über die Feinde, durch den Sieg über die Macht der Finsternis besiegelt ist.

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