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14.01.2010

08:11 Uhr

Hacker-Angriffe

Google bricht mit den Tabus

VonRobert Cyran (breakingviews.com)

Koordinierte Attacken auf IT-Systeme sind weit verbreitet. Doch Unternehmen und Regierungen ließen darüber bisher meist nichts verlauten. Mit der Zunahme des Cloud Computing steht jetzt allerdings immer mehr auf dem Spiel. Das könnte der Grund dafür sein, dass sich Google zu Wort gemeldet hat – und dass das US-Außenministerium China öffentlich zur Rede gestellt hat.

Die Beschwerde von Google über chinesische Hacker-Angriffe bildet nur die Spitze eines Eisbergs. Koordinierte Attacken auf IT-Systeme sind weit verbreitet. Die Unternehmen und Regierungen haben darüber bisher meist nichts verlauten lassen. Mit der Zunahme der Computerdienste, die stark vom Internet abhängen, steht jetzt allerdings immer mehr auf dem Spiel. Das könnte der Grund dafür sein, dass der US-Suchmaschinenbetreiber Google angesichts der jüngsten Versuche, sein geistiges Eigentum zu stehlen, das Wort ergriffen hat - und dass das US-Außenministerium zudem China zur Rede gestellt hat.

Die Dimension der jüngsten Ausspähaktionen deutet auf eine komplexe Operation hin. Mehr als 30 Unternehmen wurden gleichzeitig über eine bisher unentdeckte Software-Sicherheitslücke angegriffen. Die Übergriffe scheinen von der Regierung Chinas abgesegnet worden zu sein, wenn sie nicht sogar selbst involviert war. Es ist schwer vorstellbar, wer sonst an den E-Mail-Konten politischer Dissidenten, die laut Aussage von Google Ziel der unerlaubten Zugriffsversuche waren, interessiert sein könnte.

Die konzertierte Attacke weist zudem Ähnlichkeiten zu einem Vorfall aus dem vergangenen Jahr auf, bei dem hundert Firmen angegriffen wurden, berichten Sicherheitsexperten von iDefense. Sie sollte also nicht als einmaliges Ereignis oder als nicht autorisierte Operation abgetan werden.

Bei solchen Attacken werden immer mehr Informationen und immer größere Geldbeträge Gefahren ausgesetzt. Patente und Betriebsgeheimnisse machen einen zunehmenden prozentualen Anteil am Wert vieler Unternehmen aus. Der Diebstahl materieller Güter ist für deren Hersteller selten existenzbedrohend. Ein Software-Unternehmen allerdings kann zerstört werden, wenn sein Geheimrezept gestohlen wird.

Microsoft, zum Beispiel, beschwert sich unentwegt über Software-Piraterie in China und in anderen Ländern. Aber Google ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat gegen eine Verletzung der Datensicherheit protestiert, die den Suchmaschinenbetreiber angreifbar erscheinen lässt. Andere Unternehmen und Regierungen haben bisher über derlei Missstände öffentlich meist nichts verlauten lassen.

Das könnte sich ändern, denn die Schwierigkeiten von Google werden schnell zum Problem aller. Das Wachstum des Cloud Computing, bei dem Dienste zum E-Mail-Versand, für Tabellenkalkulationen und die Textverarbeitung online geliefert werden, erhöht die Verwundbarkeit von Unternehmen und Regierungen bei internetbasierten Hacker-Attacken. Das US-Außenministerium unter der Leitung von Hillary Clinton scheint die Beschwerde von Google zu unterstützen.

Westliche Regierungen sind hinter den Kulissen intensiv darin eingebunden, Lücken in der Internet-Sicherheit zu schließen. Aber Cyber-Angriffe, die augenscheinlich staatlich gestützt sind, erfordern wohl auch eine Reaktion in aller Öffentlichkeit. Der Entschluss Clintons, offen mit dem Finger auf die chinesische Regierung zu zeigen, könnte nur der Anfang gewesen sein.

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