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20.01.2008

15:02 Uhr

General Electric

Kauft GE, nicht amerikanisch

VonJohn Christy (breakingviews.com)

Die robusten Ergebnisse von GE rechtfertigen den Umbau des Portfolios durch Jeff Immelt, den Chef des Mischkonzerns. Der Finanzbereich des Unternehmens wird wohl weiter leiden. Aber das erstklassige „AAA“-Rating und ein pralles Auftragsbuch voller globaler Infrastrukturprojekte verschaffen GE einen bequemen Vorsprung vor den Konkurrenten.

Der größte industrielle Mischkonzern Amerikas sollte ein ziemlich verlässliches Barometer für die Wirtschaft und den Aktienmarkt sein. Aber General Electric (GE) sieht eher wie ein Kontra-Indikator aus. Die robusten Ergebnisse im vierten Quartal rechtfertigen den Umbau des Portfolios durch den Chef Jeff Immelt, der sich auf die Geschäfte konzentriert, die die US-Wirtschaft überflügeln können. Mit einem prallen Auftragsbuch und einer Bonitätsbewertung von „AAA“, scheint GE bestens dafür gerüstet, den Markt hinter sich zu lassen.

Nachdem der US-Aktienmarkt in der vergangenen Woche die schlimmsten drei Tage seit fünf Jahren erlebt hatte, warteten die Aktienanleger verzweifelt auf eine gute Nachricht. GE tat ihnen den Gefallen. Der Hersteller von Turbinen und Glühbirnen legte einen Gewinnzuwachs um 17 Prozent im vierten Quartal vor und bekräftigte seine Prognose über eine Steigerung um mindestens zehn Prozent in diesem Jahr.

Es sieht so aus, als ob sich Immelts Kaufrausch über 100 Mrd. Dollar, bei dem ein Deal den anderen ablöste, seitdem er 2001 das Ruder übernommen hat, endlich auszahlt. Indem er sich auf schneller wachsende Geschäfte und vor allem auf Chancen im Ausland konzentriert, zielt der Mischkonzern darauf ab, dass sein Umsatz zwei- bis dreimal schneller wächst als das US-Bruttoinlandsprodukt. GE könnte sogar noch besser abschneiden. Während die Wirtschaft sich der Rezession zuneigt, erwartet GE ein Umsatzwachstum um zehn bis 15 Prozent in diesem Jahr – teilweise dank einem Auftragsbestand über 44 Mrd. Dollar für Infrastrukturausrüstung zum Beispiel in China, Indien und Lateinamerika.

Auf dem Heimatmarkt sieht die Lage natürlich nicht so rosig aus. GE prognostiziert für seinen Finanzbereich GE Money einen Gewinnrückgang um 20 Prozent – und die Ausfallquoten in den USA steigen immer noch. Und doch hat GE die Risiken besser unter Kontrolle behalten als seine Konkurrenten. Ein Engagement in CDOs, also in Wertpapieren, die mit einem Pool an Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt und mit unterschiedlichen Kreditrisiken behaftet sind, war unterblieben, das Geschäft mit US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität war im vergangenen Sommer abgestoßen worden. Bald könnte GE sogar in der Lage sein, in eine Notlage geratene Portfolios für einen Apfel und ein Ei aufzusammeln – eine Taktik, die sich schon in früheren Kreditkrisen zu Gunsten des Unternehmens ausgewirkt hatte.

Die Aktien von GE waren nach der Bekanntgabe der Resultate um mehr als vier Prozent geklettert, aber da könnte es noch Spielraum nach oben geben. Bei einem Kurs von 34 Dollar werden die Titel lediglich zu einem 14fachen der geschätzten Ergebnisse gehandelt, das ist ein Abschlag gegenüber dem S&P-500-Index. Wenn man die Aussichten für den Rest des Markts betrachtet, dann sollte GE über einen Aufschlag verfügen.

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