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28.01.2008

14:30 Uhr

Fortis

Umsichtiges Zurechtstutzen

VonMike Verdin (breakingviews.com)

Die belgisch-niederländische Bank hat ein branchenweites Problem beleuchtet: Wie bewertet man am besten Subprime-Investitionen? Fortis hat zwei Szenarien angeboten. Das wohlwollende Modell ist nicht allzu Besorgnis erregend – die Ergebnisse würden in etwa den Prognosen entsprechen. Aber der konservative Ansatz deutet auf Leid für die Bank und viele ihrer Branchenkollegen hin.

Nimmt man am besten die Kettensäge oder die Nagelschere, wenn man den Wert brüchig gewordener Investitionen in US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität zurechtstutzen will? Fortis, die belgisch-niederländische Bank, hat zwei Szenarien entworfen – eines mittel, das andere hart –, um ihr eigenes Portfolio über fünf Mrd. Euro zu beschneiden. Ein solch zweigleisiger Ansatz mag typisch sein für ein Kreditinstitut, das sowohl in Utrecht als auch in Brüssel sitzt und an zwei Börsen notiert ist. Aber andere Banken sehen sich demselben Dilemma gegenüber.

Und es ist ein großes Dilemma. Wenn Fortis ihre eigenen – moderaten – Bewertungsmodelle beibehalten kann, wird sie rund eine Mrd. Euro bei ihren CDO-Investitionen verlieren. Das ist nicht ideal für eine Bank, die bei den Investoren ohnehin schon in Ungnade gefallen ist. Ihre Aktien sind im vergangenen Jahr kläglich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, was weitgehend auf die teuere Akquisition von Teilen von ABN Amro zurückzuführen ist. Aber ein Aufwand über eine Mrd. Euro würde bedeuten, dass Fortis für 2007 einen zugrunde liegenden Gewinn von rund vier Mrd. Euro aufweisen kann. Und das ist weniger als zehn Prozent von den Erwartungen der Investoren entfernt.

Andere Banken, besonders in den USA, haben einen konservativeren Ansatz gewählt. Wenn Fortis der vorsichtigsten Methode folgen würde, könnten sich ihre Abschreibungen auf mehr als zwei Mrd. Euro verdoppeln.

Das wäre nicht nur schlecht für Fortis. Wenn das schlimmste Szenario von Fortis zum europäischen Branchenstandard werden würde, dann müssten auch andere Banken größere Belastungen hinnehmen. So weit man das aus dem begrenzten, veröffentlichten Datenmaterial herauslesen kann, müssten sowohl UBS als auch Royal Bank of Scotland, zum Beispiel, weitere drei Mrd. Dollar von ihren CDO-Portfolios abziehen.

Vielleicht könnten mehr Informationen das Dilemma lösen. CDOs weisen enorme Unterschiede auf, also mag es vollkommen logisch sein, von verschiedenen Portfolios verschiedene Prozentsätze abzuschreiben. Aber so lange Unsicherheit unter den Investoren herrscht – und die Bedingungen auf den Kreditmärkten verschärfen sich immer noch – wird es für Fortis schwer werden, zu rechtfertigen, warum sie das Risiko ihres moderaten Ansatzes auf sich nimmt.

Die Bankmanager glauben vielleicht, es sei fairer, die schlechten Nachrichten zu nehmen, wie sie kommen, anstatt jetzt das Schlimmste anzunehmen und dann später mit Vergnügen die Belastungen rückgängig zu machen. Aber in solch angsterfüllten Zeiten könnten die Wirtschaftsprüfer und die Aktionäre es vorziehen, das Glas als halb leer zu betrachten.

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