Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.01.2009

20:05 Uhr

Griechenland

Europas Achillesferse

VonConstantine Courcoulas (breakingviews.com)

Griechenland ist der führende Kandidat aus der Eurozone für einen Staatsbankrott. Im Interesse der finanziellen und politischen Stabilität der Gemeinschaft sollte jedoch genau das vermieden werden. Die EU-Unterstützung sollte aber an umfassende wirtschaftliche Veränderungen geknüpft werden - auch wenn diese weh tun.

Griechenland mag geographisch am Rand der Eurozone liegen, es ist aber alles andere als unwichtig für die Europäische Union. Das Land ist unter den Mitgliedern der Eurozone der führende Kandidat für einen Staatsbankrott. Wie schlimm es wird und wie die EU reagiert, ist von höchster Bedeutung für andere kriselnden Volkswirtschaften der Region.

Die Krise mag nicht unmittelbar bevorstehen, doch die Aussichten verschlechtern sich schnell. Die Europäische Kommission rechnet in Griechenland nur mit einem Wachstum von 0,2 Prozent in diesem Jahr. Das Haushaltsdefizit liegt bei 3,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), und das Verhältnis von Schulden zum BIP beträgt stolze 94 Prozent. Eine Herabstufung des griechischen Länderratings durch Standard & Poor's führte dazu, dass sich die Kosten neuer Verschuldung für das Land drastisch erhöht haben. Heute hat Griechenland das schlechteste Rating der Gemeinschaft.

Investoren haben Griechenland schon immer als das schwächste Glied der Eurozone betrachtet. Doch ein Jahrzehnt des Wachstums, dass durch Hilfen der EU gestützt wurde, endete schließlich schneller, als dies sich die meisten vorstellten. Tourismus und Schifffahrt, die Grundpfeiler der Wirtschaft, kamen im letzten Jahr unter die Räder. Der Bankensektor des Landes ist stark in Osteuropa engagiert, und die Steuereinnahmen lagen 2008 um rund 50 Prozent unter der Zielgröße.

Eine vernünftige Reaktion wäre die Kürzung der Staatsausgaben. Doch die Möglichkeiten dazu werden von einer anhaltenden politischen Krise eingeschränkt. Die Löhne im öffentlichen Sektor Griechenlands, die oft dazu benutzt werden, sich in Zeiten politischer Unsicherheit die Kooperation der Staatsdiener zu erkaufen, dürften in diesem Jahr um zehn Prozent steigen.

Ein griechischer Zahlungsausfall kann nicht ausgeschlossen werden. Das wäre übel, in politischer und finanzieller Hinsicht. Weil öffentlicher und halböffentlicher Sektor zusammen 40 Prozent des BIP ausmachen, würden Nachrichten über Zahlungsprobleme der Regierung so gut wie sicher wütende Proteste auslösen, die sogar noch schlimmer als die Unruhen sein könnten, die im Dezember für über eine Woche die größten griechischen Städte lahmlegten. Es könnte zudem panikartige Verkäufe der Schuldtitel anderer finanzschwacher EU-Staaten provozieren.

Allein schon die Ansteckungsgefahr sollte Europa zu Präventivmaßnahmen bewegen, um einen griechischen Zahlungsausfall zu verhindern. Europas Situation ähnelt der von Aktionären und Anleiheeignern eines strauchelnden Unternehmens: Jedem ist am besten gedient durch eine zeitige Refinanzierung und Restrukturierung, die einen totalen Zusammenbruch verhindert.

Griechenland sollte aber keinesfalls einen Blankoscheck erhalten. Das Land braucht tief greifende wirtschaftliche Veränderungen. Die Wirtschaft wird behindert durch exzessive Staatsausgaben und eine stark von Subventionen geprägte Industriepolitik. Viele der Staatsbetriebe wären im privaten Sektor besser aufgehoben. Reformen wären schmerzhaft, doch die Alternative könnte für Griechenland viel schlimmer sein.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×